Rauswurf bei Disney – Youtube-König stolpert über antisemitische Clips

Publiziert

Rauswurf bei DisneyYoutube-König stolpert über antisemitische Clips

Mit Nazi-Parolen hat Youtuber Pewdiepie den Bogen überspannt: Disney bricht alle Geschäftsbeziehungen ab, Youtube schiebt ihn aufs Abstellgleis.

Mit mehr als 53 Millionen Abonnenten ist Felix Kjellberg alias Pewdiepie der unbestrittene König bei Youtube. Jetzt gerät sein Königreich ins Wanken. Grund dafür ist ein Artikel des «Wall Street Journals». Drei Journalisten der renommierten Zeitung zeigten, dass der Youtuber während der vergangenen Wochen mehrfach Nazi-Parolen und antisemitische Witze gemacht hat.

Ein Clip, der am 11. Januar online ging, zeigte zwei Männer, die ein Schild mit der Aufschrift «Death to all Jews» (Tod allen Juden) hochhielten. Die beiden, die das Plakat in die Kamera halten, sind zwei Komiker aus Indien. Engagiert wurden sie von Kjellberg. Er bezahlte ihnen fünf Dollar für die Aktion. Fans und jüdische Organisationen warfen ihm dafür schon im Januar Antisemitismus vor.

Kündigung von Disney

Jetzt bekommt der Youtuber die Konsequenzen zu spüren. Seit 2012 arbeitete der Schwede für die Maker Studios, die Disney im Jahr 2014 für 675 Millionen Dollar gekauft hat. Mit den Videos konfrontiert, distanzierte sich ein Sprecher von Disney von Kjellberg: «Obwohl Felix seine hohe Abonnentenzahl auch durch provokative und pietätlose Aktionen erreicht hat, ist er in diesem Fall zu weit gegangen. Die Videos sind unangemessen.» Der Konzern hat die Geschäftsbeziehungen mit dem Youtuber abgebrochen.

Videos von Kanal entfernt

Zur Zeit der Publikation des «Wall Street Journal»-Artikels hat Kjellberg drei Videos aus seinem Kanal entfernt. Darunter oben genanntes vom 11. Januar. Ein anderes Video vom 22. Januar zeigte einen als Jesus verkleideten Mann, der sagte: «Hitler did absolutely nothing wrong» (Hitler hat absolut nichts falsch gemacht).

Gegenüber dem «Wall Street Journal» nahm Kjellberg nicht direkt Stellung. In einer Videobotschaft, die er über seinen Kanal verbreitete, bestätige er jedoch, dass der Clip vom 11. Januar zu weit gegangen sei.

«Dinge aufklären»

Letztes Wochenende äußerte sich Kjellberg auf der Blogging-Plattform Tumblr zu dem Fall. Die Kommentare und Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, schreibt er. Er wolle nun «einige Dinge aufklären», und zwar, dass er keine «hasserfüllten Haltungen» unterstütze, in keinster Weise. Er produziere Inhalte als Unterhaltung, nicht als politische Kommentare. Er verstehe aber, dass «diese Witze letztendlich beleidigend waren».

Für Pewdiepie wird die Aktion finanzielle Konsequenzen haben. Nicht nur Disney hat die Geschäftsbeziehung beendet, auch Google zieht einen Strich. So ist sein Kanal aus dem Werbenetzwerk Google Preferred herausgeflogen und zudem hat Youtube die zweite Staffel von «Scare Pewdiepie» annulliert, die dieses Jahr hätte anlaufen sollen. Das bestätigte ein Sprecher gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Time». «Scare Pewdiepie» lief bisher auf dem Bezahldienst Youtube Red.

(L'essentiel/tob)

Deine Meinung