Städteplanung: Wiltz will eine Wachstumskrise vermeiden

Publiziert

StädteplanungWiltz will eine Wachstumskrise vermeiden

WILTZ – Dank größerer Projekte wird Wiltz in den nächsten zehn Jahren an die fünf größten Städten des Landes heranrücken. Der Übergang ist jedoch auch mit Risiken verbunden.

von
Nicolas Martin
Wiltz hat große Pläne für die Zukunft.

Wiltz hat große Pläne für die Zukunft.

Von 7800 auf über 11.000 Einwohner: In den nächsten zehn Jahren wird Wiltz zu einer der zehn bevölkerungsreichsten Städte des Landes gehören. Zu verdanken ist das zwei Projekten: «Wunne mat der Wooltz», dessen Grundstein vom Fonds du Logement am vergangenen Montag gelegt wurde, und «op Heidert», das den Verkauf von 102 Baugrundstücken durch die Gemeinde vorsieht. Damit könnte die Regionalhauptstadt eine neue Dimension erreichen. «Das ist einmal der Wunsch des Staates, welcher Wiltz als Attraktions- und Entwicklungszentrum (CDA) eingestuft hat, aber auch der der Gemeinde», sagt Bob Wetzel, der für das City-Management der Nordstadt zuständig ist. Wiltz sei im Vergleich zur Hauptstadt und zum Süden dezentral gelegen, durch die N12 sowie die belgische Seite gut angebunden.

Weitreichende Folgen stehen dadurch für die Nordstadt an. «Dadurch wird eine ‹kritische Schwelle› überschritten, die es erlaubt, Neues zu unternehmen», fährt der Manager fort. So könnten Bürgermeister und Schöffenrat in Vollzeit arbeiten und die Struktur der Gemeindefinanzen ändere sich. Wiltz sei immer schon benachteiligt gewesen, dies sei seit der Reform der CDA vor drei bis vier Jahren aber nicht mehr der Fall. «Mehr Einwohner bedeuten auch zusätzliche Finanzmittel, mehr Einrichtungen wie das zukünftige Freizeitzentrum und den Bildungscampus im neuen Stadtteil», fährt Bob Wetzel fort. Die drei bestehenden Schulen würden jedoch an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Selbst ohne große Projekte würde die Stadt um fast zwei Prozent pro Jahr wachsen.

«Harmonische Entwicklung»

Was nützt es, ein Viertel zu schaffen, das als sehr «grün» angepriesen wird, wenn all diese Menschen in der Hauptstadt arbeiten, die eine Autostunde entfernt liegt? Bob Wetzel gibt zu: «Neben den Dienstleistungen und Geschäften, die die diese Projekten vorsehen, ist die Schaffung von Arbeitsplätzen ein wichtiges Thema». Es gibt heute etwa 4000 Arbeitsplätze in Wiltz. Etwa ein Drittel davon im Gewerbegebiet am Ortseingang und in Industrieunternehmen internationaler Konzerne, ein Drittel im staatlichen und halbstaatlichen Einrichtungen (Brücken- und Straßenbau, Sozialamt, Pflegedienste, Gymnasium). Der Rest betrifft nach Angaben der Gemeinde Aktivitäten im Handel, in der Gastronomie, im Tourismus usw. «Wir bräuchten 6000, also 2000 mehr. Die Gemeinde kann versuchen, etwas zu unternehmen, aber es wird eine Unterstützung des Staates wird nötig sein. Das ist eine echte Herausforderung», so der Manager. Denn auch wenn Wiltz das Motto «Wohnen, Arbeiten und Leben in Wiltz» gewählt hat, sei es doch der zweite Punkt, der Sorgen bereite.

Was den Verkehr betrifft, hofft die Stadt, dass deren Wachstum die Einrichtung einer direkten Zugverbindung in die Hauptstadt, ohne Umsteigen in Kautenbach, erleichtern wird. Eine weitere Herausforderung eines derartigen Wachstums ist sozialer Natur. Sie liegt darin, ein Gleichgewicht und eine Durchmischung zu erreichen. «Das Gesetz zur Wohnungsvergabe wird geändert, um dem Fonds du Logement mehr Freiraum zur sozialen Durchmischung einzuräumen», wie Bob Wetzel anmerkt. «Es ist nicht nur eine Frage des Einkommens, sondern auch des Familienprofils. Ältere Personen, Familien, Singles, Menschen die vor Ort oder weiter weg arbeiten». Um eine Wachstumskrise zu verhindern, hat die Stadt vier Abkommen unterzeichnet. Diese betreffen Wohnungsbau, Klima, Natur und das Zusammenleben. «Ziel ist es, Ressourcen zu haben um an diesen Themen zu arbeiten, neue Einwohner zu integrieren, sowie eine harmonische Entwicklung zu garantieren».

Deine Meinung

0 Kommentare