27. Januar – «Wichtiger Tag, um an den Holocaust zu erinnern»
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27. Januar«Wichtiger Tag, um an den Holocaust zu erinnern»

LUXEMBURG – Der 27. Januar ist der Holocaust-Gedenktag. Der Tag ist mehr, als nur ein symbolisches Datum, wie Laurent Moyse ausführt.

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, das von den Nazis im besetzten Polen errichtet worden war, befreit. Gerade einmal 77 Jahre ist das her. Ein Datum, das dazu auserkoren wurde, weltweit zum Gedenktag für die Opfer des Holocausts zu werden. «Ich denke, das ist immer noch ein sehr wichtiger Tag», meint Laurent Moyse, Präsident der «Fondation pour la mémoire de la Shoah» im Gespräch mit L'essentiel,«pädagogisch wichtig, um an diesen Völkermord zu erinnern». Angesichts der aktuellen Demonstrationen, Ausschreitungen und Holocaust-Vergleiche, sei das noch bedeutender geworden. Die Stiftung, der er vorsteht, hatte Anfang Dezember scharf reagiert und die Verweise auf den Holocaust und Nazideutschland in den Demonstrationszügen verurteilt. Sie sprach von «inakzeptabler Gleichsetzung».

Ein Gedenktag alleine reicht zur Aufklärung allerdings nicht aus. «Wir versuchen, die Schüler mit einer ganzen Reihe von Mitteln zu sensibilisieren, vor allem in den Lycées der Sekundarstufe», so Laurent Moyse. In dieser Woche werden am Rande des Holocaust-Gedenktags verschiedene kleine Veranstaltungen organisiert, um eine Verbindung zwischen den Jüngeren und den Jahren 1939-1945 zu schaffen. Filmvorführungen, Diskussionen, im Idealfall Zeitzeugenberichte, auch wenn diese immer seltener werden. «Es gibt wirklich ein Interesse seitens der Schüler und einige Lehrer bereiten ihre Klassen sehr gut auf dieses Thema vor», berichtet Moyse, der die Gefahr des Vergessens nicht ganz so dramatisch sieht, wie viele befürchten.

Seiner Meinung nach gibt es heute mehr Sensibilisierungsmaßnahmen als früher, was der Arbeit von Historikern und den digitalen Hilfsmitteln zu verdanken sei. Um der Verzerrung und Banalisierung entgegenzuwirken, müsse die Vermittlungsarbeit jedoch über die Woche des 27. Januar hinausgehen. «Der internationale Tag, der dem Gedenken an die Opfer des Holocaust gewidmet ist, muss uns daran erinnern, zu welchen Extremen die Missachtung aller Grundwerte geführt hat und immer noch führen kann», fügt das Kulturministerium hinzu.

Gegen das Vergessen und Verzerren des Holocaust gibt es weltweit verschiedene Initiativen. Die Auschwitz Pledge Foundation hat am Mittwoch ein Zuschussprogramm mit dem Titel «The Indifference Challenge» gestartet, das sich an Projekte richtet, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung engagieren. Die UNESCO und der Jüdische Weltkongress (WJC) haben ihrerseits bekanntgegeben, eine Partnerschaft mit dem sozialen Netzwerk TikTok einzugehen, um Holocaust-Leugnern online entgegenzutreten.

(nc/L'essentiel)

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