Luxemburg – Wer Geflüchtete aufnehmen will, muss Anforderungen erfüllen
Publiziert

LuxemburgWer Geflüchtete aufnehmen will, muss Anforderungen erfüllen

LUXEMBURG – Die Unterbringung von Geflüchteten in Gastfamilien darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Das Rote Kreuz und die Caritas sorgen dafür, dass Flüchtlinge und Gastgeber darauf vorbereitet sind.

von
Nicolas Martin
Wer Flüchtlinge aufnehmen will, muss einiges beachten.

Wer Flüchtlinge aufnehmen will, muss einiges beachten.

DPA

«Ich verstehe das nicht. Ich habe das Formular vor zwölf Tagen ausgefüllt und immer noch nichts gehört», sagt Laurence, die Geflüchtete aus der Ukraine bei sich zu Hause aufnehmen möchte. Viele Luxemburger haben sich bereit erklärt, ukrainische Flüchtlinge bei sich zu Hause oder in einer leerstehenden Wohnung unterzubringen. Am Montag waren beim Luxemburger Roten Kreuz und der Caritas bereits 1200 Einträge dieser Art registriert. Allerdings werden die Gastgeber und Kriegsgeflüchteten nicht von heute auf Morgen zusammengebracht. Das Verfahren nimmt einige Zeit in Anspruch.

«Wir verstehen die Frustration der Familien, die helfen wollen, und der Menschen, die derzeit noch in einer Notaufnahmeeinrichtungen ausharren müssen und gerne die Unterstützung oder das offene Ohr einer Familie hätten», sagt Nadine Conrardy, Leiterin der Abteilung Aktion und soziale Gesundheit des Roten Kreuzes. Die ersten Vermittlungen in Familien hätten vor kurzem begonnen und sollen sich dank einer zentralen Anlaufstelle beschleunigen.

Antrag auf vorübergehenden Schutz

Fast 4000 Familien aus der Ukraine haben in Luxemburg vorübergehenden Schutz ersucht. Als die ersten Flüchtlinge das Großherzogtum erreichten, hatte die Organisation «LUkraine» eine direkte Verbindung zwischen Flüchtlingen und potenziellen Gastgebern hergestellt. Das habe sich inzwischen normalisiert, so Conrardy. «Die Geflüchteten füllen einen Antrag auf vorübergehenden Schutz beim Außenministerium und der Einwanderungsbehörde aus. Dann werden sie zu einem Interview empfangen. Das erfordert Zeit. Anfangs wurden 40 Fälle pro Tag bearbeitet, aber der Service wird ausgebaut», erklärt Nadine Conrardy. Das gehe natürlich nicht von heute auf morgen.

Nach der Befragung beim nationale Aufnahmeamt Befragung stehen den Familien finanzielle Unterstützung und verschiedene Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung: Eine aufnehmende Familie, Einrichtung oder Privatwohnung. Dann nehmen sich Sozialarbeiter des luxemburgischen Roten Kreuzes und der Caritas der Vermittlung an. Ihre Verantwortung bestehe darin «beide Seiten zu schützen. Wir müssen sicherstellen, dass die Menschen wissen, was auf sie zukommt», betont Marc Crochet, Generaldirektor der Caritas Luxemburg.

Menschenhandel verhindern

«Was die Dauer angeht, so verlangen wir ein Minimum von drei Monaten. Und manche Gastfamilien erwarten eine Menge Dankbarkeit. Die gibt es so aber nicht immer bei traumatisierten Menschen, die Angehörige zurückgelassen haben und vorher glücklicher waren, egal, wie sie aufgenommen wurden», fährt er fort.

Das Rote Kreuz und die Caritas schauen sich die Gastfamilie vorher an: Um sich zu vergewissern, dass die Räumlichkeiten geeignet sind, dass es der Familie nicht an Ausstattung fehlt, aber auch um sich ein Bild davon zu machen, dass es sich um «reine Absichten» handelt, sagt Marc Crochet. Im Ausland gab es bereits Fälle in denen Geflüchtete missbraucht und ausgebeutet wurden. «Wir haben schon Vermittlungen abgelehnt, weil wir befürchteten, dass die untergebrachten Personen in Bezug auf Arbeit oder sexuelle Absichten ausgebeutet werden könnten», sagt er. Auch die Strafregister werden überprüft. «Sozialpädagogen sind damit beauftragt, die Akten zu analysieren, um Menschenhandel zu verhindern.»

Keine Hilfe für Gastfamilien

«Wir hatten bereits Anträge auf Umsiedlung», berichtet Nadine Conrardy fort, «manchmal von Leuten, die dachten, sie würden eine Familie nur für eine oder zwei Wochen beherbergen, oder die nur vorübergehend ein Zimmer zur Verfügung hatten. Manche werden sich plötzlich der Kosten bewusst». In Luxemburg werden die Gastfamilien nicht entschädigt.

Beide Organisationen geben an, dass ein Großteil der Angebote letztendlich nicht umgesetzt werde. «Fast die Hälfte», so Marc Crochet. «Wir sind uns bewusst, dass wir manchmal den Enthusiasmus bremsen, aber es ist unser Beruf, zu schützen», erklärt er. Zudem bevorzugten einige Flüchtlingsfamilien eine Unterkunft in einer Einrichtung oder privat für sich alleine.

Deine Meinung

8 Kommentare