Motorradfahren – Wenn der Tod auf der Straße lauert

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MotorradfahrenWenn der Tod auf der Straße lauert

LUXEMBURG - Motorradfahrer leben besonders im Frühjahr gefährlich. Doch wie lassen sich die oft schweren Unfälle vermeiden? Die Experten sind uneins.

Wenn ein motorisiertes Zweirad mit einem Auto kollidiert, zieht der Motorradfahrer meist den Kürzeren.

Wenn ein motorisiertes Zweirad mit einem Auto kollidiert, zieht der Motorradfahrer meist den Kürzeren.

DPA

Vor einer Woche starb ein deutscher Motorradfahrer bei Mertert, als ein Lieferwagen ihm die Vorfahrt nahm. Am Freitag kam ein 72-jähriger Luxemburger bei Irrel im deutschen Grenzgebiet ums Leben, als er aus ungeklärter Ursache von der Straße abkam. Wenn im Frühling die ersten Sonnenstrahlen die Biker aufs Motorrad locken, steigt auch die Zahl der Unfälle, in die Zweiräder verwickelt sind.

«Im Frühjahr sind Autofahrer noch nicht an das Bild von Motorrädern auf den Straßen gewöhnt», erklärt Marc Kirsch, Präsident des Interessenvereins Lëtzebuerger Moto-Initiativ (LMI). Aber auch die Motoradfahrer, die ihr Zweirad aus dem Winterschlaf holen, müssten sich erst wieder ans Fahrgefühl gewöhnen. Auf das Jahr gesehen seien vor allem jüngere und betagtere Fahrer an Unfällen beteiligt sowie solche, die unregelmäßig aufs Bike steigen und daher das eigene Fahrkönnen überschätzen. «Wer vor zwei Jahren das letzte Mal gefahren ist, hat eben nicht mehr die gleiche Reaktionsfähigkeit wie früher».

Wer ist an Unfällen schuld?

Sind Motorradfahrer häufig an Unfällen selbst schuld, weil sie zu schnell unterwegs sind, oder liegt die Verantwortung vor allem bei den Autofahrern, die Motorradfahrer übersehen? Eine Statistik über die Unfallursachen gibt es in Luxemburg nicht. «Ich finde das traurig», sagt Paul Hammelmann, Präsident der Sécurité Routière. «Wir brauchen eine Analyse, die mit Hilfe von Ingenieuren und Psychologen erstellt wird», fordert er. «Es ist kaum möglich, in Luxemburg Forschung auf diesem Gebiet zu betreiben, wie dies in unseren Nachbarländern der Fall ist. Daher sind wir von deren Ergebnissen abhängig», sagt Paul Mangen, Ingenieur bei der Straßenbauverwaltung.

Zudem fordert Hammelmann, gefährliche Strecken im Ösling für Biker zu sperren. Hier seien viele Touristen unterwegs, die die Gefahren nicht richtig einschätzen. «Wir kennen die risikoreichen Orte. Wir müssen Motorradfahrer vor sich selbst schützen», sagt er. Doch so weit möchte Mangen nicht gehen: «Damit ärgern wir nur die Leute, die an einem Sonntag einen Ausflug machen wollen oder jene, die unter der Woche mit dem Motorrad auf die Arbeit fahren und durch eine Sperrung mangels Alternativen einen Umweg in Kauf nehmen müssen».

Leidenschaft vs. Gefahren

Um Unfälle zu vermeiden, rät Marc Kirsch Zweiradfahrern, auffällige Kleidung zu tragen und vorausschauend zu fahren: «Man muss mehr auf andere Verkehrsteilnehmer aufpassen als auf sich selbst». Paul Hammelmann lässt sein Zweirad inzwischen stehen: «Motorradfahren ist viel zu gefährlich». Marc Kirsch hat die Lust am Fahren noch nicht verloren: «Es ist für mich eine Leidenschaft.»

Kerstin Smirr/L'essentiel Online

Sicherheitstrainings im April

Bei den Aktionstagen «Fit for your bike?» am 3. und 23. April bietet das «Centre de Formation pour Conducteurs» Fahrsicherheitstrainings für Motorradfahrer in Colmar-Berg an. Es werden unter anderem das Bremsen und Kurvenfahren geübt. Die Präventionsmaßnahme findet in Zusammenarbeit mit dem Infrastruktur-Ministerium, der Sécurité Routière, der Polizei und verschiedener Vereinigungen statt. Anmeldung unter Tel: 85 82 851. Preis: 25 Euro.

Auch die Polizei will Motorradfahrer für die Gefahren auf der Straße sensibilieren und startet im April eine Informationskampagne.

Knapp 150 verletzte Motorradfahrer in 2009

Nach Angaben des Statistikamts Statec waren 2009 12 Prozent aller Verletzten bei einem Verkehrsunfall motorisierte Zweiradfahrer. 2000 waren es noch 9 Prozent. Dies bedeutet, dass sich 2009 knapp 150 von ihnen auf den Straßen Luxemburgs Blessuren zuzogen. Im gleichen Jahr verstarben sieben Motorrad- bzw. Mopedfahrer aufgrund eines Verkehrsunfalls.

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