Toulouse in Angst – Wer ist der mysteriöse Roller-Killer?

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Toulouse in AngstWer ist der mysteriöse Roller-Killer?

Der tödliche Überfall auf eine jüdische Schule in Toulouse schockt ganz Frankreich. Möglicherweise gibt es eine Verbindung mit den Soldaten-Morden der letzten Woche. Die Justiz vermutet Terrorismus.

Das Attentat auf eine jüdische Schule in Toulouse an diesem Montag setzt die Bevölkerung in Angst und Schrecken: Treibt ein Serienmörder in der Gegend sein Unwesen? Laut ersten Erkenntnissen wurde mit der Tatwaffe von Toulouse höchstwahrscheinlich bereits drei Mal getötet. Eines der zwei vor der jüdischen Schule gefundenen Projektile - der Täter schoss mit zwei verschiedenen Pistolen, weil die eine versagte - sind laut Polizei identisch mit jenen, die am vergangenen Donnerstag im rund 50 Kilometer entfernten Montauban gefunden wurden.

Damals hatte ein Unbekannter ebenfalls von einem Motorrad aus zwei Soldaten in Uniform getötet und einen weiteren lebensgefährlich verletzt. Und nur wenige Tage zuvor war in Toulouse ein Fallschirmjäger, der allerdings in Zivil unterwegs war, auf offener Straße durch einen Kopfschuss getötet worden.

Tattoo oder Narbe im Gesicht?

In allen drei Fällen kam der Täter auf einem Motorrad. Sowohl in Montauban als auch in Toulouse ging der Motorradfahrer ähnlich vor. Auf offener Straße und mitten am Tag schoss er gezielt auf seine Opfer. Französische Medien berichteten heute, dass der Unbekannte auf dem Roller ein Tattoo oder eine Narbe auf seiner linken Backe hatte.

Die tödlichen Schüsse auf die Opfer in Montauban und Toulouse sind alle vom gleichen Kaliber: 11,43 Millimeter. Das Kaliber wird häufig auch im Schwerkriminellen-Milieu verwendet. Vor der jüdischen Schule wurden unter anderen die gleichen Projektile gefunden.

Motiv unklar

Bisher wurde spekuliert, dass die Soldaten-Morde etwas mit dem Afghanistan-Einsatz zu tun haben könnten. Die Soldaten in Montauban gehörten zu einem Regiment, das in der Nähe des Tatortes stationiert ist und das regelmäßig in Afghanistan zum Einsatz kommt. Auch die Fallschirmjäger-Einheit in Toulouse ist an Afghanistan-Einsätzen beteiligt.

Das Attentat auf die jüdische Schule dürfte nun aber diese These umstossen und ein rassistisches Motiv in den Vordergrund stellen. Die drei Fallschirmspringer waren nordafrikanischer Abstammung, der in Montauban lebensgefährlich Verletzte ist ein schwarzer Franzose von der Karibikinsel Guadeloupe und die heutigen Opfer in Toulouse sind Juden.

Keine voreiligen Rückschlüsse

Die Polizei verfolgte nach den zwei ersten Morden mehrere mögliche Spuren. Auch Vergeltungsakte im Milieu der organisierten Kriminalität oder die Wahnsinnstat eines Waffenfanatikers werden nicht ausgeschlossen. Wegen der Mordanschläge auf Soldaten wurde eine Sonderkommission eingerichtet.

Ein Sprecher des Innenministeriums sprach heute von «Ähnlichkeiten» der kaltblütig ausgeführten Tat auf die jüdische Schule mit den früheren Angriffen, warnte aber vor vorzeitigen Rückschlüssen.

Verdacht des Terrorismus

Nach den tödlichen Schüssen von Toulouse und Montauban in Südfrankreich ermittelt die französische Justiz wegen des Verdachts auf Terrorismus. Die für Terrorismus zuständige Staatsanwaltschaft in Paris nahm Ermittlungen in den drei Fällen auf, wie Staatsanwalt François Molins am Montag mitteilte. Es gehe um «Mord und versuchten Mord im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung».

(L'essentiel online/dapd )

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