Ende eines Kinderessens – Werden Fischstäbchen bald zu Luxusartikeln?

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Ende eines KinderessensWerden Fischstäbchen bald zu Luxusartikeln?

Die Überfischung der Weltmeere nimmt immer drastischere Ausmaße an. Experten warnen: Fisch könnte wegen der allmählichen Knappheit bald massiv teurer werden.

Werden Fischstäbchen bald teurer? Foto: Keystone/AP/Joerg Sarbach

Werden Fischstäbchen bald teurer? Foto: Keystone/AP/Joerg Sarbach

Der Schutz der Weltmeere ist eine schwierige Angelegenheit. Nicht nur, wenn es um die Verschmutzung geht, sondern auch beim Thema Fischfang stehen die Alarmzeichen heute auf Rot. So sind 90 Prozent aller kommerziell genutzten Fischbestände rund um den Globus überfischt – 61 Prozent sogar in kritischem Maß, wie der WWF gegenüber 20 Minuten erklärt.

Besonders problematisch seien in diesem Zusammenhang sogenannte Monsterschiffe. Zu diesen hat Greenpeace vor kurzem eine schwarze Liste mit insgesamt 20 Namen veröffentlicht. Der Vorwurf an die Betreiber dieser Schiffe lautet: Sie umgehen Fischfangregeln gezielt, um ihre Gewinne zu maximieren.

Ein Trick, den sie dabei laut Greenpeace anwenden, ist das häufige Wechseln der Flagge, manchmal im Wochentakt. Der Grund für diese Taktik sei banal: Die Schiffe können so von den Fangquoten mehrerer Länder profitieren, anstatt nur von der eines Einzigen, so eine Greenpeace-Sprecherin gegenüber «Deutschland Today».

Fischereiverband bestreitet Vorwürfe

Gegenüber der Agentur AFP wehrt sich der Fischereiverband Europêche gegen die Vorwürfe. «Die Rede von Monsterschiffen ist typische Greenpeace-Hysterie», wird Javier Garat, Präsident von Europêche, zitiert. Doch nebst Greenpeace und WWF äußerte sich diese Woche eine weitere besorgte Stimme. Gegenüber der Zeitung South China Morning Post erklärte die amerikanische Professorin Lyle Goldstein, dass mit der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung Chinas die Problematik der Überfischung in den vergangenen Jahren weiter zugenommen habe.

In Asien gebe es außerdem das Problem der Sklavenarbeit auf Fangschiffen. Goldstein zitiert einen UNO-Bericht, in dem erklärt wird, dass derzeit ungefähr 22.000 Menschen aus Laos unfreiwillig auf südostasiatischen Schifffangflotten ausgebeutet werden.

Auch die britische Zeitung The Guardian widmete dieser Thematik einen Artikel. Sie schrieb: «Eine große Anzahl Männer werden in Asien wie Tiere verkauft, um danach gegen ihren Willen auf thailändischen Fischereibooten zu arbeiten.» Schließlich würden die (Meeres-)Früchte ihrer Arbeit in europäischen Supermärkten und somit auf unseren Tellern landen.

Kein Grund für Optimismus

Und dass sich an dieser Situation bald etwas ändert, sei nicht zu erwarten, erklärt Corina Gyssler vom WWF. «Weil die Fischbestände im Mittelmeer und den europäischen Atlantikgewässern völlig überfischt sind, weichen die EU-Flotten auf afrikanische Gewässer aus, wo sie bereits 21 Prozent ihrer Fänge einholen.» Leidtragend sei dabei nicht nur die Natur, sondern auch die lokalen Kleinfischer, deren Fanggebiete leergefischt würden.

Laut Gyssler darf man außerdem nicht vergessen: «Meere sind komplexe Ökosysteme. Verschwindet nur eine Fischart, so hat das Auswirkungen auf unzählige andere Arten, die von der verschwindenden Art in irgendeiner Form abhängig sind.»

Höhere Preise

Die fortschreitende Abnahme der Fischbestände wird früher oder später zwangsläufig auch bei den Kunden ankommen. «Jegliches Gut, das seltener wird, steigt im Preis an. So ist dies auch beim Fisch», erklärt Gyssler. Wie schnell und wie hoch die Preise, zum Beispiel für Fischstäbchen, ansteigen werden, könne sie zwar noch nicht vorhersagen. Der Anstieg komme aber bestimmt. Diese Meinung teilt auch Professorin Goldstein. Gegenüber der South China Morning Post sagt sie: «Das Zeitalter des günstigen Fischs ist vorbei.»

(L'essentiel/Kaspar Wolfensberger)

«Es gibt bessere Alternativen zu Fisch»

Sigrid Lüber*, sollten Fischstäbchen verboten werden?

Ich setze auf eine Deklarations¬pflicht. Jeder Konsument soll wissen, wo und wie der Fisch gefangen wurde.

Warum schreckt der Raubbau an unseren Meeren die Konsumenten nicht auf?

Weil Ernährungsberater immer noch empfehlen, mindestens einmal pro Woche Fisch zu essen. Dabei gibt es für Omega-3-Fette bessere Alternativen: Avocados, Walnüsse oder Rapsöl. Die Konsumenten sollten zudem wissen, dass jeder Fisch in den Netzen erstickt oder erdrückt wurde und einen qualvollen Tod gestorben ist.

Fehlt der politische Wille, gegen die Überfischung vorzugehen?

Es hat einige Fischerei¬reformen gegeben, zum Beispiel in der EU. Aber die Kontrolle und der Vollzug sind nicht ausreichend und die Sanktionen zu niedrig.

Lohnt es sich überhaupt noch, auch die letzten Fische zu fangen?

Der Fangaufwand steigt zwar, weil die Meere leerer werden. Es ist aber zu befürchten, dass es kurzfristig noch lukrativ sein wird, die Meere ganz auszuplündern. (ish)

*Sigrid Lüber ist Präsidentin der Organisation Oceancare.

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