Philippinen – Wut über Duterte treibt Gegner auf die Straße
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PhilippinenWut über Duterte treibt Gegner auf die Straße

Demonstranten in Manila warnen vor einem Rückfall in die Diktatur und solidarisieren sich mit der am Donnerstag inhaftierten Senatorin de Lima.

Nach der Verhaftung der philippinischen Senatorin Leila de Lima sind tausende Menschen gegen die blutige Anti-Drogen-Politik von Präsident Rodrigo Duterte auf die Straße gegangen. Die Demonstranten versammelten sich heute vor dem Polizeipräsidium in der Hauptstadt Manila, wo die prominente Duterte-Kritikerin seit Freitag in Haft sitzt.

Gegen de Lima war am Donnerstag Haftbefehl erlassen worden. Ihr wird vorgeworfen, als Justizministerin unter dem ehemaligen Präsidenten Benigno Aquino in einen Drogenhändlerring verwickelt gewesen zu sein.

De Lima ist eine entschiedene Gegnerin von Dutertes Anti-Drogen-Politik und kritisierte ihn schon während dessen Zeit als Bürgermeister der Stadt Davao, wo er Todesschwadronen geduldet oder sogar befehligt haben soll, die mehr als tausend Menschen getötet haben sollen. De Limas Unterstützer vermuten nun, dass die Senatorin mit erfundenen Vorwürfen zum Schweigen gebracht werden soll. Duterte sorgt wegen seines harten Vorgehens im Anti-Drogen-Kampf immer wieder für Entsetzen. Nach seinem Amtsantritt im Juni 2016 hatte er einen unbarmherzigen «Krieg» gegen die Drogenkriminalität angeordnet. Seitdem wurden in den Philippinen mehr als 6500 Menschen getötet, viele von ihnen wurden auf offener Straße oder bei Razzien erschossen.

«Kultur der Straflosigkeit»

Die Demonstranten warnten bei ihren Protesten, die am 31. Jahrestag des siegreichen Volksaufstands gegen den Diktator Ferdinand Marcos stattfanden, auch vor einem Rückfall in die Diktatur. «Wir warnen unser Volk vor der Gefahr durch den aufkommenden Faschismus», sagte Bonifacio Ilagan, der eine der Protestaktionen vor dem Polizeipräsidium anführte.

Dutertes Feldzug gegen die Drogenkriminalität führe bereits zu einer «Kultur der Straflosigkeit», sagte der Dramatiker, der einen Demonstrationszug anführte und während der Marcos-Diktatur in den 70er Jahren in Polizeihaft gefoltert worden war. Dutertes Vorgänger Aquino, der an der Spitze eines weiteren Protestzugs mit etwa 2000 Demonstranten lief, solidarisierte sich in einer Rede mit de Lima. Er verwahrte sich gegen Äußerungen von Duterte-Sprechern über eine Verschwörung zur Destabilisierung des Präsidenten. «Wie könnten wir eine Destabilisierung vorantreiben, wenn wir in Wirklichkeit unsere Unterstützung anbieten», sagte er.

(L'essentiel/nag/sda)

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