Doktor Sex – «Wie werde ich emotional ausgeglichener?»
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Doktor Sex«Wie werde ich emotional ausgeglichener?»

Mary erlebt in ihrem Alltag dunkle Phasen, in denen sie sich leer fühlt und abgekoppelt von ihrem Freund. Dann gibt es sehr emotionale Zeiten. Das Auf und Ab strengt sie an.

Mary (25) hat dunkle Phasen, in denen sie ihren Freund und die Liebe zu ihm nicht mehr spürt.

Mary (25) hat dunkle Phasen, in denen sie ihren Freund und die Liebe zu ihm nicht mehr spürt.

Pexels / Liza Summer

Frage von Mary (25) an Doktor Sex

Ich habe seit zwei Jahren einen Freund. Die Beziehung zwischen uns ist liebevoll und schön. Auch unser Sex ist erfüllend. Jedoch bin ich eine sehr emotionale Frau. Und immer wieder werde ich von depressiven Episoden heimgesucht, die mein Leben und auch das meines Freundes schwierig machen.

In diesen dunklen Phasen spüre ich meinen Freund und die Liebe zu ihm nicht mehr und es fällt mir dann grundsätzlich sehr schwer, noch so etwas wie angenehme und wohlige Gefühle zu empfinden. Ich bin dann einfach nur leer und antriebslos.

Wir vertrauen einander und auch ein tief empfundenes Gefühl von Liebe ist da. Aber diese emotionale Achterbahn strengt mich und auch meinen Freund zunehmend an. Gibt es Möglichkeiten, um etwas beständiger zu werden und zur Ruhe zu kommen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Mary

Psychische Belastungen und Erkrankungen können das Leben der betroffenen Person und das der ihr nahestehenden Menschen stark belasten. Auch die Beziehungen geraten dadurch meist unter Druck.

Wichtig ist, zwischen einer gedrückten Stimmung und einer depressiven Episode im klinischen Sinne zu unterscheiden. Erstere könnte man als leichten Schnupfen der Seele bezeichnen, den wir alle kennen. Letztere hingegen ist in ihrer schwersten Form eine ernstzunehmende Erkrankung, die nicht einfach so verschwindet, sondern Psychotherapie und oft auch Medikamente erfordert.

Alle Formen der depressiven Episode beinhalten Symptome wie gedrückte Stimmung und verminderter Antrieb. Auch die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind reduziert. Häufig tritt schon nach kleinen Anstrengungen große Müdigkeit auf. Meist ist der Schlaf gestört und der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer reduziert.

Auch bei leichten Formen treten oft Schuldgefühle oder Gedanken über die eigene Wertlosigkeit auf. Das Stimmungstief verändert sich nur wenig oder gar nicht. Es reagiert auch nicht auf Lebensumstände und kann von weiteren Symptomen begleitet werden, beispielsweise frühes Erwachen, ausgeprägtes Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Unruhe sowie Appetits-, Gewichts- und Libidoverlust.

Symptome können von Person zu Person verschieden sein

Häufig stehen am Anfang einer depressiven Episode belastende Ereignisse oder Situationen. Abhängig von der Anzahl der Symptome und deren Schweregrad, werden Depressionen unterteilt in leichte, mittelgradige oder schwere Formen. Zusammensetzung und Intensität der Symptome können von Person zu Person sehr verschieden sein. Entsprechend individuell gestaltet sich auch die Behandlung.

Zur Anwendung kommen Psychotherapie, Medikamente, Stressbewältigungsverfahren wie Mindfullness Based Stress Reduction (MBSR), Entspannungstechniken und komplementärmedizinische Methoden, beispielsweise Akupunktur, Shiatsu oder Pflanzenmedizin. Bei sehr schweren Fällen kann auch ein Klinikaufenthalt notwendig sein.

Bei dir scheint mir ein solcher nicht notwendig. Trotzdem wäre es sinnvoll, wenn du dich mit einer Psychiaterin bzw. einem Psychologen in Verbindung setzt. Gemeinsam mit dieser Fachperson kannst du dann herausfinden, welche Therapie für deine Situation am besten passt. Alles Gute!

(L'essentiel/Bruno Wermuth)

Bruno Wermuth ist Sexualberater und -pädagoge. Als «Dr. Sex» beantwortet er Fragen der L'essentiel- und 20 Minuten-Leser zur schönsten Nebensache der Welt.

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