Mordprozess im Saarland – Wer packte die Paketbombe?

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Mordprozess im SaarlandWer packte die Paketbombe?

SAARBRÜCKEN - Eine Paketbombe reißt einen Mann in Völklingen in den Tod. Rache oder eine Tat aus Eifersucht? Das muss das Gericht klären.

Ein halbes Jahr nach einem Paketbombenanschlag in einem Wohnhaus in Völklingen muss sich ein 45-Jähriger vorm Gericht verantworten.

Ein halbes Jahr nach einem Paketbombenanschlag in einem Wohnhaus in Völklingen muss sich ein 45-Jähriger vorm Gericht verantworten.

DPA

Ein halbes Jahr nach einem Anschlag mit einer Paketbombe in Völklingen muss sich ein 45 Jahre alter Mann in Saarbrücken wegen Mordes vor Gericht verantworten. Zum Auftakt der Verhandlung vor dem Landgericht bestritt der Angeklagte, mit dem Anschlag zu tun gehabt zu haben: «Ich habe ein solches Paket nicht geschickt», sagte er am Montag. Bei einer Polizeivernehmung hatte der Mann die Tat dagegen zugegeben, sein Geständnis widerrief er allerdings später zum Teil.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Mai einen 39 Jahre alten Mann mit der selbst gebauten Paketbombe «heimtückisch und mit Vorsatz» getötet zu haben. Die Fracht explodierte, als das Opfer das Paket im Wohnhaus seiner Bekannten öffnete. Das Gebäude wurde fast vollständig zerstört. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Beziehungstat aus. Mit der Bombe habe der frühere Bäcker und Bauzeichner die Freundin des Opfers für sich gewinnen wollen.

Der Angeklagte behauptet, er habe seine Hausbesitzerin schützen wollen

Der 54-Jährige räumte ein, vor der Tat zwei Pakete und fünf Briefe an das spätere Mordopfer geschickt zu haben. Er habe so darauf aufmerksam machen wollen, dass das Opfer nebenbei auch Beziehung zu einer zweiten Frau hatte. Zudem gab er zu, im Internet Chemikalien gekauft zu haben, die man auch zum Bau einer Bombe hätte verwenden können. Er habe die Mittel aber gebraucht, um Dünger für seine gezüchteten Riesen-Kürbisse zu mischen, sagte er vor Gericht.

Der Tatverdächtige war nach einem Selbstmordversuch in die Psychiatrie gebracht worden, wo ihn die Polizei Anfang Juni verhaftete. Sein anfängliches Geständnis begründete er am Montag damit, er habe die von ihm begehrte Hausbesitzerin schützen wollen. «Mir war an diesem Tag nicht mehr so wichtig, was mit mir passiert. Ich wollte nur Sandra aus der Sache heraushalten», sagte der mit hellem Jackett und silberner Krawatte korrekt gekleidete Angeklagte. Er sei damals davon ausgegangen, dass die ihm seit 20 Jahren bekannte Frau ihr Haus selber in die Luft gesprengt habe, um die Versicherungssumme zu kassieren.

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