Demo in Kirchberg – Wut-Bauern kämpfen mit Eiern und Milch

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Demo in KirchbergWut-Bauern kämpfen mit Eiern und Milch

LUXEMBURG - Mehr als 300 Landwirte aus Belgien haben am Dienstag auf dem Kirchberg demonstriert. Dabei setzten sie ihr Erzeugnisse als Botschafter ein.

20150915 AR kIRCHBERG,lUXEMBOURG,PLACE DE L EUROPE,Ue conseil des ministres de l agriculture,demo agriculteurs,photo de famille

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Editpress/Arischard

Wieder einmal knatterten die Traktoren wütender Bauern in der Hauptstadt: Landwirte aus der belgischen Provinz Luxemburg fuhren am Dienstagmorgen mit ihren Maschinen von Sterpenich bis zum Kirchberg, um vor dem Konferenzzentrum gegen niedrige Milchpreise zu protestieren. Die Aktion wurde vom wallonischen Agrarverband (FWA) organisiert. Etwa 300 Viehzüchter aus dem Nachbarland beteiligten sich daran. Der Luxemburger Verband LDB distanzierte sich indes von der Aktion. Es werde kein Bauer aus dem Großherzogtum daran teilnehmen, hieß es in einem Communiqué.

Die Bauern kippten vor 15 Uhr etwa 1000 Liter mit Wasser gestreckte Milch vor das Tagungsgebäude, wie die Polizei bestätigte. Die Beamten wurden zudem mit Eiern beworfen. Die etwa 50 Traktoren formierten sich daraufhin zu einer Kolonne und verließen die Stadt über die Route d'Arlon Richtung Belgien. Auf der Autobahn A 6 kam es daraufhin zu Staus, wie die Polizei meldete. Kurz nach 17 Uhr hatten die Trekker Luxemburg verlassen.

Die Bauern-Kolonne am Vormittag in Strassen:

«Brüssel muss Kurs ändern»

Weil die Preise für Milch zuletzt immer weiter gesunken waren, stecken viele Milchbauern in Europa in einer finanziellen Krise. Die EU-Landwirtschaftsminister wollten am Dienstag in Kirchberg über Details zur vereinbarten Subvention von 500 Millionen Euro und zusätzliche Maßnahmen für Milchbauern sowie Produzenten von Schweinefleisch und Rindfleisch reden. Am Montag waren zehn der Ressortchefs in einem Dorf nahe Clerf von etwa 60 aufgebrachten Landwirten zwei Stunden lang an der Weiterfahrt behindert worden.

500 Millionen Euro für alle Mitgliedsländer sind den Bauern nicht genug. «Die derzeitige Politik ist völlig untragbar», sagt Dominique Bilocq, Mitglied der FWA. «Der Preis für Milch, Getreide und Fleisch hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Wenn sich nichts ändert, werden viele Betriebe zusperren müssen. Wir erwarten künftig mehr Regulierung und eine wirkliche Kursänderung in Brüssel. Zahlreiche Landwirte üben ihren Beruf aus Leidenschaft aus und die EU profitiert überaus davon.»

Die Police Grand-Ducale hatte Vorbereitungen für eine mögliche Eskalation auf Kirchberg getroffen. Mehrere hundert Polizisten sicherten die Protestaktion. «Die Demonstranten haben uns eine friedliche Protestaktion angekündigt. Sollten die Dinge eskalieren, werden wir Wasserwerfer benutzen», sagte Polizeisprecher Daniel Back.

(pp/dpa/L'essentiel)

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