Hochöfen in Florange – Wird russischer Oligarch zum Retter?
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Hochöfen in FlorangeWird russischer Oligarch zum Retter?

Das russische Stahlunternehmen Severstal ist offenbar an der Übernahme der stillgelegten Hochöfen von ArcelorMittal in Lothringen interessiert.

Alexey Mordaschow ist nicht nur Stahlunternehmer. Der russische Oligarch ist auch Honorarkonsul von Luxemburg in der Region Wologda.

Alexey Mordaschow ist nicht nur Stahlunternehmer. Der russische Oligarch ist auch Honorarkonsul von Luxemburg in der Region Wologda.

AFP

Der russische Oligarch Alexej Mordaschow, Besitzer des Stahlunternehmens Severstal, führt seit etwa zwei Wochen Gespräche über eine mögliche Übernahme der stillgelegten Hochöfen von ArcelorMittal im lothringischen Florange. Das berichten französische Medien am Dienstagmorgen. Weder Severstal noch der Stahlriese ArcelorMittal mit Sitz in Luxemburg kommentieren diese Informationen.

Mordaschow ist «einer der seriösesten Übernahmekandidaten. Die Verhandlungen haben begonnen», berichtet ein Experte aus Moskau, den die Wirtschaftszeitung «Les Échos» am Dienstag zitiert. Nach Angaben der lothringischen Gewerkschaften soll der Russe bereits in der vergangenen Woche nach Florange gereist sein, um sich die Anlagen anzusehen.

Analysten und Gewerkschaften haben Zweifel

Gewerkschaften und Spezialisten sind jedoch skeptisch: «Logischerweise kann er nicht nur an den Hochöfen interessiert sein. Er wird verhandeln, um noch mehr zu bekommen. Das ist sicher erst der Anfang schwieriger Verhandlungen», meint ein Gewerkschafter gegenüber «Les Échos». Mordaschow ist kein Unbekannter im europäischen Stahlgeschäft. 2006 stand Severstal bereit, um eine Allianz mit Arcelor einzugehen. Schließlich machte aber der indische Stahlkonzern Mittal das Rennen.

Doch dass es tatsächlich zu einer Übernahme kommt, bezweifeln Analysten in Moskau: «Die Anlagen in Florange sind zu alt und ineffizient. Severstal hat sehr wohl verstanden, dass es zu teuer ist, Stahl in Europa zu produzieren», zitiert «Les Échos» einen Analysten. Auch Gewerkschafter Edouard Martin von der CFDT erinnert daran, dass sich Severstal bereits mehrfach aus Beteiligungen am Stahlgeschäft in Lothringen zurückgezogen habe. Lediglich die mögliche Nutzung des Werks für die Produktion der Autoindustrie seien für ein Unternehmen wie Severstal interessant.

ArcelorMittal hatte Anfang Oktober das endgültige Aus für zwei Hochöfen in Florange beschlossen, die bereits seit mehr als einem Jahr kalt waren. Die französische Regierung hatte sich dafür eingesetzt, innerhalb einer Frist von zwei Monaten einen Investor für die Anlagen in Lothringen finden zu können. Für das derzeit stillstehende Stahlwerk in Schifflingen kommt ein Verkauf nicht in Frage, wie ArcelorMittal nach Angaben der Gewerkschaften am Freitag erklärte.

(sb/jmh/L'essentiel Online)

Mordaschow zu Diensten Luxemburgs

Der Chef von Severstal ist in Luxemburg kein Unbekannte: Alexej Mordaschow ist seit 2006 als Honorarkonsul des Großherzogtums in Tscherepowez in der der Region Wologda im Nordwesten Russlands tätig. Er wurde von Außenminister Jean Asselborn benannt.

Der Chef des Stahlunternehmens Severstal engagiert sich zudem auch in der Kunstszene: Mordaschow gehört einem Unterstützergremium des Moskauer Bolschoi-Theaters an, unterstützt die Galerie Tretjakow sowie den russischen Schachverband.

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