Nach Brand in Kayl: «Wir können diese Familien nicht auf die Straße setzen»

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Nach Brand in Kayl«Wir können diese Familien nicht auf die Straße setzen»

KAYL – Nur vier der sechs Familien, die am 6. Dezember durch den Brand in Kayl ihre Wohnung verloren haben, haben bis jetzt eine dauerhafte Unterkunft gefunden.

von
Nicolas Martin
Der verheerende Brand ereignete sich in der Nacht zum 6. Dezember.

Der verheerende Brand ereignete sich in der Nacht zum 6. Dezember.

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In wenigen Tagen müssen die Notunterkünfte der Stadt Esch eigentlich geräumt werden. Doch auch mehrere Wochen nach dem verheerenden Brand in einem Wohnhaus in Kayl – bei dem auch ein Kind ums Leben gekommen ist – haben trotz der Bemühungen der Gemeinden und Sozialämter nicht alle Betroffenen eine dauerhafte Unterkunft gefunden. «Wir werden ihren Verbleib hier um eine weitere Woche verlängern und bei Bedarf die Verträge von Woche zu Woche erneuern», erklärt Emmanuel Cornélius, der bei der Stadt Esch für die Sozialkoordination zuständig ist, am gestrigen Dienstag.

«In den nächsten zwei Wochen werden vier der sechs Familien eine Lösung haben», sagt Jean Weyler, Bürgermeister von Kayl-Tetingen. Für zwei Familien mit jeweils vier Personen gebe es aber noch keine. «Das Problem ist die Miete», erklärt Romain Daubenfeld, Leiter des örtlichen Sozialamts. «Wir versuchen es überall mit den Familien: Bei Privatleuten, Agenturen, dem Wohnungsfonds, aber sie stehen auf der Wartelist», so Daubenfeld.

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In der Nacht zum 6. Dezember machte ein ausgebrochenes Feuer eine Wohnanlage unbewohnbar. Ein Junge ist später infolge einer Rauchvergiftung verstorben.

In der Nacht zum 6. Dezember machte ein ausgebrochenes Feuer eine Wohnanlage unbewohnbar. Ein Junge ist später infolge einer Rauchvergiftung verstorben.

L'essentiel/Marion Mellinger
Die Unterbringung in Esch/Alzette der Opfer des Brandes in Kayl wurde um 15 Tage verlängert.

Die Unterbringung in Esch/Alzette der Opfer des Brandes in Kayl wurde um 15 Tage verlängert.

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Die Betroffenen, denen bereits eine Bleibe sicher ist, sind in Schifflingen, Rümelingen oder Monnerich fündig geworden. «Eine Familie hat mit Hilfe des Bürgermeisters und des Sozialamts von Bettemburg in Roeser eine Unterkunft gefunden, und zwei Paare sind in Kayl untergebracht», erläutert Daubenfeld. Solche dauerhaften Lösungen zu finden, sei «sehr, sehr schwierig». Zu denen, die bereits wissen, wo sie hinkönnen, gehört Tom*: «Wir sind wirklich froh! Wir wussten nicht mehr, wo wir dran waren». Seine Familie hat am Dienstag erfahren, dass sie bald ein neues Dach über dem Kopf hat.

Den beiden Familien, die noch nichts gefunden haben, bleibt nun Warten und Hoffen. «Wir werden den Bürgermeister von Esch fragen, ob wir die provisorische Unterkunft verlängern können», sagt Romain Daubenfeld. «Wir können diese Menschen nicht auf die Straße setzen». Finanzielle Unterstützung haben die Familien über den Verein «Kayl-Téiteng Hellef» erhalten.

Bezüglich des Brandes, der die Misere verursacht hat, und des Ermittlungsstandes gibt die Staatsanwaltschaft an, dass «noch nicht alle Berichte vorliegen und ein Gutachten noch nicht abgeschlossen ist». Romain Daubenfeld meint jedoch: «Die Frage ist, wie in einem Ein- oder Zweifamilienhaus 22 Personen untergebracht werden konnten. Das ist nicht normal. Wir haben keine Kontrollmöglichkeit. Und selbst wenn – was passiert dann?» Die Familien müssten die Unterkunft verlassen und wüssten auch dann nicht wohin. «Ich mache der Gemeinde keinen Vorwurf. Mein Vorwurf geht an die Eigentümer, die das Geld kassieren und nicht auf ihre Wohnungen aufpassen», so Daubenfeld.

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