Popmusik – Wie Streaming den Sound beeinflusst

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PopmusikWie Streaming den Sound beeinflusst

Streaming ist heute eines der größten Umsatzsegmente im Musikmarkt. Das kann nicht nur Einfluss auf die Musikwirtschaft haben - sondern auch auf den Sound der Popmusik.

Es gibt da jemanden, der unsere Musikvorlieben sehr gut kennt. Der uns zum Joggen eine Playlist mit genau der Musik vorschlägt, zu der wir uns am liebsten bewegen. Der uns am Montag mit den Liedern versorgt, die uns am ehesten zum Aufstehen aufraffen.

Es sind Streaming-Anbieter wie Spotify oder Apple Music, die immer mehr Playlisten für alle möglichen Stimmungen und Genres im Angebot haben. Inzwischen ist Streaming eines der beliebtesten Wege, um Musik zu hören – und die Anbieter reagieren darauf. Das hat aber nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen. Streaming kann auch die Art verändern, wie Musik geschrieben und gehört wird. Durch Datenanalysen ihrer gestreamten Musik können Anbieter sehen, wann ein Hörer wegklickt – und darauf reagieren.

«Musik wird anders geschrieben, seit das Streaming so wichtig ist», erklärt der Musikwissenschaftler Martin Lücke. Zum einen sei der Anfang eines Liedes noch wichtiger geworden. Denn die Labels verdienen nur an einem Stream, wenn die Hörer einen Song länger als 30 Sekunden anhören. «Also versuche ich als Label alles dafür zu tun, dass der Hörer nicht wegklickt», sagt Lücke, der am Campus Berlin der Hochschule Macromedia Musikwirtschaft lehrt.

Wird sich Popmusik immer ähnlicher?

Lücke erzählt von Studien, die zeigen sollen, dass der Gesang bei Popliedern inzwischen immer früher einsetzt, um möglichst schnell die Aufmerksamkeit der Hörer zu erregen. Früher habe es Hits gegeben, die erst nach langen Intros richtig loslegten, zum Beispiel «I'd do anything for love» von Meat Loaf.

Aber auch Playlists sollen die Beliebtheit eines Songs steigern. «Manche Songwriter haben beim Komponieren womöglich den Sound eines bestimmten, bei den Streaming-Anbietern beliebten Genres im Kopf», überlegt Lücke. «Und es wird auf jeden Fall Versuche der Labels geben, Künstler zu suchen, die in bestimmte Playlisten passen.»

Wird sich Popmusik dadurch am Ende immer ähnlicher? So weit möchten Experten nicht gehen. DJ Felix Jaehn ist sich sicher: «Musik funktioniert nicht nach Mustern, Formeln oder nach logischem Denken.» Und auch Lücke sieht es ähnlich. Man könne zwar viel durch Datenanalysen berechnen, erklärt er. «Aber am Ende gibt es in der Popmusik immer noch den Faktor des Unbekannten – zum Glück.»

(L'essentiel/dpa)

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