Domains in Luxemburg – Wenn im Internet kein Bauplatz mehr frei ist

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Domains in LuxemburgWenn im Internet kein Bauplatz mehr frei ist

LUXEMBURG – Die üblichen Länder-Endungen .lu, .com oder .de sind im Netz zunehmend ausverkauft. Ein Luxemburger Startup vertreibt sehr erfolgreich eine neue Endung: .icu.

Shortdot-CEO ist stolz auf den Erfolg der .icu-Domain.

Shortdot-CEO ist stolz auf den Erfolg der .icu-Domain.

L'essentiel/Dustin Mertes

Jeder benutzt täglich sogenannte Top Level Domains, ohne darüber nachzudenken. Die Rede ist von der Endung einer Internetadresse, also den zwei bis vier Buchstaben, die nach dem Punkt kommen. Mittlerweile wird es immer schwieriger, neue Internetadressen mit den klassischen Endungen .com, .lu oder .de zu bekommen. Alleine 130 Millionen registrierte .com-Adressen gibt es. «Ich vergleiche Domains gerne mit dem Real-Estate-Markt. Irgendwann ist einfach kein Platz mehr zum Bauen und es müssen neue Grundstücke bereitgestellt werden», erklärt Shortdot-CEO Lars Jensen.

Seit dem 29. Mai 2018 vertreibt das in Luxemburg-Stadt ansässige Startup Shortdot nun die Top Level Domain .icu, die mittlerweile 800.000 Mal in insgesamt 123 Ländern registriert ist. Damit ist das luxemburger Unternehmen im Markt der privaten Anbieter «mittlerweile die achtgrößte Top Level Domain weltweit», so Jensen stolz. In Hong Kong liegt das Startup gar auf Platz eins, in den USA auf Platz drei. Auch Tech-Giganten wie Google mischen in dem Geschäft mit, das erst seit 2012 für Privatunternehmen geöffnet wurde.

«I see you»

«icu» steht für «I see you». Das schafft Wiedererkennungswert. «Wir denken, es ist wichtig, dass eine Domain kurz ist. Damit man sich daran erinnern kann», erklärt Jensen. «.icu passt gut zu Kommunikation. Social Media ist heute zwar sehr wichtig, aber die Domain ist quasi das Zuhause von einem Unternehmen. Da kommen wir ins Spiel.» Die Vorteile liegen auch im finanziellen Bereich: Eine begehrte .com-Domain kann durchaus hunderttausende Dollar kosten, eine gleichwertige .icu-Domain geht hingegen «für rund zehn Euro pro Jahr an den Endkunden», erklärt Jensen.

Das Großherzogtum sieht er durch die Mehrsprachigkeit als «optimalen» Standort für seine Domainfirma, die er alleine im Coworking Space The Office betreibt. Lediglich in den USA werkeln noch zwei Mitarbeiter am Erfolg von .icu, 90 Prozent des Geschäfts werden über Partnerschaften und Kooperationen abgewickelt.

China, der größte Markt für die Top Level Domains, ist das nächste große Ziel des Startups. «In China muss man eine Lizenz haben», erklärt Jensen. Diese Erlaubnis kommt im streng reglementierten China von der Regierung. «Bevor wir die Lizenz nicht haben, dürfen wir die Domain in China nicht anbieten.» Direkt an Enduser verkaufen darf Shortdot die Domain aber auch hier nicht. Wer sich für die Domain .icu interessiert, muss dies bei Distributoren wie EuroDNS in Luxemburg oder 1und1 in Deutschland tun.

(Dustin Mertes/L'essentiel)

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