«Milky Chance» in Rockhal – «Wir schauen noch, was alles in uns steckt»

Publiziert

«Milky Chance» in Rockhal«Wir schauen noch, was alles in uns steckt»

ESCH/BELVAL - «Stolen Dance» brachte «Milky Chance» weltweiten Erfolg. Bevor die Deutschen durch die USA touren, kommen sie in die Rockhal.

Mit «Stolen Dance», ihrem ersten eigenen Song, landeten sie auf Youtube einen Hit. Nicht nur in in Deutschland, sondern auch in Belgien, Frankreich oder gar Australien tauchte der Song schließlich in den Charts auf. Hinter dem Erfolg steckt das deutsche Folktronica-Duo «Milky Chance» aus Kassel. Am Sonntag tritt die Band um Clemens Rehbein und Philipp Dausch in der Rockhal auf.

2014 ging es für Sie ziemlich rund. Wie haben Sie den plötzlichen Erfolg verkraftet?
Clemens Rehbein (Sänger): Alles in Allem sehr gut, wir wollen es ja auch genießen. Aber es gab auch Momente, in denen sich gemerkt habe, dass es sehr viel ist und dass es auf einem lastet. Da muss man Wege finden, um darüber zu reden.

Was ist belastend?
Es ist das Gesamtpaket aus viel unterwegs sein und weniger privater Zeit.

Sie haben Ihre Songs vor dem Durchbruch auf Youtube und auf Facebook gestellt. Wären Sie auch ohne die sozialen Medien bekannt geworden?
Für uns war Facebook unsere Startrakete in die Musikbranche. Ohne wäre es nicht so leicht gewesen. Die sozialen Medien sind ein Weg, so etwas aufzubauen.

Erst auf Tournee in Australien im Januar, dann Europa im Februar. Wie kommen Sie da zur Ruhe?
Nach der zweiwöchigen Tournee in Australien haben wir zehn Tage Urlaub in Neuseeland gemacht. Wir sind mit dem Auto rumgefahren, weil wir beide große Naturfans sind. Das war perfekt zum runterkommen, danach hat man wieder viel Energie.

Wie ist die Tour in den USA gelaufen? Im März geht es ja schon wieder hin.
Es ist cool gelaufen, wir haben im Oktober sieben Konzerte gegeben. Die Frühjahrs-Tournee dauert zweieinhalb Monate, da geben wir 55 Konzerte und viele sind schon ausverkauft.

Ihr Auftritt auf dem Festival Food For Your Senses vergangenen Juli in Luxemburg war sehr überzeugend. Was haben Sie diesmal für die Show im Großherzogtum vorbereitet?
Wir haben uns live weiterentwickelt, diesmal werden wir auch zu dritt sein. Ein Freund spielt Gitarre, neben mehr Trommeln und Becken gibt es mehr natürliche Sounds – und neue Songs.

Ist Ihr Tonstudio immer noch der ehemalige, mit Schaumstoff verkleidete Abstellraum im Haus der Eltern?
Ja, den gibt es noch. Wir werden uns jetzt nicht irgendetwas Teures mieten, das neue Album soll auch dort entstehen.

Wie weit ist denn die Arbeit am dritten Album?
Im Kopf ist es schon fast fertig. Aufnehmen wollen wir im Winter, dann könnte es Anfang nächsten Jahres erscheinen.

Wird das Gleichgewicht zwischen den Beats von Philipp Dausch und Ihrem songwriting auch die Basis für nächste Stücke sein – oder werden Sie neue Sachen ausprobieren?
Das wird so bleiben, die Beats und die Arrangements setzen wir gemeinsam um. Auch die Instrumente für die Live-Auftritte stehen. Aber mal schauen, was dann bei den Aufnahmen im Winter im Studio passiert.

Abgesehen von dem neuen Album: Welche Projekte haben Sie für 2015 noch geplant?
Bis Mitte August sind wir fast ununterbrochen unterwegs. Außerdem machen wir einen Soundtrack zu dem Dokumentarfilm «Where to miss». Das ist ein Studentenfilm über eine indische Frau, die Taxifahrerin werden möchte.

Mit welchen Künstlern würden Sie gerne zusammenarbeiten?
Darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht. Das mag daran liegen, dass wir derzeit noch schauen, was alles in uns steckt. Kooperationen wären der nächste Schritt, dafür sind wir natürlich offen. Eine tolle Erfahrung haben wir schon bei der Zusammenarbeit mit Gentleman für ein MTV-Unplugged gemacht. Er ist ein netter Typ und sehr erfahrener Künstler.

(Cédric Botzung und Sophia Schülke/L'essentiel)

Deine Meinung