Wenig Fans – Wird so die WM 2022 in Katar?

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Wenig FansWird so die WM 2022 in Katar?

Der Asien-Cup 2011 gibt in Katar einen ersten Vorgeschmack auf die WM 2022. In Sachen Stimmung gibt es noch viel Potenzial.

Halbleere Blöcke dominieren die Vorrundenspiele beim Asia Cup 2011, dem Pendant zur Europameisterschaft und der ersten Hauptprobe für die WM 2022 in Katar. Ein Bier kann den Durst der Fans nicht löschen. Sie müssen sich mit Eistee, Rayyan Water oder dem Energydrink Pocari Sweat zufrieden geben. Keine rosigen Aussichten für die WM 2022 im Wüstenstaat.

Den ersten Auftritt des Gastgebers wollten im Khalifa Stadium (50 000 Plätze) immerhin 37 000 Fans sehen. Katar verlor 0:2 gegen Usbekistan. Die weiteren Partien lockten durchschnittlich aber nur noch 7 000 Fans in die Stadien – in Arenen, welche für 15 000 bis 25 000 Zuschauer Platz bieten würden. Das sind nicht gerade so schwache Auslastungen wie beim Africa Cup of Nations (der Afrikameisterschaft), aber dort sind immerhin die Spiele der Gastgeber jeweils restlos ausverkauft. Trotzdem gehen die Katari lieber ans Kamelrennen als zum Fußball. Allerdings lässt die politische Situation verschiedener Teilnehmer auch Fanreisen nicht zu – was an der WM 2022 dann anders sein wird.

Viele Frauen in den Stadien

Stimmung kommt daher zumindest in der Vorrunde nicht wirklich auf. Das wird sich spätestens ab den Halbfinals bessern, aber WM-tauglich wird dieser Asien-Cup stimmungsmäßig sicher nicht. Der Japan-Supporter und treue Großanlässe-Besucher Takumi Kato sagt gegenüber dem deutschen «Sportinformationsdienst»: «Hier ist es viel zu ruhig. Es gibt keine Party, kein Bier, keine Discos. Abends sitzen wir im Hotel und wissen nicht, was wir machen sollen.» In Dohas Zentrum würde es eine Fanmeile geben, doch dort verlieren sich nur wenige Menschenseelen. Immerhin herrscht jetzt im Januar nicht die Hitze, welche der WM 2022 im Juni und Juli droht, falls es nicht doch eine Winter-WM gibt.

Mit einigen Klischees kann Katar aber schon einmal aufräumen. In den Stadien sitzen erstaunlich viele Frauen. Nicht alle sind dabei verschleiert, sie unterstützen ihre Teams auch in Fantrikots. Und wenn nicht Bier gegen den Durst, dann erhält man wenigstens Pizza und Chips an den Stadienkiosken. Was von der WM 2010 niemand vermissen wird, sind die Vuvuzelas. In Katar dominieren Girbahs. Das sind dudelsackähnliche Blasinstrumente, welche die Zuschauer während 90 Minuten sanft berieseln.

Hervorragende Organisation

Nicht lumpen lässt sich der Wüstenstaat dafür – ganz im Gegensatz zum Afrika-Cup, wo teilweise einiges dem Zufall überlassen wird – bei der Organisation. Alles ist perfekt beschildert und die Helfer sind extrem freundlich. Den Asien-Cup als Vorgeschmack auf die WM 2022 zu nehmen, wäre vermessen. Klar wird es dann auch verschleierte Frauen oder Männer im traditionellen Gewand im Stadion geben. Aber zu glauben, die Stadien würden halbleer sein und die Stimmung müsse man vergebens suchen, ist falsch. Das bewies nicht zuletzt die WM 2010 in Südafrika, die entgegen allen Befürchtungen ein Erfolg wurde. Und wenn es 2022 dann tatsächlich kein Bier im Stadion geben sollte, dann dürften dies zumindest die nicht-englischen Fußballfans überleben.

(20min.ch/rf)

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