Jagd auf Despoten – Wo sich Gaddafi noch verschanzt haben könnte
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Jagd auf DespotenWo sich Gaddafi noch verschanzt haben könnte

Libysche Rebellen sind am Dienstganachmittag in die Residenz von Muammar al-Gaddafi eingedrungen. Doch wo bleibt der libysche Machthaber selbst?

Über seinen Verbleib rätselt die Welt - Muammar al-Gaddafi. (Bild: Reuters)

Über seinen Verbleib rätselt die Welt - Muammar al-Gaddafi. (Bild: Reuters)

Seit die libyschen Rebellen in die Hauptstadt Tripolis eingerückt sind, finden die heftigsten Kämpfe im Viertel Bab al-Asisija statt. Dort liegt die Residenz von Muammar Gaddafi. Rund um den Stützpunkt Bab al-Asisija lieferten sich Aufständische und Gaddafi-Milizen am Dienstag erbitterte Kämpfe, wie ausländische Nachrichtensender berichteten.

Doch ob sich Gaddafi im Bunkerkomplex wirklich aufhält, war auch am Dienstag unklar. Seit Mai trat der Staatschef nicht mehr in der Öffentlichkeit auf, meldete sich zuletzt allenfalls in Audiobotschaften zu Wort.

Spekulationen, dass sich Gaddafi in seine Heimatstadt Sirte oder gar ins Ausland abgesetzt haben könnte, haben Hochkonjunktur.

Im Bunkersystem der Residenz?

Die US-Regierung erklärte, sie habe keine Anzeichen dafür, dass der Machthaber Tripolis verlassen habe. Einen weiteren Hinweis für Gaddafis Verbleib in der Hauptstadt lieferte sein gefangen geglaubter Sohn Seif al-Islam, der sich in der Nacht zum Dienstag überraschend vor ausländischen Journalisten auf dem Gelände der Residenz zeigte. Tripolis sei unter Kontrolle der Regierung, versicherte er. «Gaddafi und die ganze Familie sind in Tripolis.»

Auch Gaddafi selbst erweckte in seinen letzten drei am Wochenende vom Staatsfernsehen ausgestrahlten Audiobotschaften den Eindruck, sich weiter in der Hauptstadt zu befinden. «Wir werden Tripolis nicht den Besatzern und ihren Agenten überlassen. Ich bin mit euch in dieser Schlacht», sagte er.

Rund um die Residenz Bab al-Asisija waren auch am Dienstag Raketen und schwerer Artilleriebeschuss zu hören. Die Rebellen starteten einen massiven Angriff auf den Gebäudekomplex, den NATO-Luftangriffe in den vergangen Monaten bereits weitgehend zerstört hatten. Unterhalb des Geländes soll sich aber ein weit verzweigtes Bunkersystem befinden.

Rückzug in die Heimat?

In der Öffentlichkeit zeigte sich Gaddafi zuletzt Ende Mai bei einem Besuch des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, der zu einer Vermittlungsmission nach Libyen gereist war. Das libysche Staatsfernsehen strahlte dabei Aufnahmen des Machthabers aus, wie er Zuma am Eingang eines Gebäudes empfängt.

Als möglicher Aufenthaltsort wird immer wieder auch die Gegend um die Stadt Sirte genannt, wo Gaddafi am 7. Juni 1942 angeblich in einem Beduinenzelt geboren wurde. Die Küstenstadt ist Heimat seines Stammes, den Gaddafa, und anders als der Großteil des Landes weiter in der Hand seiner Anhänger.

Während seiner mehr als 40-jährigen Herrschaft behandelte Gaddafi auch andere der insgesamt rund 140 Stämme Libyens bevorzugt - diese könnten ihn nun aus Loyalität ebenfalls beherbergen.

Exil bei Freunden?

Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich ist eine Flucht Gaddafis ins Ausland. Südafrika wies am Montag Gerüchte zurück, Flugzeuge nach Libyen geschickt zu haben, um Gaddafi und seine Familie außer Landes zu bringen.

Niemand aus dem Gaddafi-Clan habe in Südafrika Asyl beantragt, sagte die südafrikanische Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane. Auch Algerien war in den vergangenen Wochen immer wieder als möglicher Zufluchtsort für Gaddafi genannt worden, was die Regierung des Nachbarlandes aber kategorisch dementierte.

(L'essentiel online/sda)

Gaddafi angeblich weiter in Tripolis

Der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi hält sich nach einem unbestätigten Bericht weiterhin in der Hauptstadt Tripolis auf. Der russische Chef des Weltschachverbandes FIDE, Kirsan Iljumschinow, sagte am Dienstag, er habe mit Gaddafi und dessen ältesten Sohn Mohammed telefoniert. «Ich bin am Leben, und es geht mir gut», habe Gaddafi ihm gesagt, berichtete Iljumschinow der Agentur Interfax. «Ich bin in Tripolis und werde Libyen nicht verlassen. Glauben Sie dem westlichen Lügenfernsehen nicht.»

Der FIDE-Chef hatte Mitte Juni in Tripolis mit Gaddafi Schach gespielt.

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