Verkehr in Luxemburg – «Wir sprechen von einem horizontalen Aufzug»

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Verkehr in Luxemburg«Wir sprechen von einem horizontalen Aufzug»

NIEDERKERSCHEN – In Contern und im Pfaffenthal sind bereits autonome Busse mit einem Operator unterwegs. Bei der Sales-Lentz Group wurde nun der nächste Schritt präsentiert.

Der am Mittwoch auf dem Gelände der Sales-Lentz Group in Niederkerschen vorgestellte autonome Elektro-Bus des französischen Herstellers Navya sieht so aus, wie die Fahrzeuge, die das Busunternehmen bereits in Contern und im Pfaffenthal einsetzt, aber es gibt einen gravierenden Unterschied: die Autonomiestufe. Das neue Fahrzeug fährt mit Autonomiestufe 5, «das heißt, es gibt keinen Fahrer oder Operator an Bord, der das Fahrzeug bedient oder überwacht», erklärt Georges Hilbert, Generaldirektor Sales-Lentz Technical Transport.

«Die Passagiere steigen in das Fahrzeug und bedienen den autonomen Shuttle beinahe so wie einen Aufzug. Der Kunde wählt auf einem Display an, dass er beispielsweise zur Bushaltestelle Nr. 4 fahren möchte, drückt auf 'Go', hat dann 20 Sekunden, um sich hinzusetzen, das Fahrzeug schließt die Tür und fährt vollautomatisch zur Haltestelle 4. Wir sprechen intern auch oft von einem horizontalen Aufzug.»

Ein an das Fahrzeug angeschlossener XBox-Controller sorgt für kurzes Misstrauen bei der Präsentation, wird aber, wie Georges Hilbert versichert, lediglich «zum Einparken» auf dem Firmengelände benutzt. Die Fahrt auf einer vordefinierten Route absolviert das futuristische Gefährt wie angekündigt vollautomatisch auf Knopfdruck, reagiert dabei auf Hindernisse und beendet die Fahrt zielsicher wieder am Ausgangspunkt.

Was auf dem Firmengelände bereits ohne Operator funktioniert, ist auf der Straße noch Zukunftsmusik: «Die Gesetzgebung erlaubt es aktuell noch nicht, komplett fahrerlos im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs zu sein», erläutert Hilbert den Grund für die Testfahrt auf dem Firmengelände der Sales-Lentz Group. Wer ist bei einem Unfall verantwortlich? Wie kann ein autonomes Fahrzeug versichert werden? Wie funktioniert die Datensicherung? «All dies muss vom gesetzlichen Rahmen her erst vollständig geklärt sein», so Hilbert, der einen EU-weiten Durchbruch für das vollautomatisierte Fahren in zwei bis vier Jahren erwartet.

Keine Unfälle, aber Probleme mit Schnee

Weniger Skepsis kommt von den Fahrgästen, die bereits die Angebote in Contern und im Pfaffenthal benutzen.«Nach zehn Minuten Fahrt sind die meisten Leute überzeugt», berichtet Hilbert. Auch die Sicherheitsstatistik spreche für das Produkt: «Wir fahren seit neun Monaten unfallfrei.» Kleinere technische Pannen habe es zwar gegeben, aber das sei bei einer neuen Technologie normal. Auch mit Schnee vertragen sich die Fahrzeuge noch nicht so ganz, da er wichtige Sensoren bedeckt und die Fahrzeuge dadurch blind werden.

Die vollautomatischen Gefährte schlagen mit rund 300.000 Euro zu Buche und halten mit ihrer 33 Kilowattstunden-Batterie mit eingeschalteter Klimaanlage rund acht Stunden Dienst durch. «Wir von Sales-Lentz kaufen die Fahrzeuge und werden diese dann über mehrere Jahre abschreiben. Daraus errechnen wir zusammen mit den Kosten für den Operator, der Überwachung und Wartung der Fahrzeuge, sowie nötigen Software-Updates den Preis für den Kunden.»
Einen festen Starttermin für autonomes Fahren mit der Autonomiestufe 5 auf den Straßen des Großherzogtums gibt es aufgrund der rechtlichen Hürden aktuell noch nicht.

(dm/L'essentiel)

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