Salz verboten – Was steckt eigentlich in Astronautennahrung?

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Salz verbotenWas steckt eigentlich in Astronautennahrung?

Was bei der Ernährung im Weltall alles möglich ist und weshalb auch auf der Erde lebende Menschen von Weltraumnahrung profitieren.

Astronautennahrung hat sich seit der Mondlandung mit der Apollo 11, von der diese Menüs stammen, weiterentwickelt. Vakuumiert ist das Essen im All noch immer.

Astronautennahrung hat sich seit der Mondlandung mit der Apollo 11, von der diese Menüs stammen, weiterentwickelt. Vakuumiert ist das Essen im All noch immer.

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Ein schwereloses silbernes Päckchen, das mit den Zähnen aufgerissen wird und dessen dubioser Inhalt Weltraumreisende satt hält. In etwa so stellt man sich Astronautenessen vor. Kein Wunder: Während der 1960er-Jahre ernährten sich Raumfahrer und Raumfahrerinnen von Essen aus Tuben.

Genauer gesagt von einer Fleisch-Gemüse-Paste. Auch eine Art Super-Tablette mit allen wichtigen Nährstoffen galt damals als Idee für Astronautennahrung, wurde jedoch verworfen. Heute sieht das Essen im All für uns Erdbewohner überraschend alltäglich aus.

Gefriergetrockneter Kaffee

Wenn es um das Kreieren von Essen fürs All geht, müssen Forschende sowie Köche und Köchinnen jedoch einige Kriterien berücksichtigen: Die Lebensmittel müssen schließlich den extremen Bedingungen in der Schwerelosigkeit standhalten können. Zudem müssen Menschen im Weltraum ihr Essen einfach zubereiten, essen und gut verstauen können. Und es muss haltbar sein, denn Kühlschränke gibt es nicht an Bord.

Astronautennahrung wird deshalb gefriergetrocknet. Lebensmittel und Getränke wie Kaffee, Tee oder Orangensaft sind vakuumiert – ihnen wird jegliche Flüssigkeit entzogen. Die Verringerung des Wassergehalts verhindert, dass Mikroorganismen gedeihen können. Möchte der Astronaut oder die Astronautin etwas verspeisen, muss heißes Wasser zufügt werden, um das Essen zu rehydrieren. Milch oder Sahne im Kaffee? Gibt es in Form eines Puders.

Ein bestrahltes Steak hält länger

Vanessa Farsadaki, Space Health Associate Scientist am Institut für Weltraum-Gesundheit in Texas, teilt ihr Wissen zu Weltraumessen auf ihrem Kanal astro_vanessa. Hier beschreibt sie die unterschiedlichen Formen von Essen, das während Weltraummissionen gegessen wird.

Frisches Obst, Gemüse oder sogar Tortillas werden etwa direkt zur Raumstation ISS geliefert. Diese Art von Nahrung sei in wenigen Tagen zu essen, da sie sonst schlecht werde. Sie habe aber einen positiven psychologischen Einfluss für jene, die besonders lang im Weltraum arbeiten und deshalb lange Zeit nicht in ihre Heimat zurückkehren können.

Fleisch, wie zum Beispiel ein Rindersteak, wird mit ionisierender Strahlung sterilisiert, damit es vor dem Verderben bewahrt wird. Laut Farsadaki hat die NASA von der Lebensmittelbehörde FDA eine Ausnahmegenehmigung für diese Art der Lebensmittelsterilisation erhalten.

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Waffeln im Weltraum

Ein Steak – klingt ganz so, als unterscheide sich das Essen im All nicht groß von dem unseren hier auf der Erde. Noch weitere im Handel erhältliche, haltbare Lebensmittel finden sich auf der Liste. Wurst hat etwa den perfekt geringen Anteil an Feuchtigkeit, um lange zu halten. Daneben gibt es direkt verzehrfähige Nüsse, Kekse und Müsliriegel, sowie Brotprodukte mit verlängerter Haltbarkeit. Das können Scones, Waffeln und Brötchen sein, die speziell für eine Haltbarkeit von bis zu 18 Monaten entwickelt wurden. Und Pizza.

Was steckt in der Weltraumpizza?

Natürlich gleicht eine Pizza im Weltall jener auf der Erde nur optisch. In Sachen Inhaltsstoffen unterscheiden sie sich voneinander, denn ein Mensch, der unter solchen Bedingungen wie denen im Weltraum lebt und arbeitet, braucht bestimmte Nährstoffe. Die Umgebung im All wirkt sich auf den menschlichen Körper aus: Knochen- und Muskelmasse schwinden. Zudem ist das Hungergefühl gestört und auch der Geschmackssinn soll nicht ganz so gut funktionieren im All. Das sorgt nicht gerade für Appetit.

Die auserkorenen «Weltraumköche» müssen sich deshalb genau im Klaren darüber sein, welche Zutaten gebraucht werden. Dafür gibt es extra Fortbildungskurse bei der European Space Agency (ESA), die über die strengen Vorschriften, die erlaubten Zutaten, die Kalorienmengen und erforderlichen Nährstoffe unterrichten.

Keine Wunderpille, dafür aber Heilung

Zutaten dürfen übrigens nicht blähen – Sauerkraut oder Zwiebeln stehen also nicht auf der Speisekarte. Auch Salz ist ein No-Go, denn Studien zufolge verstärkt Salzkonsum im All den Knochenschwund. Saucen und Suppen müssen zu einem dicken Brei verarbeitet sein und Brot darf nicht krümeln – Tröpfchen und Krümel könnten die Geräte an Bord beschädigen.

Trink- und Sondernahrung, die im Zuge der Astronautenforschung entstand, dient außerdem heute bei der Behandlung krankheitsbedingter Mangelernährung. Patienten und Patientinnen werden dank dieser Nahrung mit allen nötigen Nährstoffen versorgt, die fast vollständig verstoffwechselt werden können. Die ursprünglich erdachte Astronautenkost schaffte es nie ins All, wurde dafür aber 1969 erstmals bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt.

(L'essentiel/Luise Pomykaj)

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