Islam und Tourismus – Wellness-Streit im Ferienparadies

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Islam und TourismusWellness-Streit im Ferienparadies

Der Präsident der Malediven hat das Aus für Wellness-Zentren in Luxushotels wieder aufgehoben. Moderaten und konservative Muslime sind sich uneins über die Aktivitäten der Touristen.

Präsident Mohammed Nasheed verkündet am Mittwoch die Aufhebung des Wellness-Verbots. (Bild: Keystone/AP/Sinan Hussain)

Präsident Mohammed Nasheed verkündet am Mittwoch die Aufhebung des Wellness-Verbots. (Bild: Keystone/AP/Sinan Hussain)

Er habe das Oberste Gericht gebeten zu entscheiden, ob der Betrieb der Zentren gegen den Islam verstoße, sagte Staatschef Mohammed Nasheed am Mittwoch. Bis zu einem Urteil sollten die Spas wieder geöffnet werden. Die Behörden des bei Touristen sehr beliebten Inselstaats im Indischen Ozean hatten in der vergangenen Woche die Schließung der Wellness-Oasen angeordnet, nachdem tausende Inselbewohner bei Protesten am 23. Dezember «anti-islamische Aktivitäten» beklagt hatten.

Die Regierung habe eine Qualitätskontrolle der Wellness-Bereiche angeordnet, sagte der Präsident weiter. Dabei habe sich herausgestellt, dass es nichts zu beanstanden gebe. «Wir haben festgestellt, dass sie völlig einwandfrei sind und es sich um Bereiche handelt, in denen Familien hochwertige Behandlungen bekommen können», erklärte Nasheed. Tourismusministerin Mariyam Zulfa hatte zuvor eingeräumt, dass das Verbot erhebliche Auswirkungen auf den Tourismus haben könnte, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes.

Bei der Hochzeit als «ungläubige Schweine» beschimpft

Die Malediven bestehen aus rund 1200 Inseln. Wichtigste Wirtschaftszweige des knapp 400 000 Einwohner zählenden Landes sind Fischerei und Tourismus. 2011 wurden nach offiziellen Angaben rund 850 000 Touristen gezählt. Nach Schätzungen setzt die Tourismusbranche jährlich rund 1,19 Milliarden Euro um und trägt damit rund 30 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei. Der Islam ist auf den Malediven Staatsreligion, andere Glaubensrichtungen sind nicht zugelassen.

Bis 2008 waren die Malediven ein autoritär regierter Staat. Seit dem Übergang zur Demokratie haben islamistische Kreise an Einfluss gewonnen. Für Schlagzeilen sorgte im Oktober 2010 der Fall eines Paares aus der Schweiz, das in einer Strandzeremonie sein Ehegelöbnis erneuern wollte und vom Priester in der Landessprache als «ungläubige Schweine» beschimpft worden war. Präsident Nasheed, der einst als Regimegegner im Gefängnis saß, propagiert hingegen eine tolerante Religionsauslegung.

Gezielte Provokation

Der Konflikt eskalierte während der Proteste am 23. Dezember, bei denen unter anderem die Schließung von Massagesalons in der Hauptstadt Male gefordert wurde. Dabei handle es sich um getarnte Bordelle, behaupteten die Islamisten. Die Regierung wies darauf Resorts und Luxushotels an, ihre Wellness-Bereiche zu schliessen. Die Ferienanlagen reagierten auf ihre Weise: Die meisten ignorierten laut «Telegraph» die Anweisung und hielten ihre Spas offen. Außerdem kündigten sie rechtliche Schritte an.

Dabei dürfte es sich bei der «Überreaktion» der Regierung um eine gezielte Provokation an die Adresse der Opposition gehandelt haben. Dies lässt sich jedenfalls aus einer von CNN zitierten Mitteilung des Präsidenten schließen: «Ironischerweise gehören die gleichen Oppositionsführer, die gegen Spas und den Verkauf von Alkohol und Schweinefleisch mobilisieren, zu den größten Resort-Eigentümern des Landes», heisst es darin.

Gemeint ist unter anderem Qasim Ibrahim, Gründer und Chef der Villa Group, dem allein fünf Ferienanlagen auf den Malediven gehören. Der in Mohammed Nasheeds Mitteilung erwähnte Verkauf von Alkohol und Schweinefleisch ist fundamentalistischen Gruppen ebenfalls ein Dorn im Auge. Der Präsident will deshalb auch diese Frage vom Obersten Gericht klären lassen – im Sinne der Tourismus-Industrie, ist anzunehmen.

L'essentiel Online/pbl/sda

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