Mobilität – Wenn der Chef die Fahrkarte sponsert
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MobilitätWenn der Chef die Fahrkarte sponsert

LUXEMBURG – Der Firmenparkplatz zu klein, die Mitarbeiter nach dem Stau gestresst. Doch was tun die zehn größten Arbeitgeber, damit die Mitarbeiter auf Bus und Bahn umsteigen?

Sich zur Rushhour durch den Stau quälen? Dass viele Arbeitnehmer diese Option wählen, lässt sich täglich auf Luxemburgs Straßen besichtigen. Doch nicht zuletzt der Chef kann dafür sorgen, dass das Auto in der Garage bleibt. «L’essentiel Online» hat bei den zehn größten Arbeitgebern im Land nachgefragt, wie sie ihre Mitarbeiter dazu motivieren, lieber mit Fahrrad, Bus oder Bahn am Arbeitsplatz zu erscheinen (siehe auch Bildergalerie oben).

So manches Unternehmen hat sich dazu bereits einige Gedanken gemacht. Mitarbeiter der BGL BNP Paribas erhalten beispielsweise 50 Prozent der Unkosten fürs Transportticket (maximal 30 Euro pro Monat) von der Bank zurückerstattet, wenn sie auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Der Dienstleister Dussmann, der unter anderem Reinigungskräfte stellt, nutzt über 50 eigene Mini-Busse, um einen Teil seiner Angestellten zum Einsatzort zu bringen. Und die P&T übernehmen für die Mitarbeiter, die in der Stadt Luxemburg arbeiten, die Kosten fürs Jahresabo der Vel’oh-Leihfahrräder.

Manche Chefs geben vergünstigte Jahreskarten aus

Mehrere der großen Arbeitgeber bieten zudem den M-Pass an, der vom Verkéiersverbond herausgegeben wird und in Luxemburg in den öffentlichen Verkehrsmitteln gilt. Je mehr dieser Jahreskarten zum Preis von je 400 Euro ein Unternehmen bestellt und an seine Mitarbeiter weiterverkauft, desto höher fällt der vom Verbund gewährte Rabatt aus. Zusätzlich können die teilnehmenden Firmen die Pässe bezuschussen.

Ende 2011 nahmen 90 Unternehmen in Luxemburg an dem System teil und verteilten 3 354 Jahreskarten weiter. Nicht gerade enorm, wenn man bedenkt, dass die zehn größten Arbeitgeber rund 58 000 Menschen beschäftigen. Auch der Staat - mit mehr als 25 000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Land - geht nur vereinzelt als gutes Beispiel voran. Lediglich ein Teil der Beamten in Verwaltungen und Ministerien können vom M-Pass Gebrauch machen.

«Der M-Pass ist ein junges Projekt. In diesem Jahr wird die Zahl der Nutzer stark nach oben korrigiert», versichert derweil Frank Vansteenkiste, der beim Verkéiersverbond die Mobilitätsplanung verantwortet. Das Produkt sei nicht für jeden Betrieb interessant, da beispielsweise nicht jeder Schichtarbeiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu seinem Arbeitsplatz gelangen könne. Generell spüre er aber, dass die Unternehmen sich zunehmend damit beschäftigten, wie ihre Angestellten sicher zur Arbeit gelangen – sei es mit dem Fahrrad, per Carsharing, Bus oder Bahn. «Die Firmen spüren beispielsweise wenn sie an einen neuen Standort ziehen, dass sie nicht so viele Parkplätze bauen dürfen wie sie benötigen. Oft ist das ein Auslöser, um zu schauen, welche Alternativen es gibt.»

Auch eine Frage des Standorts

Die Frage, ob das Auto zum Einsatz kommt, ist nicht zuletzt auch davon abhängig, wo der Arbeitsplatz liegt. So heißt es beispielsweise beim Reifenhersteller Goodyear in Colmar-Berg, der Standort sei zwar ans Verkehrsnetz angebunden, aber: «Die geografische Lage von Goodyear im Norden von Luxemburg trägt sicherlich dazu bei, dass die meisten Mitarbeiter immer noch gezielt auf das Auto als bevorzugtes Fördermittel zurückgreifen müssen», erklärt Pressesprecher Jean-Paul Bruck. Goodyear beteilige sich nicht an den Fahrtkosten. Die Zahl der Angestellten, die den Bus nutzten, sei seit Jahren rückläufig. Ein weiterer Ausbau des Nahverkehrs könne dazu beitragen, dass die Mitarbeiter häufiger vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umstiegen.

Bei der Fluggesellschaft Luxair ist man bereits froh, dass die Linie 114 seit Kurzem auch das Cargocenter anfährt. Da haben es die CFL-Mitarbeiter leichter. Sie dürfen kostenlos die Züge und Busse ihres Arbeitgebers nutzen. «Billiger geht nicht, die meisten unserer Beschäftigten arbeiten in direkter Bahnhofsnähe», erklärt Pressesprecher Tom Jurcevic.

Bei Dussmann ist man überzeugt, dass es sich letztlich auszahlt, wenn ein Betrieb seine Mitarbeiter dazu ermutigt, den öffentlichen oder gemeinsam organisierten Transport zu nutzen und das Auto zuhause stehen lassen: «Schließlich gelten Wegeunfälle zum Arbeitsplatz als Arbeitsunfälle und daraus ergeben sich sowohl direkte wie indirekte Kosten.» Bei ArcelorMittal ist Pressesprecher Arne Langner sicher, dass Mitarbeiter mit Bus und Bahn relaxter zur Arbeit kommen: «Sie geraten nicht in Staus und kommen nicht zu spät. Auf der Arbeit sind sie fit und somit in der Erledigung ihrer Aufgaben leistungsstärker.»

(Kerstin Smirr/L’essentiel Online)

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