Friedensnobelpreis – Wettbüros setzen auf Snowden und den Papst

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FriedensnobelpreisWettbüros setzen auf Snowden und den Papst

Der Friedensnobelpreis wird heute Freitag um 11 Uhr in Oslo verliehen. Wer mach das Rennen? Der Direktor des Nobel-Instituts spricht von einer schwierigen Entscheidung.

Keystone/Glenn Greenwald,laura Poitras

Die Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers ist für Wettfreunde jedes Jahr so spannend wie eine Fußball-Weltmeisterschaft: Die Spekulationen um den späteren Sieger laufen heiß, riesige Summen werden auf die vermeintlichen Favoriten gesetzt. Das Problem: Es gibt 278 Nominierte, die aussichtsreichsten Kandidaten zeichnete das Nobel-Komitee in den vergangenen Jahren so gut wie nie aus. Und dann sagte der Direktor des norwegischen Nobel-Instituts, Geir Lundestad, der Nachrichtenagentur AP auch noch, dass die diesjährige Wahl schwieriger als zuvor sei.

Die Topkandidaten in den Wettbüros sind in diesem Jahr: Edward Snowden, der Papst - und einmal mehr das pakistanische Schulmädchen Malala. Macht diesmal wirklich einer der Favoriten das Rennen? Diese Nominierten haben die besten Aussichten:

EDWARD SNOWDEN

Der frühere NSA-Mitarbeiter deckte im Sommer 2013 die massenhafte Ausspähung der US-Geheimdienste auf. Nachdem seine Enthüllungen zu spät für die Nobelpreisvergabe im Vorjahr kamen, nominierten ihn in diesem Jahr zwei norwegische Abgeordnete. Einer von ihnen, Snorre Valen, sagte, Snowdens Aufdeckung qualifizierten ihn für den Friedensnobelpreis, weil Überwachung heutzutage ein moderner Teil des Wettrüstens sei. Snowden, der im Exil in Russland lebt, sagte, er sei stolz über die Nominierung. Er sieht sich selbst aber lediglich mit Auseinanderchancen.

PAPST FRANZISKUS

Seit er im März 2013 zum Kirchenoberhaupt ernannt wurde, gilt Papst Franziskus als der Star der Armen. Der gebürtige Argentinier besucht Obdachlose schon mal inkognito und setzt sich für eine bessere Verteilung von Wohlstand ein. Bei den Buchmachern ist der Papst in diesem Jahr der Topfavorit - allerdings dürfte die Nominierung nur ein Jahr nach Amtsantritt etwas zu früh kommen.Sollte er aber gewinnen, wäre Franziskus das erste Oberhaupt der katholischen Kirche, dem diese Ehre zuteil würde.

MALALA YOUSAFZAI

Das pakistanische Mädchen mit dem wunderschönen Vornamen war 2013 die Topfavoritin - bis das Komitee den Preis an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag vergab. Malala wurde 2012 in einem Schulbus von den Taliban in den Kopf geschossen, nachdem sie in Eigenregie einen Feldzug gegen die Extremisten gestartet hatte. Mittlerweile ist die Menschenrechtlerin 17 Jahre alt und eine junge Frau, die bereits vor den Vereinten Nationen gesprochen hat.

DENIS MUKWEGE

Weniger bekannt als Malala oder Snowden, hat sich der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege gegen sexuelle Gewalt in seinem Land erhoben. Deshalb wurde er in den vergangenen Jahren immer wieder für den Friedensnobelpreis nominiert. Der norwegische Abgeordnete Bard Soljhell glaubt, Mukwege werde wahrscheinlich gewinnen, weil er ein Kandidat ist, der «sehr ehrenwert und unumstritten» sei.

NOVAYA GAZETA

In Zeiten weltweit spektisch gesehener Vorgehensweisen Russlands ist es nicht unbedingt einfach, sich als russische Zeitung für Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit einzusetzen. Genau das macht die «Novaya Gazeta» allerdings seit Jahren. Nach Moskaus Intervention in der Ukraine könnte 2014 die Stunde der russischen Gazette schlagen. Vier ihrer Reporter wurden seit dem Jahr 2000 getötet, darunter auch die Kremlkritikerin Anna Politkowskaja. Es ist jedoch nicht klar, ob die Zeitung überhaupt nominiert wurde.

DIE MENSCHEN VON LAMPEDUSA

Ein Professor aus Oslo hat die Bewohner Lampedusas nominiert, um das Augenmerk auf die dramatischen Zustände zu richten, unter denen Flüchtlinge über die italienische Insel nach Europa zu gelangen versuchen. In diesem Jahr sind so viele Flüchtlinge wie niemals zuvor auf dem Weg über das Mittelmeer, laut Angaben der Vereinten Nationen starben mehr als 3000 bei dem Versuch der Überquerung. Die Bewohner Lampedusas stehen dabei in der ersten Reihe, weil auf ihrer Insel täglich Flüchtlingsströme ankommen. Ihnen wird zugute gehalten, dass sie sich sehr verbunden und solidarisch mit den Migranten zeigten.

(L'essentiel)

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