St. Petersburg – Was wir bisher zum Anschlag wissen
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St. PetersburgWas wir bisher zum Anschlag wissen

Bei dem Attentat in St. Petersburg kamen mindestens vierzehn Menschen ums Leben. Zum Hintergrund des Anschlags sind noch viele Fragen offen.

Wer ist der Attentäter?

Der Anschlag ist nach Angaben kirgisischer Behörden von einem 23-jährigen Mann aus dem zentralasiatischen Land verübt worden. Der mutmaßliche Selbstmordattentäter sei Russe kirgisischer Herkunft und habe einen islamistischen Hintergrund beziehungsweise radikalislamistische Verbindungen.

Der Mann sei 1995 in der Stadt Osch geboren, sagte ein Sprecher des Geheimdienstes GKNB am Dienstag. Ob es sich um einen Selbstmordattentäter handelt, ist unklar. Eine News-Agentur berichtet, dass er bei der Explosion ums Leben gekommen sei, so BBC. Das wurde jedoch nicht offiziell bestätigt, wie die «Los Angeles Times» schreibt.

Handelte der Täter allein?

Ursprünglich ging die Polizei von zwei Tätern aus. Die staatliche Agentur Tass zitierte eine Quelle, nach der ein Mann und eine junge Frau aus Zentralasien in die Tat involviert sein könnten.

Am Montag hatten die Behörden nach zwei Verdächtigen gesucht, die auf den Überwachungskameras entdeckt wurden. Laut Interfax hat sich einer der beiden Männer der Polizei gestellt. Er habe nichts mit dem Attentat zu tun gehabt.

Hat sich jemand zu dem Anschlag bekannt?

Die russischen Ermittler gehen aufgrund des islamistischen Hintergrunds des mutmaßlichen Attentäters von einem Terroranschlag aus. Der Uno-Sicherheitsrat verurteilte den Angriff als «feigen terroristischen Angriff». Offiziell bekannte sich noch niemand zur Tat.

Was ist passiert?

Am Montag um 14.40 Uhr Ortszeit detonierte in einem Waggon zwischen den U-Bahn-Station Sennaja Ploschad und dem Technologischen Institut im Zentrum von St. Petersburg ein Sprengsatz. Kurz darauf wurde ein zweiter, selbst gebauter Sprengsatz in einer U-Bahn-Station in der Innenstadt gefunden und rechtzeitig entschärft, wie die russische Anti-Terror-Behörde mitteilte. Ursprünglich ging man von zwei Explosionen aus.

Wie lief der Anschlag ab?

Über den Tatverlauf gibt es kaum Informationen. Der Sprengsatz soll sich in einem Rucksack befunden haben, wie der «Spiegel» schreibt. Der U-Bahn-Fahrer soll nach der Explosion noch bis zur nächsten Station gefahren sein und so einigen Leuten das Leben gerettet haben, weil die Menschen so leichter fliehen konnten.

Was weiß man zum Sprengsatz?

Wie der «Telegraph» schreibt, handelte es sich bei beiden Sprengsätzen um selbst gebastelte Bomben. Diejenige, die explodierte, enthielt die Sprengkraft einer TNT-Bombe von 200 Gramm, die entschärfte soll bis zu einem Kilogramm Sprengstoff und Splitter enthalten haben. Auch die Anti-Terror-Behörde spricht von einer «nicht identifizierten Sprengvorrichtung».

Wie viele Opfer gibt es?

Aktuell geht man von 14 Toten aus. Elf Personen starben wohl noch in der U-Bahn. Wie viele Personen verletzt wurden, ist unklar. Die Zahlen variieren zwischen 45 und 55.

Wie hat St. Petersburg reagiert?

Die Sicherheitsvorkehrungen sind nach dem Anschlag massiv verstärkt worden. Die Zugänge zu den U-Bahnen werden zusätzlich überwacht, so der Metro-Betreiber. Zudem wurde eine dreitägige Trauer ausgerufen. Auch in Moskau würden zahlreiche Polizisten an öffentlichen Orten patrouillieren.

Wie haben Politiker reagiert?

Der russische Präsident Wladimir Putin legte am Montagabend rote Rosen am Eingang der Metrostation Technologisches Institut nieder. Er sei über alle Entwicklungen informiert, sagte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow. Während des Anschlags war er in seiner Heimatstadt St. Petersburg.

Nach dem Anschlag sprach Donald Trump mit Putin. Er drückte dem russischen Volk sein Beileid aus. Auch der UNO-Sicherheitsrat und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilten den Angriff.

Zu den letzten Terroranschlägen in Russland

Wie die «NZZ» schreibt, gab es in den letzten 20 Jahren 22 Anschläge in Russland. St. Petersburg war seit dem Aufstieg Putins an die Macht kein Schauplatz größerer Anschläge.

In jüngster Zeit kam es zu drei größeren Attentaten: Am 24. März 2017 starben bei einem Anschlag auf eine russische Militärbasis in Tschetschenien sechs Soldaten. Der IS bekannte sich zum Anschlag.

Am 29. und 30. Dezember 2013 starben bei zwei Selbstmordanschlägen in der südrussischen Millionenstadt Wolgograd mehr als 30 Personen, über 50 wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter soll ein zum Islam konvertierter Russe sein mit Verbindungen zum extremistischen Untergrund der Nordkaukasus-Republik Dagestan.

Am 25. Januar 2011 kamen bei einem Terroranschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo 35 Menschen ums Leben, mehr als 180 wurden verletzt. Ein Selbstmordattentäter hatte in der Empfangshalle eine sieben Kilogramm schwere Bombe gezündet.

(L'essentiel/vbi/sda)

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