Xavier Bettel in der Urkaine: «Wenn Selenskyj mich darum bittet, Putin zu treffen, dann mache ich das»
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Xavier Bettel in der Urkaine«Wenn Selenskyj mich darum bittet, Putin zu treffen, dann mache ich das»

Während seines Aufenthalts in der Ukraine hatte L'essentiel Gelegenheit, mit Premierminister Xavier Bettel (DP) zu sprechen.

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Thomas Holzer
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21.Juni 20:30
21.Juni 20:30

Auch mit Denys Shymal hat sich der luxemburgische Premier zusammengesetzt.

Staatsministerium/Max Gutenkauf und Liz Thielen
Xavier Bettel spricht im ukrainischen Parlament vor

Xavier Bettel spricht im ukrainischen Parlament vor

Staatsministerium/Max Gutenkauf und Liz Thielen

Staatsministerium/Max Gutenkauf und Liz Thielen

Herr Premier, was ist das vorherrschende Gefühle nach ihrem Besuch der Ukraine?

Demut. Demut vor einem Volk, das kämpft, Demut angesichts von zerstörten Städten, Massengräbern, zerstörten Schulen, zerstörten Krankenhäusern, angesichts der Witwen, die ich getroffen habe. Sie haben alles verloren. Frauen, die Mütter, Großmütter und Ehefrauen waren, und jetzt nur noch ihre kleinen Kinder haben. Und Demut angesichts der Solidarität dieses Volkes, einem Volk, das kämpft und nicht aufgibt.

Ministère d'État/Max Gutenkauf et Liz Thielen

Ist es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Fotos zu sehen ist die eine Sache. Aber die zerstörten Gebäude, Supermärkte, Schulen, Straßen und Brücken tatsächlich zu sehen, wühlt nochmal mehr auf. Ich hoffe, dass wir in Brüssel keine Fehler machen werden, und uns darauf einigen können, der Ukraine sowohl die benötigte materielle als auch psychologische Hilfe zukommen zu lassen.

Ministère d'État

Hatten Sie Bedenken vor dieser Reise?

Ich bin nur ein paar Stunden da, diese Menschen leben hier. Wer wäre ich, wenn ich mich über eine lange Zugfahrt und einige Stunden Aufenthalt beschweren würde? Wenn man nur an die Luftangriffen-Drohungen denkt, die Menschen hier Leben ständig in Angst. Die ganze Zeit über. Da wird einem klar, wie hoch der Preis des Friedens ist und wie wichtig es ist, für seine Werte zu kämpfen.

Ist Ihre Reise symbolischer Natur oder Zeichen einer neuen Unterstützungswelle?

Beides. Als Wolodymyr mir sagte, dass ihm wichtig sei, dass ich komme, habe ich nicht gezögert. Ich bin hier um die Unterstützung Luxemburgs in Form von Hilfen und der Welle der Solidarität aus dem Großherzogtum zu unterstreichen. Ich bin stolz Premier eines Landes zu sein, das versteht, dass man heute hilft, und morgen auf die Hilfe Anderer zählen kann.

Ministère d'État/Max Gutenkauf et Liz Thielen

Wird das Großherzogtum sich noch stärker engagieren?

Neben den multilaterale Verpflichtungen stehen wir in direktem Kontakt mit den ukrainischen Behörden, um bei einigen Projekten, die derzeit diskutiert werden, zu helfen.

Ist die Ukraine Teil Europas?

Wir teilen einen Kontinenten, und das ist Europa. Die Ukraine sollte auch Teil der europäischen Familie sein, doch bis dahin ist noch viel zu tun. Auf absehbare Zeit wird eine EU-Mitgliedschaft nicht möglich sein. Doch es wäre ein falsches Signal, der Ukraine die Mitgliedschaft nicht in Aussicht zu stellen. Wir wissen sehr wohl, dass eine Mitgliedschaft nicht in absehbarer Zeit möglich ist. Aber die klare Botschaft an die Ukraine heute lautet: «Wir lassen euch nicht im Stich!»

Ministère d'État/Max Gutenkauf et Liz Thielen

Jetzt, mit etwas Abstand, bereuen Sie Ihren Austausch mit Wladimir Putin?

Ganz und gar nicht. Ich habe dies auf Wunsch von Präsident Selenskyj getan. Und wenn er mich erneut darum bittet, dann werde ich dies auch wieder tun. Ich stehe ihm weiterhin für jegliche Hilfe, die zu einer Lösung führen könnte, zur Verfügung.

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