Geräusche und Gerüche – Worauf Piloten achten, wenn sie Passagiere sind

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Geräusche und GerücheWorauf Piloten achten, wenn sie Passagiere sind

Sitzreihen zählen und Geräusche beachten: Erfahrene Airline-Piloten erzählen, was ihnen beim Reisen auffällt.

Wie fühlt sich ein Zahnarzt beim Zahnarzt? Ein Coiffeur beim Coiffeur? Fachleute erleben ihren eigenen Beruf jeweils anders, als das die weniger fachkundige Kundschaft tut. Genau dieses Faktum inspirierte auch eine Frage auf der Webplattform «Quora»: «Auf welche Dinge achten Airline-Piloten, wenn sie selbst als Passagiere unterwegs sind, die normalen Passagieren nicht auffallen?»

Der britische Independent hat kürzlich die Antworten von verschiedenen Piloten in einem Artikel zusammengetragen. Im Generellen können sie Situationen durch ihr Wissen besser einschätzen, aber sie vertrauen auch den Piloten im Cockpit.

Geräusche, Gerüche und Vertrauen

«Sobald ich weiß, wo sich der Notausgang befindet, zähle ich die einzelnen Sitzreihen bis zu meinem Sitzplatz ab», schreibt da etwa John Chesire. Denn: Der pensionierte Pilot geht lieber auf Nummer sicher. «Wenn es notwendig wird, kann ich im Dunkeln, unter Wasser, bei Rauch oder wenn das Flugzeug auf dem Kopf steht blind die Anzahl an Sitzen zählen, die nötig sind, um den Notausgang zu erreichen.»

Tom Farrier von der amerikanischen Air Transport Association orientiert sich in brenzligen Situationen an den Geräuschen der Hydrauliksysteme und der Klappen. «Geräusche sind immer aussagekräftig», schreibt der langjährige Pilot. Auch Gerüche könnten Indikatoren dafür sein, dass möglicherweise etwas nicht stimmt. «Speziell wenn es sich um den Geruch von Treibstoff handelt», so Farrier.

Das Schwierigste sei aber, zu entscheiden, was er mit seinem Wissen anfangen soll. «Das ist wirklich der schwierigste Teil jeder ungewöhnlichen Situation. Ich vertraue den Piloten, denen die Leben der Passagiere anvertraut wurden.»

Eis auf der Tragfläche?

Generell haben professionelle Piloten den Vorteil, dass sie die Technik der Flieger kennen und Probleme selbst gut einschätzen können. «Ich kann vielleicht nicht jede Maschine fliegen», meint etwa Robin Brewer. «Aber ich weiß, was normal ist.» Würde er etwas Außergewöhnliches sehen, würde er sich sicher zu Wort melden.

Wenn sich vor dem Start zum Beispiel auf den Tragflächen Eis ansammelt, dann wisse er sofort, dass etwas mit dem Enteisungssystem nicht stimme. «Es gibt mir ein Gefühl der Sicherheit, wenn ich die Stewardessen und Piloten darüber informiere», so Bremer.

Komische Flugrouten

Andere Hinweise sind für Laien nur begrenzt nützlich. So kennt Alan Matthews zum Beispiel die Flugrouten und weiß, wenn sich der Flieger auf einem komischen Kurs befindet. So habe er zum Beispiel auf einem Flug nach Miami gemerkt, dass die Maschine eine Linkskurve ausließ. «Stattdessen blieben wir auf der gleichen Flughöhe, blieben länger in Windrichtung und drehten dann nach rechts, weg von der Landebahn. Sich so vom Flughafen Miami wegzudrehen, war nicht normal.»

Das Flugzeug hatte eine kaputte Landeklappe und die Maschine musste ohne Klappen landen. Ein weiteres Kennzeichen seiner Professionalität: Matthews konnte das Problem einschätzen und blieb ruhig: «Eine Klappe funktionierte nicht, also würden wir ohne Klappen landen müssen. Aber das ist kein großes Problem.»

(L'essentiel/nag/mch)

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