Attentat in Arizona – «Wir sind nicht schuld!»

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Attentat in Arizona«Wir sind nicht schuld!»

Die Tea Party wehrt sich gegen die Vorwürfe, am Attentat auf Gabrielle Giffords mitschuldig zu sein. Einige drehen den Spieß um und bezichtigen die Linke der Hetze.

Dass nach dem ersten Schock über das Attentat in Arizona nach Schuldigen gesucht werden würde, war klar. Ebenso, dass im derzeitigen Klima die Schuld in der Politik gesucht wird. So war die rechtskonservative Tea-Party-Bewegung wenig überrascht, um nicht zu sagen darauf vorbereitet, dass der Verdacht auf sie fiel. «Das war unser erster Gedanke nach der Frage, wer geschossen hat», sagte Trent Humphries, Mitbegründer der Tea Party in Arizona, dem Politmagazin «Politico». «Jedes Mal, wenn irgendetwas passiert, werden wir beschuldigt.»

Nach dem Attentat kamen Details zum Vorschein, die solche Verdächtigungen zunächst erhärteten: An politischen Veranstaltungen blieb die Tea Party der demokratischen Abgeordneten Gabrielle Giffords stets auf den Fersen. Ihr Büro in Tucson war verwüstet worden, nachdem sie im Kongress für Präsident Obamas Gesundheitsreform gestimmt hatte. In seinen «letzten Gedanken» offenbarte der mutmaßliche Attentäter Jared Loughner dieselbe paranoide Angst vor einer allmächtigen Zentralregierung in Washington, die auch viele Anhänger der Tea Party auszeichnet.

«Offensichtlich ein Verrückter»

Die Tea Party in Arizona reagierte schnell, suchte in ihren Verteilern und Mitgliederlisten und fand keinerlei Anzeichen, dass Loughner je mit der Organisation in Kontakt getreten war. «Ich kenne unsere Leute und es gibt niemanden, der diesem Profil entspricht und so etwas tun würde», sagte Humphries.

«Das war offensichtlich ein Verrückter. Überhaupt jemanden zu erschießen, ist verrückt, aber so wahllos wie hier, da weiß man, dass es andere Gründe geben muss.» Dass sich die Tea Party gelegentlich um die Konsequenzen ihres Politikstils Sorgen macht, beweisen E-Mails an ihre Anhänger. Dort werden sie ermahnt, etwa auf Vergleiche zwischen Barack Obama und Adolf Hitler oder dem Holocaust zu verzichten.

Klares politisches Profil?

Inzwischen schießt die Rechte leidenschaftlich zurück. So schreibt der konservative Blog «Gateway Pundit», Loughner sei «definitiv kein Anhänger der Tea Party», sondern vielmehr «ein Linker, der gerne amerikanische Fahnen brennen sieht und dessen Lieblingsbuch das Kommunistische Manifest ist». Unkommentiert blieb der Umstand, dass auch Adolf Hitlers «Mein Kampf» zur bevorzugten Lektüre Loughners gehört.

Die Einordnung in ein typisches Links-rechts-Schema scheint vor diesem Hintergrund schwierig, zumal Loughner in seinen " target="_blank">«letzten Gedanken» auch anarchistische und antisemitische Überzeugungen anklingen lässt. Ein klares politisches Profil sieht anders aus und so bleibt die Vermutung, Loughner sei schlichtweg verrückt, weiter im Raum stehen.

(kri/20 Minuten)

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