Belgischer Reaktor – Wiltz führt Luxemburg in den Kampf gegen Tihange
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Belgischer ReaktorWiltz führt Luxemburg in den Kampf gegen Tihange

LUXEMBURG – Wiltz vertritt die Luxemburger Gemeinden bei der Schließung von Tihange 2. Gemeinsam mit Aachen und Maastricht soll eine offizielle Beschwerde eingereicht werden.

Im belgischen Kernkraftwerk Tihange hat es schon mehrere Störfälle gegeben.

Im belgischen Kernkraftwerk Tihange hat es schon mehrere Störfälle gegeben.

AFP/John Thys

Luxemburgs Position bezüglich der Kernenergie vor seinen Grenzen ist klar. Auf höchster Ebene hat sich der Staat oft für eine Schließung von Cattenom in Frankreich und den Reaktor Tihange 2 in Belgien ausgesprochen. Im Januar betonte Camille Gira, Staatssekretär für nachhaltige Entwicklung, bei einem Treffen mit dem belgischen Innenminister Jan Jambon erneut seine «Bedenken bezüglich der Defizite im Atomkraftwerk Tihange».

Im April hat sich das Großherzogtum sogar der Position der deutschen Regierung angeschlossen, die von den Belgiern verlangt, dass Tihange 2 temporär vom Netz genommen werden soll. In dieser Woche erreichte der Disput ein neues Level. Bei einem Treffen in Liège am Montag haben Repräsentanten der Gemeinden und Kantone aus dem Norden Luxemburgs, Deutschlands und der Niederlande vereinbart, gemeinsam eine Beschwerde gegen das Kernkraftwerk in Tihange zu formulieren.

Zivile Beschwerde gegen den belgischen Staat

«Es wird eine zivile Beschwerde gegen den belgischen Staat, die kritisiert, dass das Prinzip der Vorsorge nicht respektiert wurde, als Tihange 2 wieder hochgefahren wurde», erklärt der Chamber-Abgeordnete Henri Kox (Déi Gréng) gegenüber L’essentiel. Tihange 2 war im Dezember 2015 gestartet worden, nachdem der Reaktor zwei Jahre lange wegen Rissen in den Wänden brach lag. 3150 Risse wurden gezählt, einige 18 Zentimeter tief. Das geht aus Studien hervor, die Anfang 2015 veröffentlicht wurden.

«Jedes angrenzende Land hat eine Kommune vorgeschlagen, die sich im Namen aller anderen im jeweiligen Land engagiert», sagt Kox. «Das sind Maastricht in den Niederlanden, Aachen in Deutschland und Wiltz in Luxemburg.» Auch Ulflingen und Clerf hatten sich ursprünglich bereit erklärt, die Führungsrolle zu übernehmen. «Insgesamt haben 30 Luxemburger Gemeinden dem Prozess zugestimmt.»

Fränk Arndt, Bürgermeister von Wiltz, bestätigte die Informationen gegenüber L’essentiel. «Der Schöffenrat ist einverstanden. Jetzt brauch es nur noch die Zustimmung des Gemeinderats am 10. Juli.» Belgische und deutsche Juristen arbeiteten bereits an der Beschwerde, die noch «vor Herbst» zugestellt werden soll.

(Nico Chauty/L'essentiel)

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