Affenpocken: «Wir sind nicht allzu besorgt, aber wir bleiben wachsam»
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Affenpocken«Wir sind nicht allzu besorgt, aber wir bleiben wachsam»

LUXEMBURG – Dr. Joël Mossong, Spezialist für Epidemiologie bei der Santé-Direktion, klärt über das Affenpocken-Virus und die Lage in Luxemburg auf.

von
Nicolas Martin
Dr. Mossong rät angesichts des Affenpockenvirus dazu, Ruhe zu bewahren.

Dr. Mossong rät angesichts des Affenpockenvirus dazu, Ruhe zu bewahren.

L'essentiel: Warum nehmen die Fälle von Affenpocken in Europa zu?

Joel Mossong: Derzeit steigt Europa die Zahl der Fälle. Die Situation hat sich in den letzten zwei Wochen verschärft. Aber gerade am Anfang ist es schwer, eine Diagnose zu stellen. Es gab zwar Symptome, aber die Ärzte hatten keinen Anlass zum Verdacht und daher keine Tests durchgeführt. Das war eine Weile so, daher die vielen Fälle, die jetzt auftauchen.

Dieses Virus ist in Europa selten…

Es kommt hin und wieder in Afrika vor, vor allem in Nigeria und im Kongo. Es handelt sich um eine Krankheit, die hauptsächlich von Nagetieren auf Menschen übertragen wird. Normalerweise gibt es kaum Übertragungen von Mensch zu Mensch.

Wie ist der Stand in Luxemburg?

Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Kollegen vom CHL und dem LNS (Nationale Gesundheitslabor). Bisher gibt es weder einen Verdachtsfall noch einen bestätigten Fall, aber die Situation kann sich schnell ändern. Wir wissen es nicht. Man könnte sich vorstellen, dass in Zukunft das ganze Land betroffen sein wird. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es angesichts der Größenordnungen und der wenigen hundert Fälle in Europa nicht so verwunderlich, dass es noch keine Fälle hier gibt. Ab jetzt wird wirklich nach Fällen gesucht. Vorstellbar ist, dass in den kommenden Wochen die Zahl der Fälle relativ schnell ansteigen wird. Dass es in Luxemburg welche geben wird, muss aber nicht sein. Solange wir uns in den Nachbarländern bei kleinen Zahlen und nicht bei Hunderten von Fällen befinden, bleibt das Risiko, dass es in Luxemburg einen Fall gibt, ziemlich klein.

Im Moment scheint die Krankheit nicht ernst zu sein…

Es sind vor allem junge, gesunde Männer betroffen. Sie sind zwar infiziert, aber die Krankheit ist nicht schwerwiegend. Nach drei bis vier Wochen sind sie wieder gesund. Es gibt nur sehr wenige asymptomatische Fälle. Normalerweise kommt es zu Fieber, Unwohlsein, gefolgt von Hautausschlägen, die etwas Zeit in Anspruch nehmen. Wie bei den Windpocken heilen sie spontan ab.

Wie erkennt man die Affenpocken?

Normalerweise haben die Personen Hautausschläge mit Fieber und Pusteln an den Extremitäten, Armen, Händen, Füßen und manchmal im Genitalbereich. Diese Personen sollten ihren Arzt anrufen oder sich idealerweise mit dem nationalen Dienst für Infektionskrankheiten im CHL in Verbindung setzen.

Machen Sie sich Sorgen?

Im Moment nicht allzu sehr, da es nur wenige Fälle gibt und es keine Anzeichen dafür gibt, dass sich das Virus oder die Übertragungswege geändert haben. Es gibt keine nachgewiesene Übertragung durch die Luft. Wir sind nicht allzu beunruhigt, aber wir bleiben wachsam. Wir sollten das Virus so schnell wie möglich eindämmen.

Ist diese Häufung von Viren seit Corona besorgniserregend?

Ich denke, dass Corona dazu geführt hat, dass sich die breite Öffentlichkeit viel mehr für Viren interessiert. Wenn diese «Epidemie» vor drei oder vier Jahren aufgetreten wäre, wäre das Interesse nicht so groß gewesen.

Bereitet man sich in Luxemburg darauf vor?

Die Gesundheitsbehörde arbeitet daran. Ein sehr enges Contact Tracing wird empfohlen, damit zumindest die Personen mit körperlichem Kontakt auf Symptome achten. Die Person, bei der eine Infektion vermutet wird, muss sich mindestens bis zur Genesung isolieren. Die Maßnahmen für Kontaktpersonen werden gerade geplant.

Muss eine Isolationszone eingerichtet werden?

Es wurde diskutiert, ob der erste Fall oder die ersten Fälle im Krankenhaus aufgenommen werden könnten, bis wir sehen, wie andere Länder auf das neue Virus reagieren. Auf den ersten Blick sind alle bisherigen Fälle eher harmlos. Es muss jedoch beachtet werden, dass diese Personen keine Sekundärinfektion haben, die zu komplizierteren Krankheiten führen könnte. Wenn die Personen isoliert sind, muss das Pflegepersonal geschützt werden. In Großbritannien gab es Fälle, in denen Krankenpfleger, die ohne Schutzmaßnahmen gearbeitet haben, angesteckt wurden. Die zu verwendende Schutzausrüstung ist derselbe wie gegen Corona.

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