Debatte um Rentenalter – «Wer länger lebt, muss auch länger arbeiten»

Publiziert

Debatte um Rentenalter«Wer länger lebt, muss auch länger arbeiten»

LUXEMBURG – Das Rentenalter wird steigen. Sozialminister Mars Di Bartolomeo hat am Dienstagabend erste Pläne zu der für 2011 geplanten Rentenreform verraten. Die Reaktionen sind verhalten.

Wann gehen Sie in Rente? Im Schnitt hören Arbeitnehmer in Luxemburg mit 58 Jahren auf zu arbeiten.

Wann gehen Sie in Rente? Im Schnitt hören Arbeitnehmer in Luxemburg mit 58 Jahren auf zu arbeiten.

dpa

«Wenn sie etwas Seriöses auf die Beine stellen wollen, müssen sie dafür sorgen, dass die Leute nicht nur die Möglichkeit sondern auch ein Interesse darin sehen, länger im Beruf zu bleiben. Und alle, die nicht nach diesen Regeln spielen wollen, können nicht die gleiche Rentenleistung verlangen», erklärte Sozialminister Mars Di Bartolomeo (LSAP) am Mittwochabend bei einem Rundtischgespräch zur Zukunft des luxemburgischen Rentensystems.

Damit die Renten finanzierbar bleiben, wird durch die Reform das Rentenalter indirekt ansteigen. Wer (freiwillig) länger arbeitet, bekäme dann eine höhere Rente. Und umgekehrt. Der Minister bringt dies auf die Formel: «Wer länger lebt, muss auch länger arbeiten.» Am Donnerstagmorgen sind die ersten Reaktionen darauf verhalten.

Sonderregeln bei harter Arbeit?

«Woher sollen wir denn wissen, wie lange wir leben?», scherzen einige Gewerkschaftsvertreter. Solange keine konkreten Vorschläge zur Erhöhung des Rentenalters, zu höheren Beiträgen oder zu niedrigeren Leistungen auf dem Tisch liegen, seien kaum Diskussionen möglich, meint Camille Brocker, Präsident der Eisenbahnergewerkschaft FCPT-Syprolux auf Anfrage von «L’essentiel Online». Nicht verhandeln wollen die Gewerkschaften das Grundprinzip der Umverteilung. Im Klartext: Die Jungen zahlen für die Älteren.

Das gesetzliche Rentenalter liegt bei 65 Jahren. Im Schnitt gehen die Luxemburger aber mit 58 in den Ruhestand. Deshalb sprechen sich die Unternehmervertreter der UEL für einen Anstieg des Rentenalters aus. Die Gewerkschaften wollen aber nicht über mehr als 40 Beitragsjahre verhandeln. «Unter bestimmten Bedingungen ist ein Anstieg der Beiträge verhandelbar», stellt Carlos Pereira der unabhängigen Gewerkschaft OGBL klar. Eine Sonderregelung für Angestellte, die harte körperliche Arbeit verrichten, ist eine dieser Bedingungen. Die zweite: Länger arbeiten – wie soll das gehen, wenn ein Angestellter ab 45 Jahren schon als «zu alt» für einen neuen Job eingeschätzt wird?

Job-Probleme für junge Leute?

«In vielen Betrieben werden die Angestellten mit 52 oder 53 aussortiert oder rausgeekelt, bei Entlassungen stehen sie immer oben auf der Liste», so Pereira. Sollte das Rentenalter steigen, müssten Maßnahmen her, die Arbeit für ältere Leute schaffen.

«Wenn wir die Älteren fördern müssen wir aufpassen, dass dadurch nicht junge Leute Probleme bekommen, eine Anstellung zu finden», warnt Christian Hoeltgen, Generalsekretär der Bankergewerkschaft Aleba. «In den Banken wird sowieso schon weniger Nachwuchs eingestellt.»

sb/jmh/L'essentiel Online

Fünf Milliarden beiseite gelegt

In der Rentenkasse liegen fast fünf Milliarden Euro als Reserven. Jedes Jahr kann der Staat zusätzlich 600 bis 900 Millionen Euro zur Seite legen. Nach den Berechnungen der Regierung wird erst 2025 die Schwelle erreicht, an der das aktuelle System nicht mehr funktioniert. Dann sind ein Viertel der Gesellschaft Rentner. «Wir wissen nicht genau, wann die Schwelle erreicht ist, aber klar ist - es muss in Ruhe über die Reform verhandelt werden. Wir haben noch Zeit», erklärt Carlos Pereira vom OGBL.

Deine Meinung