Skurrile Personalerfragen – Wie Sie sich bei Google einen Job angeln

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Skurrile PersonalerfragenWie Sie sich bei Google einen Job angeln

«Warum sind Gully-Deckel immer rund?» oder «Wie würden Sie Bill Gates' Badezimmer designen?» - Mit solch bizarren Fragen bringen Microsoft, Google und Co. ihre Bewerber ins Schwitzen.

Ein Aufenthaltsraum im Stil einer Metrostation in Googles-Entwicklungszentrum in Zürich. (Bild: Keystone/AP)

Ein Aufenthaltsraum im Stil einer Metrostation in Googles-Entwicklungszentrum in Zürich. (Bild: Keystone/AP)

Thomas Keller hat sich 2011 bei Google beworben. Trotz Abschluss an einer renommierten technischen Hochschule und Doktortitel waren die Erfolgsaussichten für den Informatiker von Anfang an bescheiden. Täglich erhält der Suchmaschinenriese rund 3000 Bewerbungen, das sind zirka eine Million im Jahr. Schätzungsweise erhält nur einer von 130 Kandidaten einen der begehrten Jobs.

«Die erste Runde war banal, ein lockeres Gespräch mit der Human-Resources-Abteilung», beschreibt Keller seine erste Erfahrungen mit Google. Danach folgten zwei Interviews via Skype, weil er sich zu jener Zeit im Ausland aufhielt. «Während den je rund 45 minütigen Gesprächen musste ich vor allem Programmier-Aufgaben lösen, wie sie auch an einer Uni-Prüfung gestellt werden», sagt der 32-jährige Informatiker. Die Fragen seien fachlicher Natur gewesen und fair.

Nicht immer stellen Firmen jedoch die Fragen, die von den Kandidaten erwartet werden. Im Internet veröffentlichen Seiten wie glassdoor.com mehr als absonderliche Jobinterview-Fragen, auf die sich kaum ein Bewerber vorbereiten kann.

So möchten Personalchefs mitunter wissen, warum Gully-Deckel immer rund sind oder wie m&m’s hergestellt werden (siehe Kasten). Solch skurrile Fragen, die vordergründig nichts mit der zukünftigen Arbeit zu tun haben, sind offenbar im Trend. Besonders beliebt sind die Rätsel- und Logik-Fragen in der Tech-Branche.

Die verflixte Mixer-Frage

Ein beliebtes Puzzle bei Google soll die Mixer-Frage sein, wie das «Wall Street Journal» vor Kurzem schrieb: «Sie werden auf die Größe einer Münze geschrumpft und in einen Mixer geworfen. Ihre Masse wurde reduziert, so dass ihre Dichte die gleiche wie immer ist. Die Klingen starten in 60 Sekunden. Was machen Sie?» Die meisten Bewerber versuchen möglichst rasch eine pfannenfertige Antwort zu geben. Die meisten sagen, sie würden sich unter die Klingen legen oder ganz an den Rand stellen.

Das Mixer-Rätsel soll ein gutes Beispiel sein, um herauszufinden, wie der Kandidat an die Entwicklung neuer Produkte herangeht. In beiden Fällen heißt der Königsweg Brainstorming. Man sollte nicht den erst besten Gedanken als Lösung anbieten, sondern seine Ideen, also den Weg zur Lösung, darlegen und begründen.

Die beste Antwort auf die Mixer-Frage lautet: Aus dem Mixer springen. Wie das möglich sein soll? In der gestellten Frage ist der entscheidende Hinweis versteckt. Die Dichte bleibt, trotz des Schrumpfvorganges, gleich. Wenn man auf 1/10 seiner Körpergröße geschrumpft wird, sind die Muskeln nur noch ungefähr 1/100 so stark, aber das Gewicht beträgt nur 1/1000 des Ursprünglichen, erklärt das WSJ. Ein Mini-Mensch wäre daher genug kräftig, um aus dem Mixer-Behälter zu springen.

Wie würden Sie Bill Gates Badezimmer designen?

