WHO warnt – Zahl der neuen HIV-Fälle in Europa so hoch wie nie

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WHO warntZahl der neuen HIV-Fälle in Europa so hoch wie nie

LUXEMBURG - Im Vorjahr erkrankten knapp 150.000 Menschen in Europa an HIV. Auch die Zahlen für Luxemburg sind alarmierend.

In Europa gab es 2014 mehr HIV-Infektionen denn je. In Luxemburg zeigt sich ein ähnlicher Trend.

In Europa gab es 2014 mehr HIV-Infektionen denn je. In Luxemburg zeigt sich ein ähnlicher Trend.

AFP/Valery Hache

Die Zahl der neuen HIV-Diagnosen hat 2014 in Europa ein Rekordhoch erreicht. Nach einem Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sind im vergangenem Jahr 142.197 neue Ansteckungen registriert worden. 2013 waren es 136.235 Erstdiagnosen. Weltweit macht der Kampf gegen Aids dagegen Fortschritte.

Vor allem in den östlichen Ländern der Europäischen Region sei ein enormer Anstieg zu verzeichnen. Allein Russland meldete 85.252 neue Infektionen. In Bulgarien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei hätten sich die pro Jahr diagnostizierten Infektionen seit 2005 verdoppelt. Übertragen werde das Virus hier vor allem durch heterosexuelle Kontakte oder verunreinigtes Drogenbesteck.

Starker Anstieg auch in Luxemburg

In Luxemburg ist die Zahl der Neuinfektionen 2014 ebenfalls relativ stark, und zwar um 17 Prozent, angestiegen. 2014 gab es hierzulande 96 neue Befunde, die Zahlen waren bereits im Juli bekannt geworden. Ursache für den Anstieg im Großherzogtum ist vor allem die Zahl der Neuinfektionen unter Drogenkonsumenten.

In Luxemburg betrifft die Krankheit erschreckend viele junge Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren – über 15 Prozent der Neuerkrankungen wurden in dieser Altersgruppe festgestellt. Zu einem überwiegenden Teil wurde das Virus durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr weitergegeben. Das widerspricht der allgemeinen Entwicklung in der Europäischen Union (EU), wonach vorwiegend homosexuelle Männer betroffen sind. «HIV-Diagnosen bei Männern, die Sex mit Männern haben, sind in einem alarmierenden Tempo gestiegen», hieß es in dem Bericht. Von 30 Prozent der Infektionen im Jahr 2005 auf 42 Prozent im Jahr 2014.

In Deutschland wurde das Aids-Virus 2014 dem ECDC-Bericht zufolge bei 3525 Menschen festgestellt. Das sind sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch schätzt das Robert Koch-Institut (RKI), dass sich nur rund 3200 Menschen direkt in Deutschland infiziert haben. Es gebe eine Reihe von «Auslandsinfektionen», die in Deutschland diagnostiziert werden. In Österreich, Estland, Frankreich, Niederlande und Großbritannien sind die Diagnosen in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 25 Prozent zurückgegangen. Auch in Belgien ist die Zahl der HIV-Infektionen rückläufig.

Mehr HIV-Tests gefordert

Obwohl die Zahl der infizierten Migranten rückläufig ist, warnt die WHO, diese Gruppe zu vernachlässigen. «Wir bei der WHO fordern alle Länder in Europa auf, HIV-Tests, Präventions- und Behandlungsangebote für alle Flüchtlinge und Migranten bereitzustellen, unabhängig von ihrem rechtlichen Status. Das ist auch der sicherste Weg, die eigene Bevölkerung vor einer HIV-Infektion zu schützen.»

Nach einem Bericht der Vereinten Nationen haben sich 2014 weltweit 2 Millionen Menschen mit dem Aids-Virus infiziert. Diese Zahl geht jedoch stark zurück: Die Neuansteckungen sind seit 2000 um 35 Prozent gesunken. 36,9 Millionen Menschen tragen das Virus in sich. 1,2 Millionen Menschen starben im vergangenen Jahr an Krankheiten im Zusammenhang mit Aids.

Link:
HIV-Bericht der WHO

(jt/dpa/L'essentiel)

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