Von Frau zu Frau – «Was ist mit Ihnen los, Asma?»
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Von Frau zu Frau«Was ist mit Ihnen los, Asma?»

Sie ist modern und glamourös. Doch das Morden in Syrien kann oder will Präsidentengattin Asma al-Assad nicht stoppen. Nun starten Uno-Botschafter-Frauen einen Video-Appell.

«Liebe Asma, manche Frauen sorgen sich um ihr Aussehen, und andere sorgen sich um ihre Mitmenschen.» In der kontrastreich geschnittenen Videobotschaft sieht man zuerst Asma al-Assad mit trendiger Sonnenbrille und keckem Blick. Dann ein krasser Gegenschnitt. Das Bild einer verzweifelten Syrierin, die ihr Kind in den Armen hält, stört die anfängliche Hochglanzidylle. Dann wieder Asma – schön, souverän vor einer Stadtkulisse: «Einige Frauen kämpfen für ihr Image – andere Frauen kämpfen ums Überleben.» Gezeigt werden Syrierinnen, die mit ihren Kindern vor einem Bombenhagel flüchten.

Seit einem Jahr herrscht in Syrien ein blutiger Bürgerkrieg, der bereits tausende Todesopfer gefordert hat. Ein Ende ist trotz Eingreifens der Uno nicht abzusehen. Das am Dienstagmorgen publizierte vierminütige Video ist eine dringliche Botschaft an Asma, die Gattin des syrischen Präsidenten Baschir al-Assad.

Stets ist die in London aufgewachsene, ausgebildete Investmentbankerin als gleichberechtigte Partnerin ihres Mannes aufgetreten. An dessen Seite inszenierte sich Asma als Reformerin, die die syrische Gesellschaft modernisieren will. Doch von dieser aufgeschlossenen, mutigen Haltung ist seit Ausbruch des Krieges nichts zu spüren. Man nehme ihr die Rolle der passiven Ehefrau nicht ab, so die Initiatorinnen der Internet-Petition, Huberta von Voss-Wittig und Sheila Lyall Grant, die Ehefrauen des deutschen und des britischen Uno-Botschafters in New York, wie Spiegel Online weiß. Sie könne sich nicht länger hinter ihrem Mann verstecken.

Asma ins Gewissen reden

«Was ist mit Ihnen los, Asma? Hunderte syrischer Kinder sind schon getötet oder verletzt worden», heißt es im offenen Brief weiter. «Eines Tages werden unsere eigenen Kinder fragen, was wir unternommen haben, um das Blutvergießen zu beenden. Was werden Sie antworten, Asma?»

Unterstützt haben die Botschaft unter anderen die Ehefrauen von Diplomaten aus Japan, der Türkei, Finnland, Ungarn, Südafrika, den Philippinen. Es ist keine offizielle Uno-Botschaft, sondern aus rein privater Initiative entstanden, betonen die zwei Frauen, deren Appell im Internet unterzeichnet werden kann. Man wolle Asma als Frau, Ehefrau und Mutter ins Gewissen reden. Sie sollte endlich ihren Mann stoppen. «Keiner interessiert sich noch für Ihr Image. Was uns interessiert, ist, dass Sie handeln. Und das sofort.»

(L'essentiel Online/kub)

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