Aus der Großregion – Weihnachtsmärkte bei Touristen hoch im Kurs

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Aus der GroßregionWeihnachtsmärkte bei Touristen hoch im Kurs

MAINZ/TRIER – Der Budenzauber vor historischer Kulisse lockt auch auf rheinland-pfälzischen Märkten zunehmend auswärtige Gäste an. Reisefirmen haben den Trend längst erkannt.

Der Weihnachtsmarkt in Trier ist seit 23. November geöffnet. Auch dieses Jahr werden dort wieder zahlreiche Gäste aus dem Ausland erwartet.

Der Weihnachtsmarkt in Trier ist seit 23. November geöffnet. Auch dieses Jahr werden dort wieder zahlreiche Gäste aus dem Ausland erwartet.

DPA/Thomas Frey

Sie kommen mit Flugzeug, Bus oder Schiff: Weihnachtsmärkte in Rheinland-Pfalz locken immer mehr Besucher von auswärts an. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in mehreren Städten. «Es ist ein eigener Markt im Dezember. Man fährt gezielt auf Weihnachtsmärkte», sagt der Sprecher der Stadt Mainz, Ralf Peterhanwahr. Auch in der Landeshauptstadt sei dies spürbar: «Es rollen viele Busse und mehr als vor zehn Jahren nach Mainz, um einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt zu machen.»

Weihnachtsmärkte seien inzwischen zum beliebten Reiseziel geworden, sagt Marija Heller von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH in Koblenz. Auch aus dem Ausland kämen tendenziell immer mehr Gäste ins Land, vor allem aus Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich und Luxemburg. «Viele verbinden das Romantische, den Glühwein, das Gemütliche mit den Märkten in Deutschland.» Die Übernachtungszahlen ausländischer Gäste bundesweit im Dezember belegten: «Da gibt es einen deutlichen Ausschlag nach oben - im Vergleich zu November und Januar.»

Touristenzahl hat sich verzehnfacht

Viele Busunternehmer haben den Markt erkannt und bieten Tages- oder Kurzreisen zwischen Nürnberg, Dresden, Metz, Aachen und Trier an. «Es ist ein wachsendes Geschäft», sagt der Geschäftsführer von Kylltal Reisen in Trierweiler, Thomas Müller. «Es hat sich im Vergleich zu vor 20 Jahren verzehnfacht.» Damals habe er im Busbetrieb zwei Weihnachtsmarktziele gehabt, heute seien es um die 20. An Bord seien Omas mit Enkeln, Pärchen, Familien und Singles.


Auch große Reiseunternehmen setzen auf den Weihnachtsmarkt-Tourismus: «Für Städtereisen ist das ein wichtiges Geschäft in den Monaten von Ende November bis Dezember. Neben dem klassischen Weihnachtsshopping sind Weihnachtsmärkte in der Vorweihnachtszeit einer der Hauptgründe für eine Städtereise», sagt Ulrike Bruns von Dertour-Städtereisen in Frankfurt.

Rheinland-pfälzische Weihnachtsmärkte seien «auf jeden Fall» Magneten, auch für Besucher angrenzender Bundesländer, sagt die Sprecherin der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, Gabriele Frijio. Zur Zahl der Tagestouristen gebe es leider keine Schätzungen. Viele Gäste kombinierten ihren Besuch mit Einkäufen und Angeboten in Hotels oder Gastronomie. «Das ist ein großer Wirtschaftsfaktor.» Nach Angaben des Deutschen Tourismusverband besuchten im vergangenen Jahr 85 Millionen Menschen die über 1500 deutschen Weihnachtsmärkte.

Eigene englischsprachige Verkäufer in Koblenz

In Koblenz werde der Weihnachtsmarkt zunehmend von Schiffsreisen angesteuert, berichtet der Projektleiter des Marktes, Marco Koenitz. «Es ist ganz extrem in diesem Jahr: Da ist eine Gruppe aus Asien, die nächste aus Amerika, die über den Markt geführt werden.» Zudem seien «sehr viele» Briten zwischen Spekulatius, Glühwein und Kunsthandwerk unterwegs. «Die meisten Marktbeschicker haben mittlerweile einen englischsprachigen Verkäufer am Stand», sagt Koenitz.

Er schätzt den ausländischen Anteil der insgesamt rund 350.000 Besucher auf dem Koblenzer Markt mittlerweile auf rund 20 Prozent. Tendenz steigend. «Wir haben Tage, wo hier 30 Busse auf Parkplätzen stehen und Gäste absetzen», sagt Koenitz. Da der Weihnachtsmarkt am Deutschen Eck mittlerweile auf sieben Plätze in der Altstadt gewachsen sei, verteile sich das ganz gut.

Trier: «Es gibt Tage, wo wir weit über 50 Busse haben»

In Mainz legten auch inzwischen regelmäßig Schiffsgruppen an, um einen Stopp auf dem Weihnachtsmarkt am Dom zu machen, berichtet der Stadtsprecher. Der Trend, dass man mit größeren Gruppen den Markt besuche und dafür von weither anreise, sei erkennbar. Besucherzahlen gebe es nicht, aber: «Wir sind immer sehr gut gefüllt.»

In Trier machten im Dezember auswärtige Besucher rund 25 Prozent aus, sagt der Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing GmbH, Norbert Käthler. Vor allem aus Frankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Großbritannien kämen verstärkt Touristen. «Der Weihnachtsmarkt ist eine große Attraktion.» Trier werde in diesen Wochen stark von Busunternehmen angefahren: «Es gibt Tage, wo wir weit über 50 Busse haben.» Der Trierer Weihnachtsmarkt zählt im Jahr laut Veranstalter rund 400.000 Besucher.

Unterirdischer Markt an der Mittelmosel

Auf der bundesweiten Hit-Liste stehe der unterirdische Weihnachtsmarkt in Traben-Trarbach an der Mosel mit ganz oben, sagt Frijio. Der Markt ist besonders, weil er in alten Wein-Kellergewölben unter der Stadt über die Bühne geht. «Die Nachfrage ist unglaublich», sagt Marie Schneider von der dortigen Tourist-Information. 50 Prozent von rund 150.000 Gästen jährlich kämen von außerhalb. Zimmer und Unterkünfte seien in und um Traben-Trarbach schon lange ausgebucht.

Noch länger und somit landesweiter Spitzenreiter ist der Weihnachts- und Neujahrsmarkt in Speyer. Er bleibt bis zum 6. Januar 2019 stehen. Das komme gut an, heißt es von der Stadt: Man habe festgestellt, dass Einwohner in und um Speyer die ausgedehnte Zeit gerne nutzten, weil sie zwischen Weihnachten und Neujahr «endlich mal die Ruhe haben, über den Markt zu schlendern».

(L'essentiel/dpa)

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