Bahnhofsviertel – «Wir haben uns daran gewöhnt, Dealer zu sehen»

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Bahnhofsviertel«Wir haben uns daran gewöhnt, Dealer zu sehen»

LUXEMBURG – Die Bewohner des Bahnhofsviertels in der Hauptstadt schildern nach mehreren Vorfällen eine dramatische Sicherheitslage.

Viele Bewohner haben im Bahnhofsviertel der Hauptstadt Angst.

Viele Bewohner haben im Bahnhofsviertel der Hauptstadt Angst.

«Ich glaube, die Leute haben jetzt Angst. Wir haben uns daran gewöhnt. Ich lebe seit 20 Jahren hier. Das Geschrei um 4 Uhr morgens, die Streitereien... Sogar meine Kinder haben sich daran gewöhnt, nach Hause zu kommen und Leute zu sehen, die Drogen nehmen oder sie verkaufen. Zumindest sehen sie, welchen Weg sie nicht einschlagen sollten», erzählt Sylvia*, die ein Café in der Nähe des Bahnhofs betreibt. Am Dienstagabend war sie in der Nähe, als ein Mann niedergestochen wurde und in einem nahe gelegenen Café um Hilfe bat.

«Meine Tochter sah die versammelten Menschen und fragte mich, was passiert sei. Ich habe ihr gesagt, dass 'jemand gefallen ist'. Letzte Woche habe ich mehrere Leute rausgeschmissen, die in meinem Café gedealt haben», erzählt sie. «Die Polizei bittet uns, sie zu denunzieren. Aber es ist gefährlich für uns. Ich habe eine Familie!»

« Die Polizei macht ihre Arbeit, aber ihr sind die Hände gebunden »

«Wenn wir sie anrufen, kommen sie 20 Minuten später und es ist niemand mehr da», erzählt ein anderer Bewohner.
«Die Polizei macht ihre Arbeit, aber ihr sind die Hände gebunden. Es sollten Fußpatrouillen eingesetzt werden. Wenn sie vorbeifahren, laufen die Dealer weg. Die Sicherheitskräfte und das Team von 'A vos côtés' sind gut, aber nach 22.30 Uhr sieht man niemanden mehr.»

Viele Bewohner des Bahnhofsviertels haben Vorbehalte gegen die Videoüberwachung, die von den meisten verdächtigen Individuen gezielt umgangen wird. Sie erzählen von einem Viertel, das sie mal mochten, welches sich aber nun ab 14 Uhr mit der Ankunft der Dealer verändert. Sara*, die in einem benachbarten Geschäft arbeitet, sagt, dass sie manchmal die Tür abschließt, nachdem ein Kunde eingetreten ist. «Es gibt keine Sicherheit auf der Straße. Wenn das so weitergeht, schließe ich. In jedem Fall haben die Menschen Angst, in die Nachbarschaft zu kommen.»

(nm/L'essentiel)

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