Mord in Zeiten des Internets – «Wie können wir Juliana töten?»
Publiziert

Mord in Zeiten des Internets«Wie können wir Juliana töten?»

In Florida steht demnächst ein Junkie-Paar vor Gericht, das im Internet diverse Tötungsmethoden recherchierte - bevor es ihr Opfer aus Mangel befriedigender Resultate schlicht erwürgte.

James Ayers und Nicole Okrzesik beim Polizeifotografen im Brownard Sheriff's Offce.

James Ayers und Nicole Okrzesik beim Polizeifotografen im Brownard Sheriff's Offce.

Fort Lauderdale, Florida, am 28. März 2012: Juliana Mensch liegt auf dem Boden, schläft ihren Rausch aus. Die 19-Jährige hat mit ihrer Freundin Nicole Okrzesik und ihrem Freund James Ayers in deren Haus Crack geraucht.

Während sie so dahindämmert, greift der 32-Jährige zu seinem Smartphone und ruft Google auf. Es ist 3 Uhr 38 am Morgen, als er seine Suche nach «chemicals to passout a person» beginnt: Welche Chemikalien machen bewusstlos? Ayers gibt weitere Begriffe ein: «Leute umkippen lassen», «wie man Leute im Schlaf tötet», «wie man jemanden erwürgt» und «wie man jemanden vergiftet».

Nachgefragt bei «Yahoo! Answers»

Was der Junkie und seine 23-jährige Freundin finden, scheint Ihnen nicht recht weiterzuhelfen. Bald ändern sie die Vorgehensweise und platzieren eine nur notdürftig kaschierte Frage bei «Yahoo! Answers»: «Kennt Ihr die Filme, bei denen jemand ein Tuch mit einer Flüssigkeit über den Mund von jemanden drückt, der dann ohnmächtig wird? Was ist das für eine Chemikalie, die sie darauf tun? Ich werde das nicht tun… Ich habe mich das immer nur gefragt.»

Der Suchende erhält auch hier keine Antwort auf seine unschuldige Frage. Auf der Website «GoLivewire.com» stößt er zwar auf ein Forum namens «Könnte man jemanden im Schlaf töten und niemand merkt es?», doch die Repliken darauf beschränken sich auf Sackgassen wie «Vielleicht» oder «Nein, könnte ich nicht». Der vielversprechende Link «13 Wege, jemanden zu vergiften… Auf dem Papier» entpuppt sich als Blog für Autoren.

Fortgesetzte geistige Armut

«Die sieben verrücktesten Dinge, die Leute beim schlafwandeln tun» hilft auch nicht. Nach vier Minuten beenden sie ihre Recherche – und schreiten zur Tat. Sie erwürgen Juliana Mensch, um von ihrem Geld Drogen zu kaufen. Ruhe kehrt damit nicht ein: Am Tag nach der Tat diskutiert das Mörderpaar via SMS, wie das Opfer verschwinden soll. «Wir haben eine Leiche im Haus und du willst Spielchen spielen?», macht Ayers seiner Freundin Druck. Die Diskussion wird am 26. März fortgeführt. Auf Facebook. «Können wir sie nicht einfach irgendwo entsorgen?»

Zwei Tage später wird James Ayers verhaftet. Nicht weil die Polizei die elektronische Fährte aufgenommen hat, sondern weil sich der Junkie selbst ans Messer geliefert hat. Er berichtete einem Kollegen, er habe Juliana Mensch erwürgt, nachdem Freundin Okrzesik erfolglos versucht hatte, dem Opfer das Genick zu brechen.

Natürlich sind das alles Erkenntnisse, die die Polizei gewonnen haben will: Noch ist das Pärchen nicht verurteilt. Der Prozess gegen Nicole Okrzesik beginnt laut «The New Times» am 7. Juni. James Ayers muss sich am 25. Juni der Mordanklage stellen.

( L’essentiel Online / phi)

Deine Meinung