WM in den Kneipen – «Wir leiden unter der Konkurrenz vom Knuedler»

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WM in den Kneipen«Wir leiden unter der Konkurrenz vom Knuedler»

LUXEMBURG – Für die Cafés und Bars in der Hauptstadt sind die Public-Viewing-Veranstaltungen nicht nur ein Segen.

«Früher gingen die Leute wegen der Atmosphäre und dem Ambiente in die Kneipen, um Fußballspiele zu schauen – aber das ist vorbei.» Das sagt Denise, eine Kellnerin im «Steiler». Seitdem das Public Viewing in Luxemburg Stadt Einzug gehalten hat, gibt es nicht mehr so viel Zustrom in die Bars und Restaurants der Hauptstadt. Fast alle Spiele würden auf der Großleinwand auf dem «Knuedler» gezeigt, sagt Denise. «Die Fußballfans haben ihr Verhalten in den vergangenen Jahren geändert – und außerdem kann man beim Public Viewing auch Getränke kaufen.»
Wegen des schönen Wetters ist auch die Place Guillaume II oft proppevoll mit Fußballfans. «Das ist harte Konkurrenz», sagt Corine Berton, Chefin der Brasserie «Lol» in der Rue Cimay. «Der Beweis: Am Abend des Nationalfeiertags blieben die Großleinwände ausnahmsweise abgeschaltet. Und auf einmal waren die Lokale voll.»

Die gleiche Geschichte hört man im «Lester’s» in der Rue Philippe II: «Wenn es ein Spiel gibt, haben wir mit Sicherheit ein paar Kunden mehr als sonst», sagt Geschäftsführer Cremilde Lopes. Aber das wäre kein Vergleich zu den anderen Fußball-Ereignissen – wie beispielsweise der Euro 2012. «Es wäre schön, wenn die Stadt es wie früher machen würde und nur Halbfinale und Finale am 'Knuedler' zeigen würde.»

Neue Kunden anlocken

Den Bars dient die Fußball-Weltmeisterschaft vor allem dazu, eine neue Klientel anzulocken. «Wenn Fußball ist, kommen andere Kunden als sonst», erklärt Natalia, Personal-Managerin in der «Tube-Bar». In der Regel würden vor allem viele Briten die Bar besuchen. Aber während der WM sei die Kundschaft noch internationaler. Für sie sind die riesigen Bildschirme am Knuedler «keine große Konkurrenz» - die Bar sei so oder so gut gefüllt bei den Spielen.

In der Rue de l’Aciérie im Süden Luxemburgs versucht auch das «Exit 07» vom WM-Fieber zu profitieren und seine Kundenbasis zu verbreitern. «Wir wollen eine ganz andere Zielgruppe anziehen. Deshalb bieten wir Shows und Ausstellungen an», sagt Marc Scozzai vom Exit 07. Das «Exit» will neben den Fußballspielen weitere Unterhaltung bieten. 150 bis 250 Menschen kommen laut den Plakaten in den Musikclub – oftmals Menschen, die normalerwiese nicht ins «Exit» gehen. «Wir hoffen, dass diese Leute später einmal wiederkommen.»

(Joseph Gaulier/L'essentiel)

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