70 Tote im Stadion – «Wir wollen deinen Kopf, Tantawi»
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70 Tote im Stadion«Wir wollen deinen Kopf, Tantawi»

Nach den Ausschreitungen an einem Fußballspiel in Port Said wächst die Wut auf die ägyptische Regierung. Fußballfans drohen dem Chef des Militärrats Tantawi und kündigen Proteste an.

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen in Port Said ist die Wut groß und es könnte zu weiteren Gewalttaten kommen: Anhänger des Fußballclubs, der am Mittwochabend angegriffen worden war, verkündeten auf ihrer Homepage, dass sie am späteren Abend nach Port Said ziehen würden. «Al Jazeera» befürchtet, dass es zu neuen Auseinandersetzungen kommen könnte.

Ins Visier der Fans gerät Hussein Tantawi, der gegenwärtige Chef des Militärrats. «Wir wollen deinen Kopf Tantawi. Sie mögen ihren Namen in die Geschichte gebracht haben. Aber sie waren arrogant und dachten, die Menschen in Ägypten würden einen Schritt zurückgehen und die Revolution vergessen», schreiben die Ultras Tahrir Square (UTS) auf ihrer Facebook-Seite.

«Egypt Independent» bringt weitere Aussagen von Personen, die einen Plan hinter der Gewalt vermuten. Sheriff Younis, Professor für Geschichte an der Helwan Universität sagt dazu: «Bei einem Fußballspiel werden nicht einfach 73 Menschen getötet. Dies ist ein geplantes Massaker.» Er spricht die Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten an, bei denen im November 2011 gut 40 Menschen ums Leben kamen.


«Gewalt im ägyptischen Fußball hat eine lange Geschichte»

Nicht alle gehen davon aus, dass die Politik hinter den Ereignissen in Port Said stecken. Abigail Hauslohner, die «Times»-Korrespondentin in Kairo schreibt, die Sicherheitslage in Ägypten befände sich in einem sehr schlechten Zustand. Sie seien schlecht ausgerüstet und schlecht ausgebildet, um mit den tatsächlich existierenden Problemen wie Kriminalität und Unruhen umzugehen. Außerdem seien die Anreize für Sicherheitskräfte sehr gering. Sie erhalten geringe Löhne, haben keine Ausbildung und müssen damit umgehen, dass sie im ganzen Land gehasst werden. «Ich bin gegenüber den Verschwörungstheorien skeptisch. Die Gewalt im ägyptischen Fußball hat eine lange Geschichte», schreibt Hauslohner.

Auch «Al Jazeera» wartet mit der Erklärung auf, dass die Polizei vielleicht nicht gut genug ausgebildet gewesen sein könnte, um mit der Art der Gewalt umzugehen: «Sie kannten nur die brutale Gewalt, die sie unter Mubarak angewendet hatten. Wenn sie diese nicht mehr anwenden, wissen sie nicht, was sie stattdessen tun sollen», heißt es da.

(L'essentiel Online/jam)

Gouverneur tritt zurück

Die Ausschreitungen in Ägypten haben erste Folgen: Der Gouverneur von Port Said, Mohamed Abdullah, ist von seinem Amt zurückgetreten. Der ägyptische Ministerpräsident Kamal El-Ganzouri hat verkündet, dass die Leiter der Sicherheits- und Polizeibehörde suspendiert worden seien. Eine von der Regierung eingeleitete Untersuchung soll ermitteln, wie man künftig mit Fußballspielen umgehen will, bei denen Gewalt ausbrechen könnte.

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