Giorgia Meloni: Wie rechts ist die Römerin, die Italien als erste Frau regieren könnte?

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Giorgia MeloniWie rechts ist die Römerin, die Italien als erste Frau regieren könnte?

Die 45-jährige Giorgia Meloni, Gründerin der Fratelli d’Italia, gilt als extrem rechts stehende Politikerin. Ihre Partei hat sich zur stärksten des Landes gemausert.

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Giorgia Meloni ist die derzeit erfolgreichste und umstrittenste Politikerin Italiens.

Giorgia Meloni ist die derzeit erfolgreichste und umstrittenste Politikerin Italiens.

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Ihre Partei Fratelli d’Italia könnte heute Sonntag Wahlsiegerin werden.

Ihre Partei Fratelli d’Italia könnte heute Sonntag Wahlsiegerin werden.

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Meloni hat Benito Mussolini schon als «guten Politiker» bezeichnet.

Meloni hat Benito Mussolini schon als «guten Politiker» bezeichnet.

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Im Juli 1992 beschloss Giorgia Meloni, politisch aktiv zu werden. Sie klopfte im Alter von 15 Jahren in Rom an die Tür einer Jugendorganisation des «Movimento Sociale Italiano» (MSI), jener Partei, die Faschisten nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet hatten. Fast genau 30 Jahre später ist Meloni dabei, die extreme Rechte und den Nationalismus in Italien an die Spitze der Regierung zu bringen. In drei Jahrzehnten hat sich die gebürtige Römerin an allen Männern vorbei gekämpft und ist zum Gesicht der Rechten in Italien geworden.

Warum gerade die Erben der Faschisten die am 15. Januar 1977 geborene Giorgia überzeugten, ist nicht ganz klar. Meloni spricht von einer «Instinktentscheidung». Dass die Wahl mit dem kommunistischen Vater zusammenhing, der die Familie verließ, als sie erst drei Jahre alt war, will sie so nicht bestätigen. Giorgia und Schwester Arianna wurden im Arbeiterviertel Garbatella in Rom von der Mutter, die selbst in neofaschistischen Bewegungen und Parteien aktiv war, und den Großeltern aufgezogen.

Meloni absolvierte eine Sprachausbildung an einer Hotelfachschule, die sie 1996 abschloss. Danach war sie unter anderem als Kellnerin, Barfrau in einer Disco und als Kindermädchen beim bekannten Entertainer Fiorello tätig. 

Mit Vergewaltigungs-Video auf Stimmenfang

Die Partei wurde ihre zweite Familie, Meloni kandidierte früh für politische Ämter. Der MSI wurde in Alleanza Nazionale (AN) umbenannt und 1994 erstmals in die Regierung geholt. 2006 wurde Meloni ins Parlament gewählt und zwei Jahre später die jüngste Ministerin (Jugend und Sport) der Geschichte Italiens. Aus Unzufriedenheit mit Berlusconis Führungsstil gründete Meloni im Dezember 2012 dann die Fratelli d’Italia, die nach einem enormen Zulauf in den vergangenen Monaten nun die stärkste Einzelpartei Italiens werden kann.

Meloni steht für klar rechte Standpunkte: Sie will Migranten – vor allem aus Afrika – abwehren und Italien als Nationalstaat innerhalb der EU stärken. Sie will hart gegen Kriminalität vorgehen und neue Gefängnisse bauen. Ihre Maxime ist «Gott, Vaterland, Familie». Im Vorfeld der Wahlen hatte Meloni ein Video verbreitet, das angeblich die Vergewaltigung einer Ukrainerin durch einen Afrikaner zeigt, wofür sie scharf kritisiert wurde.

Umstritten ist, wie nahe sie dem Faschismus à la Mussolini steht. «Zwar behauptet Giorgia Meloni im Wahlkampf, den Faschismus als Relikt der Geschichte hinter sich gelassen zu haben, aber an der grün-weiß-roten Flamme im Parteilogo der Fratelli d'Italia – Symbol für den Geist von Benito Mussolini – hält sie unbeirrt fest», schreibt ZDF.de über die gebürtige Römerin. Explizit distanziert hatte sich die Frau, die Mussolini einst als «guten Politiker» bezeichnet hatte, vom Faschismus nie.

Meloni hat seit 2016 eine Tochter (Ginevra), ist mit deren Vater aber nicht verheiratet. Sie ist gegen das Recht homosexueller Paare, Kinder zu adoptieren, und setzt sich gegen gleichgeschlechtliche Ehen und eingetragene Partnerschaften ein. Meloni ist auch gegen Abtreibung – in ihrer Biografie schreibt sie, sie sei selbst fast von der Mutter abgetrieben worden.

(DPA/trx)

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