Luxemburg/Finnland: «Wenn Putin angreifen will, sind die Finnen bereit»
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Luxemburg/Finnland«Wenn Putin angreifen will, sind die Finnen bereit»

LUXEMBURG/HELSINKI – Tommi Lappalainen lebt seit 15 Jahren in Luxemburg und Finnland. Er weiß, dass sein Heimatland auf eine mögliche Aggression Russlands vorbereitet ist.

von
Marion Chevrier

Tommi Lappalainen ist nicht überrascht, dass Finnland am Mittwoch einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Nato gestellt hat. «Unser Land arbeitet seit vielen Jahren mit der Organisation zusammen, und die illegale, illegitime und unmoralische Aggression Russlands in der Ukraine hat die Dinge natürlich sehr beschleunigt», erklärt er gegenüber L'essentiel. Seit 15 Jahren lebt der 50-Jährige in Luxemburg, kehrt aber aus beruflichen Gründen regelmäßig nach Finnland zurück.

«Die Finnen hassen Russland nicht, aber sie misstrauen den Männern, die dort regieren», sagt Lappalainen. Anfang der 1990er Jahre, in der Jelzin-Ära, «haben wir gehofft, dass Russland ein Land wie jedes andere wird», seufzt er. Panik gebe es heute aber wegen der russischen Bedrohung dennoch nicht, «weil die Finnen von Natur aus ruhig sind, und auch weil wir die potenzielle Bedrohung mit der Muttermilch aufgesogen haben», erklärt er, «deshalb haben wir das immer im Hinterkopf».

13.000 Berufssoldaten und 900.000 Reservisten

Eine Haltung, die Finnland dazu veranlasst hat, einer potenziellen Aggression zuvorzukommen. Die finnische Armee verfügt nur über 13.000 Berufssoldaten, kann sich aber auf 900.000 Reservisten stützen. Alle Männer leisten einen sechs- bis zwölf-monatigen Militärdienst und jeder wird «alle drei bis vier Jahre» einberufen, um zu trainieren und sich auf den neuesten Stand zu bringen. Tommi ist Reserveunteroffizier: «Wenn Putin angreifen will, sind die Finnen bereit», sagt er. Der Fernseh- und Videoproduzent erklärt, dass sogar die Höhle des Weihnachtsmanns ein Atomschutzbunker ist.

Tommi ist bereit, sein Land zu verteidigen, aber er hat auch denjenigen die Hand gereicht, die jetzt von ihrem russischen Nachbarn ins Visier genommen werden: Er hat der ukrainischen Zivil- und Militärverteidigung eine Filmdrohne geschenkt: «Diese Drohne wurde erst im letzten Winter benutzt, um den Weihnachtsmann und Reisevideos zu filmen», sagt er, «heute beschützt sie Kinder, Frauen und ältere Menschen.»

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