Zugunglück in Italien – Wer ist schuld am Bahnunglück?
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Zugunglück in ItalienWer ist schuld am Bahnunglück?

Nahe der Adriaküste sind auf eingleisiger Strecke zwei Pendlerzüge frontal zusammengekracht. 27 Menschen sind gestorben, Dutzende verletzt. Die Ursache ist noch unklar.

epa05421550 A handout picture provided by the Italian Fire Brigade on 12 July 2016 shows the crash site where two trains collided on a single-track stretch between Ruvo di Puglia and Corato, southern Italy, 12 July 2016. A least ten people have been killed and dozens injured according to reports.  EPA/ITALIAN FIRE BRIGADE / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

epa05421550 A handout picture provided by the Italian Fire Brigade on 12 July 2016 shows the crash site where two trains collided on a single-track stretch between Ruvo di Puglia and Corato, southern Italy, 12 July 2016. A least ten people have been killed and dozens injured according to reports. EPA/ITALIAN FIRE BRIGADE / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Keystone/Italian Fire Brigade / Handout

Nach dem Zugunglück in Süditalien vom Dienstag mit mindestens 27 Toten ist die Suche nach Schuldigen im vollen Gang. Die Staatsanwaltschaft in der Stadt Trani ermittelt wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung gegen unbekannt.

Der italienische Regierungschef Matteo Renzi versprach bei einem Besuch am Unglücksort eine vollständige Aufklärung.

– Matteo Renzi (@matteorenzi) 12. Juli 2016

Verkehrsminister Graziano Delrio werde dem Parlament schon heute über das Zugunglück berichten. Präsident Sergio Mattarella sprach in einer ersten Reaktion von einer «unannehmbaren Katastrophe» und forderte eine rasche Aufklärung der Unglücksursache.

«Hässlichste Szene meines Lebens»

Zwei Züge waren mit hoher Geschwindigkeit auf eingleisiger Strecke nördlich von Bari zusammengeprallt. Etwa 50 Menschen wurden nach Medienangaben verletzt, darunter auch Kinder. Ein Polizist schildert seine Eindrücke dem «Corriere del Mezzogiorno»: «Ich sah Tote, Menschen, die um Hilfe schrien, Menschen, die weinten. Es ist die hässlichste Szene meines Lebens.» Der Beamte war einer der ersten Helfer am Unglücksort.

Eine Journalistin des lokalen Newsportals AndriaLive.it, Lucia Olivieri, sprach auf Rai News 24: «Als ich vor Ort eintraf, hätte ich mich beinahe übergeben. Die Strecke wird vor allem von Jungen befahren, Studenten der Universität Bari.»

– Lettera43 (@Lettera43) 12. Juli 2016

Informationen über Schweizer Opfer liegen dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten nach dessen Angaben nicht vor. Abklärungen seien noch im Gang.

Ausbau aufgeschoben

Ermittelt wird in Italien, ob es sich um menschliches Versagen handelt. Aber auch ein technisches Problem wird nicht ausgeschlossen. Aufschluss soll die Blackbox der Züge geben.

Ein geplanter Ausbau der Strecke auf zwei Gleise war erst kürzlich wegen Finanzierungsproblemen verschoben worden. Die Zeitung La Stampa berichtete im Internet, dass der seit Jahren geplante Ausbau ursprünglich schon im Jahr 2015 hätte abgeschlossen sein sollen.

Unklar war, wie viele Menschen in den Regionalzügen waren, die von einem privaten Unternehmen betrieben wurden. Nach Angaben des Betreibers Ferrotramviaria waren die Züge mit etwa 100 Kilometern pro Stunde unterwegs, als sie an einer Kurve zusammenprallten. Die Helfer arbeiten bis in die Nacht, um Opfer aus den Trümmern zu bergen.

Solidarität und Kritik

Das Unglück hatte Entsetzen, Wut, aber auch eine Welle der Solidarität in Italien ausgelöst. Auch Papst Franziskus sprach den Angehörigen sein Beileid aus.

Einem Blutspendeaufruf folgten innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Bewohner der Region Apulien, vor den Blutspendezentralen bildeten sich lange Schlangen. «Alle wollen Blutspenden», schrieb das Krankenhaus Bari unter einem auf Facebook veröffentlichten Foto von wartenden Spendern.

– Barbaro Pasquale (@pasqu85) 12. Juli 2016

In sozialen Netzwerken wurde zum Teil vernichtende Kritik an den Behörden geübt. «Wir sind ein Dritt-Welt-Land», schrieb ein Nutzer laut «Stampa». Andere kritisierten, dass Milliardenbeträge für den Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken ausgegeben würden, für den zweigleisigen Ausbau der süditalienischen Pendlerstrecke aber kein Geld vorhanden gewesen sei.

(L'essentiel/nag/sda)

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