Nobelpreisträger – «Wenn du Frauen kritisierst, heulen sie»

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Nobelpreisträger«Wenn du Frauen kritisierst, heulen sie»

Frauen mit Männern im Labor? Keine gute Idee, findet der britische Forscher Tim Hunt. Seine Äußerungen ziehen einen veritablen Shitstorm nach sich.

Britain's Sir Paul Nurse (L) and Timothy Hunt (R) of the Imperial Cancer Research Fund in London, this years Laureates in Medicine, during a lecture in the Nobel Forum at the Karolinska Institutet 07 December 2001, as part of the 100th anniversary Nobel prize week.  All living Laureates have been invited to take part in the centennial week starting with lectures at various universities in Sweden and Norway. The week will culminate in the Nobel festivities 10 December.   
(KEYSTONE/EPA PHOTO/GERRY PENNY)

Britain's Sir Paul Nurse (L) and Timothy Hunt (R) of the Imperial Cancer Research Fund in London, this years Laureates in Medicine, during a lecture in the Nobel Forum at the Karolinska Institutet 07 December 2001, as part of the 100th anniversary Nobel prize week. All living Laureates have been invited to take part in the centennial week starting with lectures at various universities in Sweden and Norway. The week will culminate in the Nobel festivities 10 December.
(KEYSTONE/EPA PHOTO/GERRY PENNY)

Keystone/Gerry Penny

Der britische Biochemiker Tim Hunt ist ein genialer Wissenschaftler. Im Jahr 2001 erhielt er den Medizin-Nobelpreis für seine Arbeit zur Kontrolle des Zellzyklus, seit 24 Jahren ist er Mitglied in der renommierten Royal Society. Im Umgang mit Frauen scheint der 72-Jährige jedoch so seine Defizite zu haben.

Das bewies Hunt eindrücklich an einer Konferenz von Wissenschaftsjournalistinnen im südkoreanischen Seoul. Zunächst schickte er vorweg, er sei Chauvinist, um dann zum Rundumschlag auszuholen: «Lassen Sie mich Ihnen von meinem Ärger mit Mädchen erzählen. Es passieren drei Dinge, wenn sie im Labor sind: Du verliebst dich in sie, sie verlieben sich in dich, und wenn du sie kritisierst, heulen sie.» Daher favorisiere er getrennte Labors für Männer und Frauen, betonte Hunt noch.

Empörung auf Twitter

Der zu erwartende Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten. Connie St Louis, die Leiterin des Studiengangs Wissenschaftsjournalismus an der Londoner City University, twitterte Hunts Äußerungen und provozierte so zahlreiche Reaktionen.

Auf Twitter kommentierten viele Nutzer Hunts Äußerungen empört bis bissig.

«Liebe Abteilung, ich kann das 10-Uhr-Meeting heute nicht leiten, weil ich zu sehr damit beschäftigt bin, ohnmächtig zu werden und zu weinen», tweetet Kate Devlin.

«Hier auf Twitter lachen wir uns tot», moniert Kate Maltby, «aber Männer wie Tim Hunt leiten immer noch Universitäten, Firmen und politische Geschäfte.»

«Wenn ich in Tim Hunts Labor arbeiten würde, müsste er sich keine Sorgen darum machen, dass ich mich in ihn verliebe», ist sich die Wissenschaftsjournalistin Angela Saini sicher.

«Ich habe das Gefühl, dass Tim Hunt heute nicht das Problem haben wird, dass Frauen sich in ihn verlieben», mutmaßt der «Sun»-Journalist Stig Abell.

Hunt liefert Entschuldigung nach

Selbst die Royal Society distanzierte sich von ihrem Mitglied. «Sir Tim Hunt hat als Einzelperson gesprochen und seine Äußerungen reflektieren in keiner Weise die Ansichten der Royal Society», zitiert der «Guardian» die Akademie.

Mittlerweile hat sich Tim Hunt zwar entschuldigt, ist vom Kern seiner Aussage aber nicht abgerückt. Dem Sender BBC Radio 4 sagte er am Mittwoch, er habe seine Kommentare lustig gemeint und habe niemanden verletzen wollen. Er habe es aber ernst gemeint, dass er Probleme mit Mädchen habe. Sich im Labor zu verlieben, sei sehr störend für die Wissenschaft. Er habe Frauen mit seinen Äußerungen jedoch nicht herabsetzen wollen.(L'essentiel/mlr)

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