Hoher Militärrat bestätigt – «Wir haben über Chemie-Waffen diskutiert»
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Hoher Militärrat bestätigt«Wir haben über Chemie-Waffen diskutiert»

Der Einsatz von chemischen Waffen ist für die syrische Armee eine ernsthafte Option. Ein im Exil lebender Generalmajor bestätigt Gespräche über Einzelheiten.

Weite Teile Syriens liegen bereits in Trümmern, die Opferzahlen steigen stetig an. Doch es droht noch eine viel größere Katastrophe: Als «letzten Ausweg» zieht die Armee nun einen Chemiewaffen-Einsatz in Betracht. (Bild: Reuters/Stringer)

Weite Teile Syriens liegen bereits in Trümmern, die Opferzahlen steigen stetig an. Doch es droht noch eine viel größere Katastrophe: Als «letzten Ausweg» zieht die Armee nun einen Chemiewaffen-Einsatz in Betracht. (Bild: Reuters/Stringer)

Die syrische Führung plant laut einem früheren Verantwortlichen in der Armee des Landes «als letzten Ausweg» auch einen Einsatz von Chemiewaffen gegen die Bevölkerung. «Wir haben über den Einsatz chemischer Waffen ernsthaft diskutiert, auch darüber, wie und wo wir sie anwenden könnten.»

Das sagte der im türkischen Exil lebende Generalmajor Adnan Sillu der britischen Tageszeitung «The Times» vom Mittwoch. «Wir haben dies als letzten Ausweg diskutiert, für den Fall, dass das Regime etwa die Kontrolle über eine wichtige Gegend wie zum Beispiel Aleppo verliert», ergänzte er.

Einsatz nach Kontrollverlust

Nach dem Treffen in einem Depot für die syrischen Chemiewaffen südlich der Hauptstadt Damaskus sei er vor drei Monaten desertiert, sagte Sillu, der in der Armee für die Chemiewaffen zuständig gewesen war. Die Zusammenkunft habe für seine Entscheidung zur Flucht den Ausschlag gegeben.

In dem Gespräch mit der Zeitung zeigte sich Sillu überzeugt, dass Syriens Staatschef Baschar Assad Chemiewaffen tatsächlich einsetzen würde, sollte er die Kontrolle verlieren.

Trägersysteme getestet

Das deutsche Magazin «Spiegel» hatte am Wochenende unter Berufung auf Zeugen berichtet, die syrische Armee habe vor wenigen Wochen Trägersysteme für Giftgasgranaten getestet.

Die syrische Führung hatte Ende Juli erklärt, Chemiewaffen im Fall eines Angriffs aus dem Ausland einsetzen zu wollen, nicht aber gegen die eigene Bevölkerung. US-Präsident Barack Obama drohte daraufhin im August für diesen Fall erstmals direkt mit einem militärischen Eingreifen in den Konflikt.

(L'essentiel Online/sda)

Schulen bleiben zu

Inmitten des blutigen Konflikts zwischen Rebellen und Regierungstruppen hat in Syrien jetzt offiziell das neue Schuljahr begonnen. Doch in vielen Städten wie dem umkämpften Aleppo im Norden des Landes blieben die meisten Schulen geschlossen.

Nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF wurden bereits mehr als 2000 der 22 000 Bildungseinrichtungen in Syrien beschädigt oder zerstört. Etwa weitere 800 dienen als Notunterkünfte, in anderen wiederum haben sich Aufständische verschanzt.

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