Gewalt gegen Afroamerikaner – «Wir sollten uns nicht so fühlen müssen»

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Gewalt gegen Afroamerikaner«Wir sollten uns nicht so fühlen müssen»

Ein Mädchen berichtet unter Tränen davon, wie es ist, als Schwarze schlecht behandelt zu werden. Ihre Rede vor dem Stadtrat von Charlotte geht viral.

Die Polizeigewalt gegen Afroamerikaner macht auch den Kleinsten zu schaffen. Die neunjährige Zianna Oliphant hat an einer Versammlung des Stadtrats von Charlotte, North Carolina, eine bewegende Ansprache gehalten, die nicht nur ihr selbst die Tränen in die Augen getrieben haben dürfte.

Am Montag, sechs Tage nach den Schüssen auf Keith Lamont Scott, trat das Mädchen aufs Podium und richtete ein emotionales Plädoyer an die Stadtverwaltung und die Polizei.

«Wir sollten uns nicht so fühlen müssen»

«Ich bin heute hierher gekommen, um darüber zu sprechen, wie ich mich fühle. Und ich fühle, dass wir anders behandelt werden als die anderen Leute», sagte Oliphant. «Mir gefällt es nicht, wie wir behandelt werden. Nur wegen unserer Hautfarbe – die bedeutet gar nichts für mich. Ich glaube, dass ...» – dann bricht die Stimme des Kindes und es fängt an zu weinen.

Die Zuhörer ermuntern die Kleine fortzufahren, und unter Schluchzen spricht sie weiter: «Wir sind Schwarze, und wir sollten uns nicht so fühlen müssen. Wir sollten nicht protestieren müssen, weil ihr alle uns falsch behandelt. Wir tun das, weil wir es müssen und weil wir Rechte haben.»

Sie sei in Charlotte geboren und aufgewachsen, betont Oliphant, und es sei eine Schande, dass schwarze Väter und Mütter getötet würden. «Wir vergiessen Tränen, die wir nicht vergiessen sollten. Wir brauchen unsere Väter und Mütter an unserer Seite», schließt sie ihre Rede.

Scott soll gewalttätig gewesen sein

Die Aufnahmen der Ansprache wurden in den sozialen Medien tausendfach geteilt. Am Dienstag vergangener Woche erschoss die Polizei den 43-jährigen Keith Lamont Scott. Sein Tod hatte wiederholt teils gewalttätige Proteste ausgelöst. Die Polizei veröffentlichte unter dem Druck der Öffentlichkeit vor wenigen Tagen zwei Videos von den Vorfällen und Fotos einer Waffe, die Scott bei sich gehabt haben soll. Dessen Frau und weitere Angehörige beharren darauf, dass der Mann unbewaffnet war.

Aus am Dienstag bekannt gewordenen Gerichtsakten geht zudem hervor, dass Scott 2015 von seiner Frau wegen Bedrohung angezeigt worden war. Er habe sie getreten, ihren achtjährigen Sohn geschlagen und gedroht, sie zu erschießen, heißt es. Die Frau habe beantragt, dass sich ihr Mann von ihr fernhalten solle und die Polizei gewarnt, er trage eine Neun-Millimeter-Pistole auf sich. Gut eine Woche später habe sie ihren Antrag zurückgezogen.

(L'essentiel/mlr)

Toter Schwarzer bei San Diego

Zu einem weiteren Vorfall von Polizeigewalt kam es laut «Washington Post» am Dienstag in einem Vorort von San Diego, Kalifornien. In El Cajon erschoss die Polizei einen Afroamerikaner vor einem mexikanischen Restaurant in einem Einkaufszentrum. Die Beamten waren gerufen worden, weil der Mann sich «unberechenbar» verhalten habe.

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