Als Pionier in Sachen Puzzle-Fragen gilt Microsoft. Bill Gates soll schon in jungen Jahren ein Faible für Logik-Rätsel gehabt haben. Der US-Konzern stellte Bewerbern bereits in den 1980er-Jahren bizarre Fragen. «Wie würden Sie Bill Gates Badezimmer designen?», soll ein Job-Kandidaten mal gefragt worden sein.

«Auf solche Fragen gibt es nicht eine einzige, richtige Antwort, aber es gibt viele vorschnelle, falsche Antworten», sagt der ehemalige Google-Bewerber Keller. Der Interviewer erwarte, dass der Bewerber Gegenfragen stelle und seinen Lösungsvorschlag an die gegebenen Bedingungen anpasse. Das Badezimmer wäre also wohl abhängig von einschränkenden Faktoren wie dem Raumangebot oder dem zur Verfügung stehenden Geld.

Eine Liste merkwürdiger Fragen an Microsoft-Bewerbungsgesprächen versammelt das Buch «How would you move Mount Fuji?». Einige davon sollen tatsächlich von Gates persönlich stammen. Auch für Google finden sich Listen mit angeblich häufigen Fragen im Internet.

Die Puzzle-Interview-Mania

Nach Microsoft haben andere Tech-Firmen wie Amazon, Facebook oder Google das Gates-Modell übernommen und testen das kreative Potenzial ihrer Bewerber mit eigentümlichen Fragen. Dabei geht es ihnen nicht zwingend darum, die klügsten oder technisch brillantesten Hirne zu finden. Mit einem Mix aus fachbezogenen und Rätselfragen soll getestet werden, welche Kandidaten zur Firma passen.

Einen Beweis dafür, dass skurrile Jobinterview-Fragen nützlich sind, gibt es nicht. Es ist mehr der Glaube an die Wirksamkeit, der die Rätselfragen in manchen Firmen am Leben erhält. Inzwischen sind sie gar bei klassischen Großunternehmen wie Banken oder Autoherstellern anzutreffen.

Der Google-Weg

Bei Google verfolgt man daher noch einen anderen Ansatz, um die geeignetsten Mitarbeiter zu finden. Nicht der Teamleiter entscheide, wer engagiert wird, sondern die Mitarbeiter. «Ein Produkt-Manager will immer möglichst rasch neue Mitarbeiter, um seine Ziele zu erreichen. Darum geht er Kompromisse ein. Die Mitarbeiter hingegen haben keinen Grund, Kompromisse einzugehen», sagte ein führender Google-Manager Anfang Jahr an einer Medienorientierung.

Thomas Keller können skurrile Fragen an Jobinterviews inzwischen egal sein. Nach der dritten Gesprächsrunde war für ihn bei Google Schluss. Er arbeitet nun bei einem Schweizer Start-up, das Apps für Smartphones entwickelt.

L'essentiel Online/Oliver Wietlisbach

Ungewöhnliche Jobinterview-Fragen

«Wie viele Leute nutzen Facebook in San Francisco um 14:30 Uhr an einem Freitag?» (Google)

«Unterhalten Sie mich fünf Minuten lang. Ich werde nicht sprechen.» (Acosta)

«Wenn Deutsche die größten Menschen auf der Welt wären, wie würden Sie das beweisen?» (Hewlett-Packard)

«Was halten Sie von Gartenzwergen?» (Trader Joe’s)

«Wie werden m&m’s gemacht?» (Microsoft)

«Wären Sie lieber der Top-Mitarbeiter, den niemand mag oder lieber die Nummer 15, die von allen geschätzt wird?» (ADP)

«Was würden Sie gegen den Welthunger tun?» (Amazon)

«Zählen Sie im Minus-Zweiersystem.» (Microsoft)

«Sie sitzen in einem Ruderboot, das sich in einem großen Wassertank befindet. Sie werfen den Anker, der nun auf dem Grund des Wassertanks liegt. Sinkt oder steigt der Wasserpegel im Tank?» (Tesla Motors)

«Wenn Sie einen der 50 US-Bundesstaaten entfernen könnten, welcher wäre es und warum dieser?» (Quelle: Minyanville)

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