Luxemburg – Wegen Corona sah Vater 202 Tage seine Kinder nicht
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LuxemburgWegen Corona sah Vater 202 Tage seine Kinder nicht

LUXEMBURG – Wegen der Corona-Pandemie und eines Konflikts mit der Mutter hat ein Familienvater seine sechs- und siebenjährigen Kinder zwischen April und Oktober nicht gesehen.

Die Pandemie hat auch sehr persönliche Situationen verkompliziert.

Die Pandemie hat auch sehr persönliche Situationen verkompliziert.

202 Tage: So lange musste ein Familienvater warten, bis er seine beiden Kinder wieder sehen durfte. Am 7. Oktober 2019 wurde am Bezirksgericht Diekirch die Scheidung der Ehe zwischen Julien* und seiner Frau vollzogen. Entschieden wurde, dass die drei gemeinsamen Kinder «abwechselnd im Sieben-Tage-Rhythmus bei einem Elternteil leben sollten».

Dies habe auch bis zu Beginn der Corona-Krise gut funktioniert, wie der Vater L'essentiel gegenüber berichtete. Doch ab dem 23. März 2020 – wenige Tage nach der von der Luxemburger Regierung angekündigten Maßnahmen – sei alles schiefgelaufen. Die Mutter der Kinder habe die «Gesundheitskrise» als Ausrede genutzt, damit die beiden jüngsten Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren bis zur neuen Gerichtsentscheidung bei ihr im Lockdown bleiben.

Und so sei es dazu gekommen, dass Julien seine Kinder ab Anfang April nicht mehr sah. Ein Bericht, der von L'essentiel anhand mehrerer Strafanzeigen und Gerichtsunterlagen bestätigt werden kann. «Sie mussten zusehen, wie ihr Vater wiederholt an der Tür klingelte und ohne sie wieder ging», erklärt einer der Anwälte des Mannes. Ende Mai hatte dieser sogar an die Ministerinnen für Justiz und Familie geschrieben – jedoch ohne Erfolg. Auch die verschiedenen Anträge bei Gericht halfen nicht. Bis vor einigen Tagen.

« Das Wechselmodell hat den Vorteil der Stabilität »

Die Mutter wollte auf Anfrage von L'essentiel keine Stellung beziehen. Vor Gericht gab sie jedoch an, dass «das Verhalten des Vaters eine Veränderung des Verhaltens ihrer Kinder verursacht hätte». Deshalb habe sie das Ende des gemeinsamen Sorgerechts gefordert. Obwohl es in diesem Gerichtsverfahren nicht mehr voranzugehen schien, glaubten Juliens Anwälte dennoch, dass es zu einer Versöhnung kommen könnte. Ein Familientherapie-Bericht kam Ende Oktober zu dem Schluss, dass es «keinen Grund gibt, weshalb der Vater seine Kinder nicht betreuen könnte».

Nach einer Anhörung – Ende Oktober – wurde schließlich beschlossen, dass der Vater seine Kinder «allmählich» wieder betreuen könne und, dass danach Vater und Mutter sich «ab der ersten Woche im Januar 2021» wieder abwechseln würden. «Das Wechselmodell hat den Vorteil der Stabilität, wie sie vor dem Lockdown bestand», sagte der Familienrichter. Eine Geschichte, die uns daran erinnert, wie die allgemeine Lage in diesem Jahr auch einige sehr private Situationen beeinträchtigt hat.

* Name wurde geändert

(Nicolas Chauty/L'essentiel)

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