Zu Besuch in der Gas Monkey Garage: Wie dieser Autotuner zum Weltstar wurde

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Zu Besuch in der Gas Monkey GarageWie dieser Autotuner zum Weltstar wurde

Gegen ihn sind andere Tuner nur bessere Hinterhof-Schrauber. Richard Rawlings hat es mit geschickter Selbstvermarktung zum Weltstar gebracht.

Richard Rawlings hat es mit «Fast n’ Loud» und seiner Gas Monkey Garage zu weltweiter Berühmtheit geschafft.

Richard Rawlings hat es mit «Fast n’ Loud» und seiner Gas Monkey Garage zu weltweiter Berühmtheit geschafft.

Benjamin Bessinger

Ist es Benzin oder Bier, das in seinen Adern fließt? So genau weiß man das bei Richard Rawlings nie. Denn während die 53-jährige Kreuzung aus Entrepreneur und Outlaw im gebügelten T-Shirt über den tätowierten Oberarmen durch die klimatisierte Werkstatthalle führt, greift sich die Hand mit den Totenkopfringen ständig eine neue Dose Bud Light aus den allgegenwärtigen Kühlschränken, und immer wieder unterbricht ein Zischen den ansonsten unaufhaltsamen Redefluss, wenn er die Büchse aufreißt.

Doch seine Stimme will geölt werden, denn die ist sein Kapital. Schließlich ist der ehemalige Polizist und Feuerwehrmann als Moderator berühmt geworden und hat es mit seiner Sendung «Fast n’ Loud» über Kabelfernsehen und Internet-Streaming bis in die Wohnstuben im hintersten Winkel der Welt geschafft. Entstanden sind die Sendungen und auch die Youtube-Videos in der Gas Monkey Garage, seinem Hauptquartier zwischen Fort Worth und Dallas in Texas. Mitten in einem lustlosen Gewerbegebiet hat er ein PS-Paradies gebaut, zu dem neben der Werkstatt und der privaten Autosammlung auch eine Kneipe und ein Souvenirshop gehören. Dort gibts Dutzende verschiedener Shirts mit seinem Logo, Biker- und Schrauber-Klamotten und alles, was der modebewusste Mechaniker sonst noch so brauchen kann.

Ein Tausendsassa

Rawlings hat seine Gas Monkey Garage so professionell aufgezogen, dass daraus ein ganzes Imperium geworden ist, in dem Autos nur noch Mittel zum Zweck sind. Viele Hundert Millionen seines üppigen Umsatzes macht er mit den Kleidern, die er weltweit versendet. Und mit seinen Restaurants in Las Vegas, Dubai und Tokio.

Natürlich hängt er an seinen Autos, von denen mehr als drei Dutzend auf Hochglanz poliert in seiner Privatsammlung stehen. Doch wie viel wichtiger ihm der Umsatz ist, zeigt seine jüngste Marketing-Aktion: Um das Geschäft nach der Pandemie anzukurbeln und zugleich seine Zentrale zu bewerben, gibts für jeden Dollar, den die Kunden in seinem Webshop oder im Laden in Dallas ausgeben, ein Los. «Einmal im Monat ziehen wir einen Gewinner, laden den hier zu uns ein und er darf sich eines meiner Autos mit nach Hause nehmen. Egal welches.»

Seinen vierrädrigen Lieblingen weint er dabei keine Träne hinterher: «Wenn eines weg ist, kann ich es ja wieder neu bauen», sagt der Gas-Affe. Genau wie das aufgebockte Mustang Cabrio, mit dem Pierce Brosnan in der Thomas Crown Affäre unterwegs war. Eigentlich für einen Freund auf die Räder gestellt, hat ihm der grüne Offroad-Mustang so gut gefallen, dass er sich selbst gleich noch einen gebaut hat und damit jetzt am liebsten unterwegs ist.

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In der großen Ausstellungshalle im Hauptquartier zwischen Fort Worth und Dallas in Texas warten diverse Schmuckstücke auf Käufer. 

In der großen Ausstellungshalle im Hauptquartier zwischen Fort Worth und Dallas in Texas warten diverse Schmuckstücke auf Käufer. 

Benjamin Bessinger
Alte US-Musclecars originalgetreu zu restaurieren oder zu modernen Restomods aufzumotzen ist eine Spezialität der Gas Monkey Garage.

Alte US-Musclecars originalgetreu zu restaurieren oder zu modernen Restomods aufzumotzen ist eine Spezialität der Gas Monkey Garage.

Benjamin Bessinger
Einen Großteil des Umsatzes erzielt Rawlings inzwischen mit Merchandise sowie mit seinen Restaurants.

Einen Großteil des Umsatzes erzielt Rawlings inzwischen mit Merchandise sowie mit seinen Restaurants.

Benjamin Bessinger

Man darf sich aber von der Fassade des erfolgreichen Medien- und Merchandising-Unternehmers nicht blenden lassen. Natürlich fließt nach wie vor auch reichlich Benzin in Rawlings Adern – selbst, wenn er nicht mehr wie in guten Zeiten 100 Klassiker im Monat umsetzt. Doch vier, fünf Autos stehen immer auf seinen Hebebühnen und ein Projekt im Monat ist für ihn Pflicht. Dabei ist Rawlings allerdings keineswegs wählerisch. Ja, sein Herz schlägt für amerikanische Musclecars, die er wahlweise originalgetreu restauriert oder nach den neusten Trends zu Restomods aufmotzt. Aber in seiner Werkstatt parken auch ein Jaguar E-Type und ein Lamborghini, der noch ziemlich viel Arbeit machen dürfte.

Auch mit dem Trend zum Elektroauto hat Rawlings keine Probleme. Nicht, dass er die Batterie für die Antwort auf alle Klimasorgen halten würde, doch technisch fasziniert ihn die E-Mobilität und fahrerisch natürlich erst recht. Deshalb würde er lieber heute als morgen ein Akkuauto aufbrezeln – wenn es eine Firma gäbe, die daran Interesse habe. «Aber bei der großen Nachfrage und den langen Lieferfristen brauchen Tesla & Co alles, nur keine Publicity», klagt er, und greift gleich wieder in den Kühlschrank. Wenn es also nicht unbedingt Benzin sein muss, dann soll wenigstens weiter Bier durch seine Adern fließen.

(L´essentiel/Benjamin Bessinger)

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