Luxemburg: Was ist eigentlich «normal»?
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Luxemburg Was ist eigentlich «normal»?

LUXEMBURG – Was wäre, wenn unsere Gesellschaft aufhören würde, eine Norm zu definieren? Zum Beispiel, dass eine Person ohne Behinderung als normal gilt und nicht umgekehrt. Mit diesem Thema befasst sich eine vom Ministerium für Familie und Integration initiierte Kampagne.

von
Nicolas Chauty

Ministerium für Familie und Integration

Die neue Sensibilisierungskampagne des Ministerium für Familie und Integration zielt darauf ab, die Barrieren der angeblichen «Normalität» abzubauen. Das Projekt «Wat ass normal?» (wörtlich übersetzt: «Was ist normal?»), soll zum Umdenken anregen. Denn die Menschen unserer Gesellschaft neigen immer noch dazu, jede kleine Abweichung mit Ausgrenzung zu bestrafen. Zu diesem Zweck wurden sechs Laienschauspieler gecastet, die alle eine Behinderung haben. In mehreren Alltagssequenzen, spielen die Darsteller Rollen einer Person ohne Behinderung. Verfolgtes Ziel dabei ist es «Normalität» neu zu definieren, indem der Zuschauer dazu eingeladen wird, die vorherrschenden Konzepte von «Normalität» in unseren Köpfen zu überdenken.

«Wenn jemand gerne ein Buch von hinten anfängt zu lesen, wieso sollte ich denjenigen dafür verurteilen? Eine Behinderung existiert nur, wenn man sie wahrnimmt», erklärt die Ministerin für Familie und Integration, Corinne Cahen: «Wir sollten sie nicht wahrnehmen, wenn das nicht nötig ist. Letztendlich tragen wir alle ‹etwas normales› und ‹etwas anormales› in uns. Wir müssen es nur besser kommunizieren».

Blindheit, Trisomie, Asperger-Syndrom, sichtbare oder unsichtbare Behinderungen... «Wir sind alle Teil derselben Gesellschaft», ist das Motto der Kampagne, die ab dieser Woche im Radio, Fernsehen, auf Plakaten und in sozialen Netzwerken ausgestrahlt wird.

Ministerium für Familie und Integration

«Wir wollen Luxemburg zu einem Land machen, in dem wir alle zusammen leben können.»

Corinne Cahen, Ministerin für Familie und Integration

«Die Kampagne zielt vor allem auf Menschen ohne Behinderung ab», betont Corinne Cahen. Es sind Vorurteile, die sich auf unseren Straßen, in unseren Parks und in unseren Wartezimmern ändern müssen. Warum soll es nicht zur Normalität gehören, dass jeder die Gebärdensprache beherrscht? Dies ist eine der Fragen, die die Kampagne aufwerfen will, um die Gesellschaft zum Umdenken zu bewegen und Lösungen zum Abbau von Stigmatisierungen zu fördern.

Damit die Kampagne ein Erfolg wird, arbeiten die Verantwortlichen «jeden Tag hart», betont Cahen und nennt schon verabschiedete Gesetzte als Beispiele dafür. Darunter fallen Gesetzte zur Barrierefreiheit, der Anerkennung der deutschen Gebärdensprache oder der Unterstützung bei der Eingliederung in die Arbeitswelt. «Wir arbeiten daran, Luxemburg zu einem Land zu machen, in dem wir alle zusammen leben können». Ohne festgelegte Normen, und ohne willkürliche Vorurteile.

Ministerium für Familie und Integration

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