Claude Turmes im Interview: Wiedereinführung der Telearbeit um Energie zu sparen?

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Claude Turmes im Interview Wiedereinführung der Telearbeit um Energie zu sparen?

LUXEMBURG – Energieminister Claude Turmes stellt sich in einem Gespräch unseren Fragen und gibt Details zu Luxemburgs Plänen den Gasverbrauch bis März 2023 um 15 Prozent zu senken.

von
Nicolas Martin
Claude Turmes (rechts) arbeitet mit dem Rest der Regierung an Möglichkeiten zur Energieeinsparung.

Claude Turmes (rechts) arbeitet mit dem Rest der Regierung an Möglichkeiten zur Energieeinsparung.

Editpress

«L'essentiel»: Ist die Reduzierung des Gasverbrauchs um 15 Prozent realistisch in Luxemburg?

Claude Turmes: Ja, aber alle Akteure müssen sich daran beteiligen. Wir werden klare Maßnahmen für alle öffentlichen Gebäude festlegen. Der Staat und die Gemeinden müssen mit gutem Beispiel vorangehen, um die Bürger und Unternehmen zu motivieren. Daran arbeiten wir mit den Ministern François Bausch und Taina Bofferding.

Werden Sie eine Höchsttemperatur in öffentliche Gebäude festlegen?

Vorerst legen wir keine genaue Zahl fest. Ich glaube nicht, dass das sinnvoll wäre. Unsere Strategie wird darin bestehen, zunächst alle technischen Anlagen zu optimieren und die Bewohner dazu zu bringen, nichts zu verschwenden. Stellen Sie beispielsweise das Thermostat nicht zu hoch ein und schalten Sie das Licht aus, wenn Sie das Büro verlassen.

Bleiben die Straßen und Schaufenster beleuchtet und die Terrassen beheizt?

Die für die Straßenbeleuchtung zuständigen Straßenbauämter wurden angewiesen, zu prüfen, welche Maßnahmen nötig sind. Was Supermärkte und Schaufenster angeht, wird der Verband der luxemburgischen Unternehmen seinen Mitgliedern (Industrie, Handel, KMU) eine freiwillige Vereinbarung über verschiedene Maßnahmen vorschlagen. Bezüglich der Terrassen glaube ich, dass es andere Wege gibt, als sie mit Gas zu beheizen.

Sollten nächtliche Sportwettkämpfe eingestellt werden?

Es muss ein gutes Gleichgewicht zwischen dem gefunden werden, was wirksam ist, und dem, was Zorn oder Feindseligkeit in der Bevölkerung verursacht. In Bezug auf den Stromverbrauch gibt es zum Beispiel ein großes Einsparpotenzial in Rechenzentren. Sie bei 22 oder 23 Grad statt bei 18 Grad zu betreiben, würde viel mehr ins Gewicht fallen als alle Fußballspiele am Abend.

Warum will Luxemburg erst im September mit der Umsetzungen seiner Pläne beginnen?

Im Gegensatz zu Spanien oder Italien, wo es mehr Klimaanlagen und extreme Hitze gibt, haben wir im August den niedrigsten Gasverbrauch des ganzen Jahres. Viele Menschen sind außerdem im Urlaub. Eine solche Kampagne muss zum richtigen Zeitpunkt gestartet werden. Für Luxemburg ist der richtige Zeitpunkt im September.

Was ist mit den großen Unternehmen?

Wir haben Gespräche mit der UEL und der Fedil geführt, um herauszufinden, was wir bei den Großverbrauchern Guardian, Arcelor, DuPont oder Goodyear tun können. Sie sind sehr proaktiv und man findet viele Möglichkeiten der Energieeinsparung. Arcelor zum Beispiel wird in Luxemburg in der Lage sein, seinen Gasverbrauch im nächsten Winter um 15 Prozent zu senken. Auch Enovos und SudEnergie beteiligen sich an den Plänen.

Werden die Subventionen steigen?

Die staatlichen Beihilfen sind bereits auf einem sehr hohen Niveau. Wir halten sie auf diesem Niveau und haben den Zugang zu ihnen vereinfacht. Strom- und Gasversorger denken darüber nach, die Prämien zu erhöhen, die Bürger bei einem Wechsel von einem Gaskessel zu einer Wärmepumpe erhalten.

Was erwarten Sie von den Bürgern und was tun Sie selbst?

Ich heize mein Schlafzimmer beispielswiese nicht mehr und dusche lieber drei als dreißig Minuten lang. Wir können unsere Haushaltgeräte vor dem Winter überprüfen und möglichst keine Ressourcen verschwenden. Vor allem den Warmwasserverbrauch senken und weniger Heizen, denn das sorgt für einen hohen Gasverbrauch in privaten Haushalten.

Was ist mit Telearbeit?

Auf europäischer Ebene gibt es bislang ein freiwilliges System zur Senkung des Verbrauchs um 15 Prozent. Eine zweite Stufe sieht vor, dass im Falle eines echten Engpasses ein obligatorisches System eingeführt wird. Wenn dies der Fall ist, wäre es meiner Meinung nach im Interesse Luxemburgs, die Frage der Telearbeit auf europäischer Ebene wieder auf den Tisch zu bringen.

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