Luxemburg: Wer darf in Luxemburg eine Schusswaffe tragen?
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LuxemburgWer darf in Luxemburg eine Schusswaffe tragen?

LUXEMBURG – Im Großherzogtum haben Menschen – außer Polizei- und Zollbeamte – äußerst selten eine Genehmigung für das Tragen einer Feuerwaffe. Das Justizministerium erklärt.

von
Thomas Holzer
Vorwiegend Männer sind im Großherzogtum im Besitz eines Waffenscheins.

Vorwiegend Männer sind im Großherzogtum im Besitz eines Waffenscheins.

Am 1. Mai ist in Luxemburg ein neues Gesetz in Kraft getreten, das eine EU-Richtlinie umsetzt. Dieses verbietet den Besitz von halbautomatischen Feuerwaffen «mit großem Magazin» – Waffen, die häufig bei Terror-Anschlägen verwendet werden.

Die EU-Richtlinie entstand als Reaktion auf die Anschläge vom 13. November 2015 in Paris. Die Gesetzänderung sei auf nationaler Ebene ohnehin nötig gewesen, da dieses seit 1983 unverändert geblieben war, erklärt das Justizministerium auf Anfrage. Der neue Rechtsrahmen betreffe den Großteil der insgesamt 15.000 Menschen, die hierzulande im Besitz eines Waffenscheins sind, nicht. Bei ihnen handele es sich vorwiegend um Jäger, Sammler und Sportschützen.

In Luxemburg seien rund 85.000 legale Waffen – hauptsächlich Feuerwaffen – im Umlauf, so das Ministerium. Dazu kämen noch die Dienstwaffen, die nicht in die Zuständigkeit der Abteilung für «Waffen und Wachdienste» des Justizministeriums fallen. «Im Vergleich zu anderen EU-Ländern liegen wir im Durchschnitt», sagt der Abteilungsleiter. Einige Personen seien wegen ihrer Leidenschaft oder ihres Hobbys im Besitz regelrechter Waffenarsenale. «Selbstverteidigung» als Rechtfertigung für das Tragen einer Feuerwaffe sei jedoch grundsätzlich kein guter Grund, so der Leiter.

Waffenscheine sind nach Ministeriumsangaben nur fünf im Umlauf. Dabei handele es sich um Ausnahmen: «Es handelt sich um Personen, die einer Bedrohung ausgesetzt sind oder die sich in großer Gefahr befinden. Sie sind dazu berechtigt, ihre Waffe überall und jederzeit zu tragen», erklärt der Abteilungsleiter. Für alle anderen seien der Transport und die Lagerung streng reguliert. Beim Transport müssten alle Waffen ungeladen und so verpackt sein, dass sie nicht als Waffe zu erkennen sind. Die Voraussetzungen für den Erhalt eines Waffentragscheins seien außerdem streng reguliert.

Das Unfallrisiko so gering wie möglich halten

So werde das Strafregister einer Person, die einen Waffenschein beantragt, überprüft. Außerdem werde von dieser Person ein ärztliches Attest verlangt, das bestätigen muss, dass keine psychische Erkrankungen vorliegen. Abgesehen von einigen Ausnahmen muss die Person mindestens 18 Jahre alt sein. Ziel sei, das Unfallrisiko so gering wie möglich zu halten. Gegeben hat es Unfälle laut Ministerium bisher selten, sagt aber, dass «es bereits welche gegeben hat».

«Zuletzt hat sich ein Jäger beim Überqueren eines Stacheldrahts tödlich verletzt. Vor einigen Jahren war auch der Sohn eines Ehepaars bei einem Streit zwischen den Eltern verletzt worden. Auch der Fall von Fentingen sollte nicht vergessen werden», sagt er. Im September 2016 war eine Anwohnerin durch den Schuss eines unvorsichtigen Jägers im Gesicht getroffen worden.

«Bei jedem Vorfall wird geprüft, ob es sich um einen ‹Kunden› handelt», so das Ministerium. Bei gesetzlichen Verstößen könne die Genehmigung widerrufen werden. Die Grenze zwischen einer legalen und einer illegalen Waffe sei schmal. Aus einer gestohlenen legalen Waffe wird beispielsweise eine illegale Waffe. Raubüberfälle und weitere bewaffnete Überfälle würden regulär mit illegalen Waffen begangen.

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