Politische Äußerung – Was hat Taylor Swifts Einmischung gebracht?

Publiziert

Politische ÄußerungWas hat Taylor Swifts Einmischung gebracht?

65.000 Bürger haben sich nach dem Insta-Aufruf von Taylor Swift zum Wählen registriert. Darf der Popstar dies als Erfolg für sich verbuchen?

In der Nacht zum Mittwoch räumte Taylor Swift ab: An den American Music Awards in Los Angeles durfte die 28-Jährige die begehrten Auszeichnungen als beste Pop/Rock-Sängerin, für das beste Album («Reputation») und für die beste Tournee entgegennehmen. Ihre Dankesrede nutzte Swift für einen politischen Aufruf : «Am 6. November sind Kongresswahlen. Geht raus und wählt. Ich liebe euch.»

Damit äußert sich die Sängerin ein zweites Mal in wenigen Tagen zu den anstehenden Midterms. Nachdem sich Swift jahrelang kaum politisch geäußert hatte, bekundete sie am Wochenende auf ihrem Instagram-Account Unterstützung für den Kandidaten der Demokraten in ihrem Heimatstaat Tennessee. Zudem äußerte sie deutliche Kritik an der republikanischen Kandidatin Marsha Blackburn, deren konservative Haltung sie nicht unterstützen könne.

Politische Einmischung unerwünscht

Der Aufruhr ließ nicht lange auf sich warten: Zahlreiche Fans kündigten der Musikerin auf Social Media die Gefolgschaft, und selbst US-Präsident Donald Trump gab ein Statement ab: Er möge die Musik von Swift nun «etwa 25 Prozent weniger». Auch wenn Swifts politische Äußerungen relativ harmlos waren, ist sie damit dennoch ein Wagnis eingegangen. In den USA werden politische Wortmeldungen von Menschen aus der Unterhaltungsbranche, insbesondere aus dem Musikbusiness, nicht unbedingt positiv aufgenommen.

Nun stellt sich die Frage, ob Swift mit ihrem Aufruf zum Registrieren etwas anstoßen konnte. Vordergründig: ja. Laut der Nonprofit-Organisation Vote.org seien in den 24 Stunden nach Swifts Insta-Post vom Sonntag 65.000 Registrierungen erfasst worden, wie CNN berichtet. Zum Vergleich: Im ganzen Monat August waren es nur knapp 57.000 Neuregistrierungen gewesen. Insbesondere die US-Boulevardpresse sieht darin einen Erfolg für Swift: Ihre Aufforderung habe einen «massiven Effekt auf die junge Wählerschaft» gehabt, die Zahlen würden «dank ihr in den Himmel schießen», sie habe «im Alleingang 65.000 neue Wähler rekrutiert».

Nur gutes Timing?

Doch sollte man dabei nicht außer Acht lassen, dass in vielen Bundesstaaten die Frist, um sich zu registrieren, demnächst abläuft oder bereits abgelaufen ist. In Swifts Heimat Tennessee war der Stichtag am Dienstag, 9. Oktober. Es sei üblich, dass in den letzten Tagen vor einer Deadline ein verstärkter Zuspruch zu messen sei, sagen Beobachter. Taylor Swift hatte ihren Aufruf zwei Tage vor dem Fristende vielleicht nur sehr gut getimt.

Selbst wenn ein Großteil der 65.000 Neuregistrierungen auf Swifts Anstoß hin erfolgt sein sollte, hätte sie nur einen kleinen Teil ihrer Fans erreicht. Schließlich hat die Sängerin auf Instagram 120 Millionen Fans – nicht mitgerechnet die breite Öffentlichkeit, die sie über Medienberichte erreicht hat.

Von der Bühne gebuht

Es wird sich zeigen, wie sich Swifts Einmischung auf ihre Karriere auswirken wird. Die Dixie Chicks etwa, die sich 2003 kritisch gegen den damals amtierenden Präsidenten George W. Bush ausgesprochen hatten, mussten einen schweren Karriereknick hinnehmen. Zuvor hatte die weibliche Country-Pop-Band zu den erfolgreichsten Acts in Amerika gezählt, nach der politischen Äußerung wurde sie landesweit von Radios boykottiert. Die Band ging sieben Jahre nicht mehr auf Tour.

Ein ähnliches Schicksal ereilte die irische Sängerin Sinéad O'Connor: Nachdem sie 1992 im amerikanischen Live-Fernsehen ein Bild des Papstes zerrissen hatte, um gegen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche zu protestieren, war ihre Karriere zumindest in den USA faktisch vorüber. Mehrfach wurde sie bei Folgekonzerten von der Bühne gebuht und konnte in den USA nie mehr wirklich Fuß fassen.

(L'essentiel/mat)

Deine Meinung